GRAND PRIX CARACCIOLA 2016 am Chiemsee – Schöne Erinnerungen

Nun war es endlich soweit, der Grand Prix Caracciola, mit dem selbst gesetzten Ziel die beste Alpenrallye des Jahres zu werden, ging bei herrlichstem Sonnenschein an den Start. Man darf es vorweg nehmen, es war die beste Alpenrallye des Jahres, dazu aber später mehr.Über 80 Teilnehmer mit Ihren Automobilen der Baujahre 1923-1973 gingen in Prien am Chiemsee an den Start zum „Großen Preis von Prien am Chiemsee“. Ein 1,1km Stadtkurs der mehrmals durchfahren werden musste. Hier zeigte sich schon die akribische und ausgezeichnete Vorbereitung der Organisation. Neben dem Spass bei einem Stadt Kurs, kam auch die Sicherheit nicht zu kurz. Fast 1000 Zuschauer galt es in die richtigen Bahnen zu lenken. Dafür sorgten die Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst, private Security und die Ordnungskräfte der Scuderia Caracciola. Alles in allem ein perfekter Start, der mit einer 52km langen Chiemseerunde als Prolog begann und anschließend im Großen Preis endete. Teilnehmer sowie Zuschauer waren begeistert von der wunderbaren Atmosphäre, welches die Marktgemeinde Prien in Zusammenarbeit mit der Organisation, herstellen konnte. Die Zuschauer hatten die Gelegenheit die exakte Fahrt der Gleichmässigkeitspiloten mit Ihren historischen Fahrzeugen zu bestaunen. Jeweils nach einer Runde fuhren die Fahrzeuge direkt auf dem Marktplatz Ihre Schlauchprüfungen und die vielen Besucher konnten sofort sehen, wie genau die Fahrer mit Ihren Co-Piloten die Prüfungen gefahren haben. Hier war genügend Spannung gegeben, vor allem wenn die Vorkriegsrenn und Sportwagen unterwegs waren. Wann sieht man schon mal 8L Hubraum in Gestalt eines Bentleys derart um die Kurven preschen.
Der Stadt Grand Prix lief 2 Stunden, wenn man allerdings die Zuschauer befragt hätte, so hätte das Grande Spectacle ruhig noch weiter gehen können, so groß war die begeisternde Anteilnahme am Sehen, Hören und riechen, dieser herrlichen Automobile. Bei aller Begeisterung der Massen denken die Macher des Grand Prix Caracciola immer auch an die, welche es nicht so gut haben. Das haben Sie in der Vergangenheit schon bewiesen in der Zusammenarbeit mit der José Carreras Leukämie Stiftung, oder auch durch die spontane Flutopferhilfe in Ostdeutschland. Bei der diesjährigen, zweiten Cooperation mit der José Carreras Leukämie Stiftung, konnten Sie auch einen bekannten Botschafter der Stiftung, den Schauspieler Dieter Landuris in Prien begrüßen, der es sich nicht nehmen liess, zum Publikum zu sprechen und auch hier um Spenden für die José Carreras Stiftung zu werben. Die Teilnehmer der Rallye saßen auch mit im Boot. Sie wurden „gebeten“ für jeden Strafpunkt einen Cent zu spenden, was natürlich von allen angenommen wurde, und dementsprechend auch großzügig aufgerundet wurde

Am Freitagmorgen gegen 08.30 Uhr wurde in Prien am Hafen gestartet und das sofort mit einer sehr ausgefallenen Wertungsprüfung. An einer Stelle mussten die Fahrer besonders achtgeben, denn ein Bremsversagen hätte unweigerlich zu einem Bad im Chiemsee geführt, denn die Wertungsprüfung befand sich an einer Stelle nur wenige Meter vom See entfernt. Eine herrliche Streckenführung führte dann die Teams zur nächsten WP in Inzell. Dort wurde eine Prüfung um die berühmte Max Aicher Arena gefahren, wobei die Schläuche nicht alle sofort einsehbar waren. Das sorgte für erhöhte Aufmerksamkeit bei dieser anspruchsvollen Wertungsprüfung. Berchtesgaden stand als nächster Punkt im Bordbuch, nicht aber ohne vorher kurz bei der Hindenburglinde vorbeizuschauen. Auch hier etwas Besonderes, nämlich eine Durchfahrt zwischen vollbesetzten Tischen des Lokals um am anderen Ende wieder auf die Hauptstraße zu gelangen. Nach einer von vielen Zuschauern umsäumten Durchfahrt, über den Schlossplatz in Berchtesgaden ging es zu einer Zeitkontrolle auf den Hof der Fa. VW Buchwinkler, wo die Teams mit Espresso und Canapes verwöhnt wurden. Die Pause war gut gewählt, da es anschließend auf die legendäre Bergrennstrecke Rossfeld ging, wo auf dem höchsten Punkt wieder eine Wertungsprüfung gefahren wurde die es in sich hatte. Von wo hat man den schönsten Blick auf Salzburg? Vom Panoramalokal Daxlueg, wo die verdiente Mittagspause die Teilnehmer mit österreichischen Köstlichkeiten versorgte.
Es blieb spannend, denn nach der Mittagspause stand der Salzburgring auf dem Programm. Die Organisation hat die Schläuche für die Wertungsprüfungen nur im Bereich der Boxengassen ausgelegt, sodass die Teams die Rennstrecke richtig befahren konnten, ohne Unterbrechung. Da hat sich der Caracciola Grand Prix schon einen Namen gemacht. Die Teilnehmer haben es bestätigt: Die lassen´s auch mal laufen, was den Teams sehr viel Spass gemacht hat. Nach über 2 Stunden Fahrt auf dem Salzburgring bewegte sich der Tross Richtung Teisendorf, wo die Teams Gast im Traumwerk HP Porsche waren, wo es neben Kaffee und Kuchen, auch galt, eine WP exakt zu fahren. Nach fast 300km Tagesetappe konnten sich die Teilnehmer nun auf einen Zieleinlauf mitten auf dem Stadtplatz in Traunstein freuen, wo auch wieder sehr viele Zuschauer den Zieleinlauf verfolgten. Da es in dieser Zeit sehr viele Veranstaltungen in Traunstein gibt, haben es die Verantwortlichen der Gemeinde perfekt verstanden, dem Grand Prix Caracciola einen perfekten Rahmen zu liefern. Mit dabei, als großer Oldtimer Enthusiast, Herr Bernhard Sailer vom Hofbräuhaus Traunstein, der die Teilnehmer am Ziel überrascht hat. Es gab Biergeschenke mit der neuen Bierschokolade und der großen Hitze geschuldet für jeden einen Strohhut. Auch hier, wie erwartet, volles Haus und ein begeistertes Publikum.

Der zweite Rallyetag war sicher nicht arm an Überraschungen und herrlichen Strecken, aber am Samstag dem dritten Rallyetag gab es ebenfalls noch aussergewöhnliches zu erleben. Der Start fand wieder in Prien am Hafen statt, nur wurde der Schwierigkeitsgrad der Wertungsprüfung noch etwas angehoben. Seit 2 Tagen schon gab es ein heisses Kopf an Kopfrennen zwischen einem italienischen Meisterfahrer und dem besten deutschen Gleichmässigkeitsfahrer, die dann auch den Sieg unter sich ausgemacht haben. Aber auch die anderen Teilnehmer der Sanduhr bzw. Elektroniklasse machten es den Profis nicht leicht. Erste kurze Station nach dem Start war die schöne Gemeinde Aschau, wo bei einer Stempelkontrolle Präsente der Gemeinde Aschau verteilt wurden und Berggut.com großzügig Kaminwurz in die Fahrzeuge reichte. Kauend fuhren die Piloten dann weiter Richtung Bayrischzell, wo es zu einem wunderbaren Zusammentreffen mit einer anderen Rallye kam, was natürlich von beiden Veranstaltern schon im Vorfeld geplant war. Nachdem die Teilnehmer der Wendelstein Historic die Ortsdurchfahrt Bayrischzell hinter sich hatten, kamen Minuten später die Rallyefahrer des Grand Prix Caracciola durch den Ort. Für die Zuschauer ein absolutes Erlebnis, in so kurzer Zeit über 150 klassische Automobile durch Ihren Ort fahren zu sehen. Nächste Station auf dieser Etappe war der Spitzingsee, wo unterhalb der Seilbahnstation der Stümpflingbahn, genügend Platz blieb um in luftiger Höhe eine Hochgebirgs WP zu absolvieren. Die Strecke wurde von Stunde zu Stunde immer schöner und reizvoller, vor allem bei der Anfahrt zur verdienten Mittagspause am wunderschönen Achensee beim „Entner am See“, einer Location wie man kaum eine zweite findet. Herrlich gelegen, direkt am See, genossen die Teilnehmer ein ausgezeichnetes Mittagsmenü bei strahlendem Sonnenschein auf der herrlichen Terrasse des Hotel Entner am See.
Bis dahin wusste noch niemand was sich hinter der WP Indoor und der WP Rasen versteckt. Da haben sich die Organisatoren wieder etwas Besonderes ausgedacht. Ein Besuch bei der Fa. Viking, deren Gelände so groß ist, das man dort fast ein F1 Rennen fahren könnte. Für die Teilnehmer des Caracciola Grand Prix die perfekte Location um WP´s auch mal etwas schneller als gehobenes Schritttempo zu fahren. Sonst werden dort Rasenmäher produziert, aber heute stand das Gelände ganz im Zeichen historischen Blechs. Von dort über Kufstein kommend, fand die extremste WP beim berühmten Hödnerhof in der Arena statt. Wo sonst große Märkte und Gesangskünstler Ihre Konzerte geben, durften die Teams Ihre WP in der, nach 2 Seiten offenen Halle, fahren. Das war nicht ganz so einfach, da die Decke der Halle von vielen Pfeilern gestützt wurde, wo es galt diesen nicht zu nahe zu kommen. Selbst bei Regen, wäre diese WP trocken über die Bühne gegangen, aber nach wie vor nur herrlichstes Fahrwetter, während des gesamten Tages.

Zu diesem Zeitpunkt steckten schon über 500 km in den Teams und den Fahrzeugen und das Ziel war nicht mehr weit. Letzte Zeitkontrolle für die Teilnehmer wenige Kilometer vorm grandiosen Zieleinlauf, mitten im Zentrum von Bernau am Chiemsee.
Der Zieleinlauf beim „Alten Wirt“ im Ortszentrum von Bernau am Chiemsee, war genauso, wie man es sich vorstellt wenn man in Oberbayern eine Rallye fährt. Weit über 300 Zuschauer fanden sich ein und besetzten den Kirchplatz und die Strassen entlang der Strecke. Es war gerade noch so viel Platz, dass die Autos durchs Ziel fahren konnten. Dahinter wurden Sie von 2 4-jährigen Bernauer Mädels erwartet, deren Aufgabe es war einen echten „Chiemseer“ in Form des berühmten Likörs in die Fahrzeuge zu reichen.
Der anschließende Galaabend im Yachthotel Prien am Chiemsee, setzte wirklich Masstäbe für alle zukünftigen Veranstaltungen der Scuderia Caracciola. Das Yachthotel mit seiner atemberaubenden Kulisse, direkt am Chiemsee Yachthafen, stellte sich als perfekter Austragungsort für einen Galaabend mit Siegerehrung dar. Während die Fahrzeuge vorm Yachthotel in der Boxengasse abkühlen durften, bereitet man drinnen einen unvergesslichen Abend. Schon am Tag der Rallye fragte man sich, wer denn da im Orga Auto, mitfährt. Das Geheimnis wurde erst Abends gelüftet. Es war einer der bekanntesten Magier und Zauberkünstler Deutschlands, der durch Fernsehauftritte schon seit längerem auf sich aufmerksam gemacht hat und u.a. auch Herrn Bohlen und Herrn Gottschalk begeisterte.  Harry Riegel krönte den Abend durch seinen Soloauftritt und brachte die Teilnehmer und Gäste mit seinen aussergewöhnlichen Zauberkunststücken zum Staunen. Die anschließende Siegerehrung wurde von den Organisatoren Hagen Kruse und Eduard Neitzke, der auch den Abend und alle Zieleinläufe moderierte, auf ein ganz hohes Level geholt. Man wähnte sich, nach der Bekanntgabe der Sieger, eher beim Champions League Finale als bei einer gewöhnlichen Siegerfeier. Feuerwerk und Goldregen für die Sieger und alle Platzierten rundeten das Bild eines fantastischen Abends ab.
Highlights dieser Rallye, neben traumhaften Strecken, anspruchsvollen WP´s und einem fast perfekten Bordbuch sind die vielen netten Details, worüber sich manch anderer gar keine Gedanken macht. Das beginnt damit, dass es unterschiedlich große Startnummern gab, eben für Coupes oder Vorkriegler mit wenig Platz auf den Türen, bis hin zum massgerechten Ändern der Teambekleidung, oder auch der Fürsorge im Vorfeld der Rallye, wo die von weither angereisten Teilnehmer Ihre Trailer parken und was Sie Abends zu essen bekommen. Die Organisation hat sich um Alles gekümmert, auch bereits vorm offiziellen Rallyestart. Damit dieser persönliche und familiäre Charakter dieser wunderbaren Rallye nicht verloren geht, wurde entschieden die Teilnehmerzahl zukünftig auf max. 100 zu begrenzen.
Wer gern sportliche Rallyes, nach italienischem Vorbild fährt und über ein entsprechendes Automobil verfügt, sollte sich den 30.August 2017 ganz groß im Kalender anstreichen. Denn dann startet wieder der Grand Prix Caracciola am Chiemsee, aber auch dann wieder gespickt mit Highlights und Überraschungen. Das Fazit kann somit nur lauten: Eine so gut gemachte Oldtimerrallye wird nun einen festen Platz im europäischen Rallyekalender haben. Man darf gespannt sein was sich das Duo Kruse/Neitzke für 2017 noch alles einfallen lässt.

Fotos: Veranstalter

 

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg