Hinduistische Hochzeit in Süd-Indien mit bayerischen Naturtönen

Lieber Toni, anbei mein letzter Bericht von einer indischen Hochzeit für dieses Jahr. Mit über tausend Gästen war diese die größte Hochzeitsfeier, die wir bisher in Indien erlebt haben. Für uns war es natürlich auch wieder eine Werbetour für Bayern, insbesondere auch für das Chiemsee-Alpenland. Bei unserer Reise haben wir dieses Mal nicht nur die Freundlichkeit von gut-betuchten Indern erfahren, sondern bei einem eintägigem Besuch in einem Dorf, abseits der modernen Zivilisation, auch die Herzlichkeit von ärmlichen Dorfbewohnern.Nach dem Motto „Alle guten Dinge sind drei“ habe ich Ende Juni die Einladung zu einer dritten indischen Hochzeit in diesem Jahr angenommen.
Wie bei den vorangegangenen beiden Hochzeiten, so war auch wieder mein Alphorn im Gepäck. Begleitet von meiner Indien-kundigen Tochter und einem Koffer voll Süßigkeiten und bayerischen Geschenkartikeln, u.a. auch vom Tourismusverband Chiemsee-Alpenland, ging es zunächst nach Chennai, der Hauptstadt von Tamil Nadu, zu meinen indischen Arbeitskollegen, bzw. unserem Bayern-Fanclub, der inzwischen weit über 100 Interessenten umfasst.
Mit einer Abordnung von 15 Personen führte die Reise weiter nach Tiruchirappalli, der viertgrößten tamilischen Stadt. Als Hauptsehenswürdigkeit befindet sich dort inmitten der Stadt, auf einem steilen Felsen, die Festungsanlage „Rock Fort“, mit dem Uchi-Pillayar-Tempel auf dem Gipfel. Für eine indische Reisegruppe gab ich dort auf nahezu kochend-heißem felsigen Gestein (Schuhe waren nicht erlaubt) mein erstes Alphornkonzert. Wie bereits bei früheren Alphorn-Darbietungen waren die Inder von dem Naturton-Instrument fasziniert. Dazu mit bayerischen Fähnchen und Süßigkeiten konnten wir neue Freunde für das bayerische Brauchtum und somit für Deutschland gewinnen.
Weiter über Thanjavur, mit einer Besichtigung der Brihadishvara Tempelanlage, eine der bedeutendsten in Südindien, führte die Reise dann noch weiter nach Süden, nach Pattukkottai, dem Ort, wo die Hochzeit stattfand.
Eine indische Hochzeit ist immer ein großes Fest, zu dem bis zu 1000 Gäste und mehr eingeladen sind. Es ist in Indien das Highlight des Lebens, sowohl bei den Hindus, als auch bei den Christen. Die Braut trägt meist einen roten Sari, da Rot in Indien als Glücksbringende Farbe gilt. Der Bräutigam ist normalerweise frei in der Wahl seiner Kleidung. Im gegebenen Fall trug er einen weißen Lunghi (Wickelrock).
Sowohl während der Hochzeit, als auch davor, finden mehrere hinduistische Rituale statt. Eine davon ist die „Mehndi-Feier“. Dabei werden der Braut mit einer Henna-Paste Tattoos auf die Haut, insbesondere den Händen, aufgetragen. Je dunkler die Tattoos, desto mehr soll ihre Schwiegermutter sie angeblich mögen. Außerdem wird die Braut von der Hausarbeit solange verschont, bis die Tatoos verblasst sind.
Am Tag der Hochzeit begab sich der Bräutigam mit einem Hochzeitsumzug (Baraat), begleitet von einer lautstarken Musikkapelle, zur Reception Hall (Hochzeits-Festsaal). Die Braut kam erst danach in Begleitung ihres Vaters dazu. Zu Beginn der Hauptfeier schmückte sich das Brautpaar gegenseitig mit Girlanden aus bunten Blumen. Dieses Ritual ist mit dem Tausch der Ringe im Westen zu vergleichen. Von westlich orientierten Hindus werden zusätzlich auch Ringe ausgetauscht, obwohl dies eigentlich kein hinduistisches Ritual ist.
Im weiteren Verlauf der Hochzeitsfeier nahm dann das Hochzeitspaar im Saal auf einem festlich geschmückten Thron Patz um somit für einen Tag „König und Königin“ zu sein. Nach verschieden hinduistischen Hochzeits-Ritualen im nahe gelegenen Tempel Nadiamman, sowie vor und in der Reception Hall wurden die Glückwünsche und Geschenke der Gäste entgegengenommen. Mit Alphorngrüßen und bayerischer Fahne haben auch wir dabei unser Hochzeitsgeschenk werbewirksam mit bayerischem Akzent überreicht.
Auf der Rückreise waren wir zu Besuch im Heimatort eines indischen Arbeitskollegen, abseits von Pudukkottai, in Thanjore, einem Dorf auf dem Lande, wo es kein Auto, kein fließendes Wasser, etc. gibt. Die Gelegenheit, dort eine Nacht bei einem orkanartigen Sturm mit zeitweisem Stromausfall verbringen zu dürfen, abseits der modernen Zivilisation, möchten wir nicht missen. Es war neben der zuvor erlebten prunkvollen Hochzeit ebenso ein unvergessliches Erlebnis, wo wir eine überaus herzliche Gastfreundschaft der ärmlichen Dorfbewohner erfahren haben und wir aktiv Nächstenliebe praktizieren konnten.
Mit Alphornklängen und den Rest unserer bayerischen Mitbringsel haben wir in dem Dorf sicherlich einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Es ist nicht auszuschließen, dass dort in Zukunft ein Maibaum nach bayerischem Vorbild aufgestellt wird.

Helmut Amberger
Verein der Bayern in Berlin e.V.

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg