Gildeball in Aschau i. Chiemgau

Höhepunkt im Prientaler Fasching war der Gildeball inn der bis auf den letzten Platz besetzten Festhalle in Hohenaschau.

Jetzt hat er schon einen eigenen Fanclub: seine Rustikalität, der Aschauer Hof-, Feld-, Wald und Wiesenmarschall Sebastian Bichler, der Meister aller Improvisationstalente ohne Konzept und Zettelwirtschaft ist der neue „Mister Wunderbar“ des beginnenden Jahrtausends. Nach Lou van Burg in der Fernsehsendung „Der goldene Schuss“ aus dem vorigen Jahrtausend ist der Aschauer Marschall erst der zweite Träger dieses Ehrentitels. Jedes Mal wenn er „Wunderbar“ sagte, und das tat er an diesem Abend gezählte 283 mal und gefühlt noch viel öfter, machte sich der Fanclub mit Lärminstrumenten bemerkbar. Die Aschauer Festhalle bleibt die Faschingshochburg für den gesamten Faschingsadel im Chiemgau. Hochansehnliche Garden trafen sich mit ihren Prinzenpaaren und allem, was eine Faschingsgilde sonst noch so braucht, beim „Aschauer Samstag – Höhepunkt der Faschingssaison“ in der Aschauer Festhalle in Aschau und erwiesen den beiden Hoheiten – seiner Tollität Prinz Martin II. – Engagierter Herrscher über Blitz und Feuer und ihre Lieblichkeit Prinzessin Theresa I. – Redegewandte Regentin in der dritten Ledererdynastie zu Haindorf – ihre Referenz.
Noch nicht einmal der sprichwörtlich letzte Platz war in der großen Halle noch frei, bunt kostümiertes Faschingsvolk bevölkerte die Tische und Gänge, die Bar und die Raucherlounge, bewegte sich zu den Rhythmen der „Talbachbuam“ auf der Tanzfläche, bestaunte die Prinzenpaare und die Showtänze der weiblichen Garden.
Greisliche Zombies hatten ihre Gruften im Oberen Priental verlassen, die letzten verbliebenen Neandertaler kamen aus den versteckten Karsthöhlen im Naturschutzgebiet Geigelstein. Viele Fernsehgestalten aus den Serien aller Kanäle erschienen leibhaftig in Aschau, Schneewittchen brachte die sieben Zwerge aus Wildenwart mit, die Piraten kamen auf der Prien aus der Karibik samt ihren weiblichen Gegenstücken, dazu auch wilde Teufel und Vampire, Marienkäferchen, süße Engel und reizende Feen, wie beim Kinderfasching. Viel Haut und tiefe Einblicke in die Kostüme boten sich den Betrachtern, doch auch hier galt oft „mehr Schein als Sein“ und nicht jeder Ausschnitt hielt, was er versprach.
Und dann ging es Schlag auf Schlag: die Aschauer Faschingsgilde besetzte die Bühne mit dem ganzen Elferrat und dem sturmerprobten rot-weißen Gardekorps. Prinz Martin und seine Prinzessin Theresa brachten ihren Prinzenwalzer und schwebten in den letzten tollen Tagen über das Parkett. Das Aschauer Gardekorps stand den beiden in keiner Weise nach und brachte den Gardemarsch nach den vielen Auftritten der letzten Wochen flott und exakt bis ins letzte Detail. Gardemajor Christine Hamberger hat ihre Mädels fest im Griff: da stimmt einfach alles. Mit rauschendem Beifall dankten die Aschauer ihrer Faschingsgilde, die sie in den Faschingswochen überall im Chiemgau so gut vertreten hatte. Souverän führte seine Rustikalität Feld- Wald, Haus- und Hofmarschalllegende Sebastian Bichler durch den Abend, je länger es dauert umso besser wird er.
Höchstleistungen bot die Prienarria mit ihrer Prinzessin Bianca I., tanzende Zahnfee aus dem Land der Ratzinger Höhen und seine Prinz Clement I., edler Regent über Hubraum und Newtonmeter aus dem Reich der tiefen Täler. Danach fegte die Priener Garde über die Bühne. Staunend sahen die Zuschauer, wie sie es fertig brachten, die Gesetze der Schwerkraft aufzuheben und die Mädchen über die Bühne fliegen und schweben zu lassen.
Die Chiemseenixen aus Bernau taten es ihnen nach: sie kamen direkt aus Hellas und brachten wunderzarte Quellnymphen und Windfeen ins Priental samt der göttlichen Prinzessin Janine I. strahlende Aphrodite aus dem Land der Liebe und der sinnlichen Begierde und dem trefflichen Prinz Manuel I. furchtloser Herakles griechischer Sagenheld und Lehrherr der Kampfkunst mit dem gesamten Hofstaat.
Die Flintsbacher kamen „very british“ mit Lord Matthias und Lady Marlene, Dudelsackpfeifern, Trommlern und Gardisten der Welsh Guard, dazu die Gardistinnen zunächst im Grün der irischen Kleeblätter und dann als brave Internatsmädchen.
Dann kam Vagen mit seinem Fanfarenkorps und den Kasperln als Markenzeichen, nach ihnen zogen Prinzessin Martina und Prinz Maximilian aus Vogtareuth ein und schließlich als Krönung die roten Rosenheimerinnen. Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen.
Zwischen den Auftritten der Garden kam auch das Publikum immer wieder zum Tanz und die Talbach Buam heizten den Tänzern richtig ein. Entgegen dem sonstigen Trend bei Bällen und Tanzfesten war die Tanzfläche stets gut gefüllt, gar mancher maskierte Ballbesucher im Hühner- und Straßenkater-Ganzkörperdress beneidete die Tänzerinnen der Garden um ihre luftigen Kostüme. Die Bar war ständig umlagert, manches Paar musste nach dem Tanz den Flüssigkeitspegel durch geistige Getränke wiederherstellen.
Jede Show war einzigartig und beeindruckend, vor der Halle stauten sich die Busse und in der Halle ging es Schlag auf Schlag weiter. Ans Heimgehen dachte bei diesem Programm niemand und so endete der Ball für die meisten ziemlich spät.

Bericht und Bilder: Heinrich Rehberg

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg