Großes Interesse an Öko-Milch-Veranstaltung in Rohrdorf

Rund 80 Teilnehmer nahmen an einer Info-Veranstaltung zur Umstellung auf Ökologische Milchviehhaltung im Gasthaus „Zur Post“ in Rohrdorf im Landkreis Rosenheim teil. Das eintägige Seminar war Teil der „Stark-im-Markt“-Reihe und wurde von den Ämtern für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Ebersberg und Rosenheim sowie der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) organisiert.

Der Festsaal im Gasthof zur Post in Rohrdorf war zwar sehr dicht gefüllt, dies tat der Aufmerksamkeit der Seminarteilnehmer aber keinen Abbruch, da hochkarätige Referenten den Tag bestritten. Nach einer Begrüßung durch den Behördenleiter des AELFs Rosenheim, Wolfgang Hampel, stieg Johannes Enzler, Fachbereichsleiter für Ökologische Land- und Ernährungswirtschaft an der LfL, gleich in die Thematik „Öko-Milchmarkt“ ein. Hierbei stellte er dar, welche Molkereien in Deutschland und Bayern Biomilch erfassen und wie sich die Liefermengen in den letzten Jahren entwickelt haben. Sein Fazit: der Öko-Milchmarkt wächst, da auch die Verbraucher vermehrt zu Öko-Milchprodukten greifen. Der Wermutstropfen jedoch ist, dass sowohl bei der Milch als auch bei den Milchprodukten bis zu 50 % nicht in Deutschland erzeugt, sondern aus Österreich oder Dänemark importiert werden. Dabei zeigte Johannes Enzler anhand der Öko-Milchauszahlungspreise der vergangen Jahre, dass die Aufschläge auf den konventionellen Milchpreis in den vergangenen fünf Jahren zwischen 7,6 bis 11 Cent lagen und damit die Erzeugung von Biomilch für viele bayerische Betriebe finanziell interessant wäre. Gerade da die Verbraucher die regionale Erzeugung immer mehr schätzten, läge hier eine Chance für bayerische Betriebe, so Johannes Enzler. In der anschließenden Diskussion bestätigte auch Christian Wagner, Milcheinkäufer der Molkerei Scheitz, dass die Biomilch momentan sehr gesucht sei.
Dazu passte auch die Kernaussage „Bio- und regionale Produkte wachsen zweistellig“ des darauf folgenden Vortrags. Edmund Pillekamp und Karl Seidl stellten die REWE Group vor und zeigten die Bio-Thematik aus Sicht des Lebensmitteleinzelhandels. Für die anwesenden Milchviehhalter war dabei besonders interessant, dass die REWE in Kundenbefragungen immer wieder zum Ergebnis kam, wie wichtig für die Kundschaft der Bereich der Molkereiprodukte im Sortiment ist. Daher, so Pillekamp, bieten die REWE-Märkte im Vergleich zu anderen Supermärkten viele Molkereiprodukte an. Da sich das Unternehmen für Nachhaltigkeit und Umweltschutz einsetzt, findet man darunter viele Regional- und Bio-Marken. Für die bayerischen Betriebe besonders erfreulich ist, dass REWE zukünftig auch das neue „Bayerische Bio-Siegel“ nutzen wird. Eine entsprechende Werbekampagne ist bereits in Vorbereitung. Ein weiterer Punkt, auf den die beiden Vortragenden besonders stolz waren, sind die vielen Landwirte, die REWE-Märkte direkt beliefern. Insgesamt gibt es für die Region Süd 320 lokale Lieferanten, die so mit ihren Produkten direkt den Verbraucher erreichen.
Nachdem der Vormittag ganz im Zeichen des Absatzes für Bio-Produkte stand, diente der Nachmittag dazu, die Seite der Landwirtschaft näher zu beleuchten. Birgit Graßl und Ursula König vom Fachzentrum „Ökologischer Landbau“ erläuterten den interessierten Teilnehmern, welche Vorgaben Milchviehbetriebe bei einer Umstellung auf Ökologischen Landbau einhalten müssen. Dabei ging es um die Zertifizierung, die jährliche Kontrolle, Düngung und Pflanzenschutz sowie Stallbau und Fütterung. Anhand eines Beispielsbetriebes wurde dargestellt, was sich im Betrieb bei einer Umstellung alles verändern müsste und wie sich die Umstellung finanziell rechnen würde. Die Gewinnsteigerung durch die Umstellung wurde anschließend intensiv diskutiert. Als Fazit lässt sich festhalten, dass die Milchviehbetriebe bei einer Umstellung auf ökologischen Landbau oft wenig ändern müssen und sich umso besser rechnet, je näher ein Betrieb an den Öko-Vorgaben bereits „dran ist“.
Dass sich die Umstellung für ihn auch finanziell rentiert hat, bestätigte der letzte Referent des Tages, Landwirt Richard Mühlbauer. Er hat seinen Betrieb 2011 auf ökologischen Landbau umgestellt und hält 68 Milchkühe. Was ihn dazu bewogen hat, umzustellen, beschrieb er den Seminarteilnehmern als „schleichende Umstellung“. Zum einen war für ihn ausschlaggebend, dass die Biobetriebe wirtschaftlich oft sehr gut dastehen und ihm auch die „Low-Cost-Strategie“, das heißt die Minimierung von Kosten für beispielsweise Düngemittel, Pflanzenschutz und Zukaufsfuttermittel, entgegen kam. Zum anderen erkannte er für sich immer mehr die Bedeutung der Landwirtschaft für den Wasser- und Artenschutz und die Erzeugung von rückstandsfreien Lebensmitteln. So verzichtet er seitdem auf den Maisanbau, setzt im Sommer auf die Grasfütterung und vermeidet Antibiotika-Behandlungen soweit es geht. Seine Kühe danken es ihm mit guter Tiergesundheit und guter Fruchtbarkeit bei einer Milchleistung von durchschnittlich 7.300 kg. Wie er seine Flächen und die Fütterung umstellte, welche Probleme es gab und gibt und was er alles ausprobiert, das beschrieb er den aufmerksamen Zuhörern ganz genau. Seine Botschaft „Gesunder Boden – gesunde Pflanze – gesundes Tier“ kam auf jeden Fall an!
So ließe sich als Fazit des Seminartages festhalten, dass die Verbraucher diese Tatsache ebenso schätzen und daher bereit sind, für regionale Bio-Produkte mehr zu bezahlen. Dass momentan in Bayern die Biomilch so gesucht ist, spiegelt diesen Trend wieder. Die zahlreichen intensiven Gespräche am Ende der Veranstaltung zeigten, dass einige sich nun intensiv mit einer Umstellung beschäftigen.

Weitere Stark-im-Markt-Veranstaltungen zum Thema „Öko-Milch“ finden in Mindelheim und Hirschaid statt.

Bild 1: Herr Hampel, Behördenleiter, AELF Rosenheim

Bild 2: Herr Enzler, Institut für Ernährungswirtschaft und Märkte, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft

Bild 3: Herr Edmund Pillekamp und Herr Karl Seidl, Rewe Group CM

Bild 4: Gut gefüllter Saal

Bild 5: Frau Birgit Grassl, Fachzentrum Ökologischer Landbau, AELF Ebersberg

Bild 6: Richard Mühlbauer, Öko-Milchviehhalter Riedering

 

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg