Hinterhörer Krippenspiel in Neubeuern

Am 15. Dezember wird in der Kapelle Schloss Neubeuern um 18 Uhr  „Das Hinterhörer Krippenspiel“ des Dichters und Schriftstellers Rudolf Borchardt aufgeführt. Es spielen und musizieren Schüler der Schule Schloss Neubeuern. Im Anschluss Vorstellung des Dichters durch seinen Sohn Cornelius in der Bibliothek Schloss Neubeuern. Der Eintritt ist frei, um Anmeldung wird unter Tel.: 08035-9062-0 oder unterinfo@schloss-neubeuern.de gebeten.

Zur Geschichte des Hinterhörer Krippenspiels in Neubeuern

Der Schweizer Diplomat, Essayist und Historiker Carl-Jacob Burkhardt schrieb vor 100 Jahren über unseren Ort:

»Es gab einen Freundeskreis – Hugo von Hofmannsthal, Annette Kolb, Grete Wiesenthal, Rudolf Kassner, Eberhard von Bodenhausen, Rudolf Borchardt, Rudolf Alexander Schröder, Henry van de Velde, um nur einige zu nennen und da war ein Ort in einer der lieblichsten Gegenden Oberbayerns, und in diesen Häusern wirkten Frauen, die in wunderbarer Weise diese Freunde vereinigten. Während eines halben Jahrhunderts haben sie eine in dieser Art, in jedem Augenblick offen stehende Gastfreundschaft geboten. Für alle schufen sie eine zweite Heimat, eine Zuflucht für ungestörtes Arbeiten, einen immer zur Verfügung stehenden Treffpunkt hoher, geistiger Geselligkeit; dort fand man Anteil, Verständnis über alle Grenzen, Aufmunterung im Geben wie im Nehmen, und es herrschte ein glückliches, ausgewogenes Vertrauen, zu dem jeder seinen Teil beitrug. Dieser Mittelpunkt hieß Neubeuern. Der Zauber, der über jenen Ort ausgebreitet war, ging von den Herrinnen der beiden Häuser aus, der Baronin Julie von Wendelstadt und der Gräfin Ottonie Degenfeld-Schonburg. Könnten Mauern sprechen, welche Fülle von hoher Rede und Widerrede würde im Neubeurer Schloss und in dem Jagdhaus Hinterhör und auf der Heuberghütte erklingen, welch unvergessliche Lesungen soeben vollendeter Dichtungen würden wir vernehmen.«

1914 nahm auch der Dichter und Schriftsteller Rudolf Borchardt mit seiner Frau Lina am Treffen der 4. Neubeurer Woche teil. Der als Lyriker bekannte Rudolf Borchardt war ein Verehrer von Hofmannsthal und begegnet ihm schließlich 1901 zum ersten Mal. Sein literarisches Schaffen kommt aus Überlieferungen der biblischen und antiken Traditionen sowie der europäischen Vergangenheit zu. Er war einer der brillantesten Redner der Epoche.

Man muss ihn zu seiner Zeit in einer Reihe mit Rilke, Mann, George, Hauptmann, Hesse und Hofmannsthal nennen.

Fast auf den Tag vor 95 Jahren am 14. Dezember 1920 kam Borchardt mit seiner 2. Frau Marel nach Neubeuern und schrieb in das Gästebuch:
»Alles muss sich erneuern in der Welt und in Neubeuern, wenn in Neubeuern und der Welt das Herz den alten Schlag behält«

Dieser Spruch drückt die Situation Deutschlands und der Welt nach dem 1. Weltkrieg und seine persönliche Lebenssituation aus. Gräfin Ottonie hatte den Dichter im Sommer 1920 um ein Krippenspiel für die Tochter Marie-Therese und ihre Freundin Christa von Bodenhausen gebeten.

Bei seinem Besuch in Hinterhör 1920 brachte er das Spiel vom 18. auf den 19. Dezember in einer Nacht in Hinterhör zu Papier. Marie-Therese spielte die erste Maria. Gedruckt wurde das Spiel 1922 bei Rowohlt und 1963 als Bärenreiter Laienspiel.

Die öffentliche Uraufführung war am 18. Dezember 1922 in Kiel. 1928 wurde Borchardts Sohn Cornelius, der später den Josef spielte, geboren. Im Schloss wurde das Spiel von 1967 bis 1985 unter der Regie von Wieland Goldberg aufgeführt. 2004 bekamen wir das Original Manuskript des Hinterhörer Krippenspiels von Comtesse Degenfeld geschenkt. Die erste Wiederaufführung war im Dezember 2010 unter der Regie von Beate Dietz-Langer und Reinhard Käsinger in unserer Schlosskapelle, 90 Jahre nach Borchardts Besuch in Neubeuern.

Andrea Aschauer

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