Trachtler-Gespräch mit Bayerns Finanz- und Heimatminister Dr. Markus Söder, MdL

Mitglieder der Vorstandschaft vom Bayerischen Trachtenverband hatten jüngst Gelegenheit, in München mit Bayerns Heimat- und Finanzminister Dr. Markus Söder ein Gespräch zu führen. Nachfolgend die Trachtler-Fragen und Minister-Antworten.„Grüß Gott“ Herr Minister Söder, vorab möchte sich der Bayerische Trachtenverband mit ein paar Eckwerten vor-stellen: wir sind ein Landesverband, der die Tradition der Gewand- und Brauch-tumspflege seit der Gründung des ersten Trachtenvereins in Bayern im Jahre 1883 in Bayrischzell kontinuierlich fortführt. 165.000 Erwachsene und 100.000 Jugendliche gehören unserem Dachverband für 22 Gauverbände und für 800 Gebirgs-, Volkstrachten- und Heimatvereine an. Gerne sind wir kulturell, gesellschaftlich, christlich und für unsere Heimat tätig. Deswegen freut es uns, heute mit Ihnen als unserem „Heimat-Minister“ zusammenzutreffen und ein paar Fragen stellen zu dürfen.
Frage: „Wie sieht der Finanz- und Heimatminister den Bayerischen Trachtenverband in seinen Aufgaben und Rollen?“
Söder: Heimat und für die kulturelle Identität hängen untrennbar zusammen. Seit vielen Jahren ziehen immer mehr Menschen nach Bayern und wählen unser Land zu ihrer neuen Heimat. Das liegt nicht nur am wirtschaftlichen Erfolg und der ho-hen Lebensqualität in Bayern, sondern gerade auch an unserem Lebens- und Heimatgefühl. Der Trachtenverband prägt dieses Gefühl entscheidend mit. Er hat eine hohe Identifikationsfunktion für unsere Heimat Bayern. Er sorgt für den Erhalt und die Weitergabe des bayerischen Brauchtums und der bayerischen Kultur in ihrer ganzen Vielfalt.
Wichtig ist vor allem, dass die Tradition lebendig bleibt und auch an die künftigen Generationen weitergegeben wird. Von besonderer Bedeutung ist daher die Brauchtumspflege in der Jugendarbeit. Die Bayerische Trachtenjugend als Jugendorganisation des Bayerischen Trachtenverbandes e.V. gehört mit über 100.000 Mitgliedern zu den größten, anerkannten freien Trägern der Jugendhilfe in Bayern. Den Erhalt der Prinzipien der Demokratie, der Toleranz und der Solida-rität gerade jungen Menschen zu vermitteln, kann gar nicht hoch genug geschätzt werden.
Frage: „Die Trachtenbewegung erfasst das ganze Land Bayern und be-schränkt sich nicht nur auf das Gebiet entlang der Alpenkette. Welche Sichtweise haben Sie als Franke bzw. als Bewohner von Mittelfranken?“
Söder: Die Vielfalt der Traditionen prägt unsere Heimat. Jede Region hat für sich kennzeichnende Bräuche, Traditionen und Trachten. Die farbenfrohen und festli-chen Trachten gehören bayernweit zum öffentlichen Leben. Sie verleihen Veran-staltungen in Bayern oftmals den richtigen Glanz. Wir werden oftmals um die dar-aus resultierenden prächtigen Bilder beneidet. Daher ist es eigentlich selbstverständlich, dass sich die Trachtenbewegung auf das gesamte Gebiet des Freistaats Bayern erstreckt.
Frage: „Die Heimat- und Trachtenpflege innerhalb des Bayerischen Trach-tenverbandes lebt vom Ehrenamt. Wie kann dieses für die Trachtler und all-gemein moralisch weiter gestützt werden?“
Söder: Für Verdienste um Heimat und bayerische Kultur verleiht das Heimatminis-terium den „HEIMAT BAYERN PREIS“. Im vergangenen Jahr konnte ich den Preis an die Filser Buam, den Bund der Gebirgsschützen-Kompanien und den Bairisch-Alpenländischer Volksmusikverein im Rahmen eines Festakts in der Residenz München aushändigen.
Bayernweit sind rund 3,8 Millionen Menschen in ihrer Freizeit freiwillig und unent-geltlich für andere Menschen aktiv. Sie leisten einen unverzichtbar wichtigen Bei-trag für die Gesellschaft. Das Leben in Bayern wäre viel ärmer, gäbe es nicht Menschen, die bereit sind, auf diese Weise Verantwortung zu übernehmen. Es ist daher ein Anliegen der Staatsregierung, die Tätigkeit der Ehrenamtlichen nachhal-tig zu unterstützen, etwa mit der Ehrenamtspauschale bei der Einkommensteuer. Auch die bayernweit gültige Ehrenamtskarte, bei der Freistaat, kreisfreie Städte und Landkreise Bayerns zusammenarbeiten, soll Ausdruck für diese Wertschät-zung sein. Ehrenamtliches Engagement ist so vielfältig wie das Leben selbst.
Wichtig ist daher vor allem die Vernetzung und Abstimmung der Angebote. Mit Beratungs- und Koordinierungsangeboten auf der lokalen Ebene helfen wir hier gezielt.
Frage: Laut der Bayerischen Verfassung ist Bayern ein Kulturstaat, der Bay-erische Trachtenverband als Kulturträger übernimmt wichtige kulturelle Aufgaben. Sind die Trachtler somit über den weltweit mit Trachtler-Bildern geprägten G7-Gipfel hinaus das „Gesicht Bayerns“?
Söder: Kultur schafft Verbindung über die Grenzen hinweg. Ohne Zweifel haben die Trachtler mit ihren eindrucksvollen Auftritten und ihrem freundlichen Empfang maßgeblich dazu beigetragen, dass beim G7-Gipfel mit schönsten Bildern für Bayern weltweit geworben wurde. Dabei fasziniert mich neben der Schönheit der Bilder auch ihre Wirkung gerade in unserer modernen, digitalisierten Zeit. Wir le-ben schon lange in einer Welt, deren Lebenswirklichkeit globalisiert und deren Mode internationalisiert ist. Zugleich gewinnt aber regionale Identität wieder an Bedeutung. Man erlebt allenthalben eine Rückbesinnung auf traditionelle Werte und altes Kulturgut. Für beides – Fortschritt und Tradition – steht unser Heimat-and.
Frage: „In Ihrem Programm HEIMAT BAYERN 2020 erwähnen Sie ein 25-Punkte-Programm. Welche dieser Punkte sind besonders für die Trachtler von Bedeutung?“
Söder: Laut Statistischem Landesamt werden bis 2030 fast 13 Millionen Men-schen bei uns sein. Das ist eine Abstimmung mit den Füßen und ein gutes Zeug-nis für die Zukunftsfähigkeit Bayerns. Bayern soll Heimatland für alle sein, für die alteingesessenen Bayern und auch für Neubürger, egal ob sie aus Deutschland oder anderen Teilen der Welt nach Bayern ziehen. Heimat heißt: zu Hause sein, zu Hause bleiben und sich zu Hause fühlen. Dafür haben wir die Heimatstrategie entwickelt. Bayern als Wohlstands-, Wohlfühl- und Werteland – das soll unser Kompass sein. Die in der Heimatstrategie genannten Maßnahmen vereinen „har-te“ Bereiche wie Digitalisierung, Finanzausgleich und Landesentwicklung und eher „weiche“ Faktoren wie Image und Marketing. Allen Maßnahmen ist gemeinsam, dass sie nicht auf eine Alimentierung, sondern auf Aktivierung aller Landesteile
und Beteiligten hinauslaufen. Genau hierbei brauchen wir die Trachtler als aktiven Motor.
Frage: „Sie haben schon oft darauf hingewiesen, dass ländliche Regionen die Seele Bayerns sind. Hat dies mit den Trachtenvereinen etwas zu tun?“
Söder: Den ländlichen Raum dürfen wir nicht verklären zum Naturpark. Er muss Lebensperspektiven bieten für junge Leute. Die eigentliche landespolitische Her-ausforderung liegt darin, die nach der Verfassung vorgesehene Gleichwertigkeit der Lebensbedingungen in Bayern zu realisieren. Wir setzen uns täglich mit der Frage auseinander: Wie kann man das Leben in den Städten mit all dem Zuzug so verträglich wie möglich gestalten? Und gleichzeitig: Wie bringen wir in den ländlichen Raum mehr Dynamik und sorgen für Chancengleichheit? Heimatminis-ter bedeutet, Tradition mit Moderne vereinen. Genau hier liegt die Gemeinsamkeit mit den Trachtenvereinen.
Nur wo Breitband vorhanden ist, werden Arbeitsplätze entstehen und erhalten. Der Ausbau von schnellem Internet in ganz Bayern ist das wichtigste Infrastrukturprojekt der Bayerischen Staatsregierung. Mit unserem bundesweit einmaligen Förderprogramm von 1,5 Milliarden Euro bis 2018 bringen wir ganz Bayern an das schnelle Netz. Jede Gemeinde erhält eine Ausfahrt von der Datenautobahn. Breitband ist Zukunft.
Der Freistaat investiert ebenfalls rund zehn Millionen Euro, um allen Bürgern ein offenes und kosten-freies WLAN-Angebot zu ermöglichen. Gerade für den ländli-chen Raum ist freies WLAN ein echter Standortvorteil. Damit stärken wir weiter die digitale Chancengleichheit und sorgen für gleichwertige Lebensbedingungen in ganz Bayern. Mit dem @BayernWLAN erhält jede Gemeinde die Möglichkeit, Bür-gern und Touristen an ihren attraktiven Plätzen die digitale Welt zu erschließen. Der Freistaat Bayern soll bis 2020 mit einem engmaschigen Netz von kostenfreien WLAN-Hotspots überzogen werden. Damit wird der Freistaat WLAN-Land Nr. 1 in Deutschland. Die schönen Bilder aus Bayern können über die sozialen Netzwerke so noch schneller in der ganzen Welt verbreiten.
Frage: „In zehnjähriger Arbeit haben Bayerns Trachtler im niederbayeri-schen Holzhausen ein Trachtenkulturzentrum erstellt – auch Dank umfang-
reicher freistaatlicher Unterstützung. Dürfen wir Sie mal zu einem Besuch und zu einer Besichtigung einladen?“
Söder: Die Fertigstellung des Trachtenkulturzentrums im vergangenen Jahr ist eine beeindruckende Leistung des Trachtenverbandes. Die Eröffnung des Zent-rums war ein Festtag für die Trachtlerinnen und Trachtler innerhalb des Bayeri-schen Trachtenverbandes. Der Trachtenverband schuf damit auch ein Zentrum für Erwachsenen- und Jugendbildung. Der Freistaat hat die Tatkraft des Trachtenverbands mit insgesamt 2,3 Millionen Euro aus Mitteln des Wissenschaftsministeriums unterstützt. Über eine Einladung für einen Besuch würde ich mich sehr freuen.

Foto: Hötzelsperger – Landesvorsitzender Max Bertl, Landeskassier Walter Weinzierl, Minister Dr. Markus Söder mit Ehrenvorsitzendem Otto Dufter und dessen Frau Hilde beim Zusammentreffen in der Residenz München

Entnommen dem Heimat- und Trachtenboten, bestellbar über www.trachtenverband-bayern.de oder Telefon 0861-4619

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg