Geschichtsverein Aschau besuchte Priener Pfarrkirche

Mit der Chiemgau-Bahn reisten 25 Mitglieder des Aschauer Heimat- und Geschichtsvereins nach Prien, um mit Kreisheimatpfleger Karl Aß und dem ehem. Kirchenpfleger Josef Stöttner die Pfarrkiche „Mariä Himmelfahrt“ besser kennen zu lernen. Wolfgang Bude, der seit Jahrzehnten die Verbindung des Vereins mit Aß pflegt, begrüßte den gelernten Volkskundler herzlich.Den Schwerpunkt der Führung legte Aß auf die zahlreichen Grabdenkmäler und für die Aschauer besonders interessante Epitaphe außerhalb und innerhalb der Kirchenmauern. Ein besonders eindrucksvolles steht gleich neben der Eingangstür an der Südseite des Gotteshauses. Das große klassizistisch- gusseiserne Denkmal wurde für die Grafen Preysing, Majoratsherrn von Hohenaschau, Johann Max V. und dessen Nachkommen, den letzten Preysing auf Hohenaschau, Johannes Christian und seiner Tochter Christine, errichtet. Besonderes Augenmerk galt auch der Grabplatte des letzten Propstes des Stiftes Herrenchiemsee, dem in Aschau geborenen Augustin Fuchs, der nach der Säkularisation als Archidiakon von Herrenchiemsee bis 1813 in Prien wirkte und dort 1825 starb.

Das spätbarocke Kircheninnere bezeichnete Aß als „geglückte Mischung Münchner und Salzburger Hofkunst“. Die hübsche Stuckatur, die künstlerisch wertvolle Deckenmalerei von Johann Baptist Zimmermann und die Salzburgischen, schon fast klassizistischen Ältäre aus Untersberger Marmor harmonieren hervorragend mit der eleganten Architektur des freitragenden Gewölbes. Weitere – normalerweise nicht zugängliche Epitaphe sind seitlich und hinter dem Hochaltar in den Wänden eingelassen. So das Denkmal für Sophia Schurff, geb. von Freyberg, die durch Heirat den Wildenwarter Besitz der Freyberger an das Tiroler Geschlecht der Schurff gebracht hatte. Das marmorne Bildwerk zeigt eine Madonna, unter deren Schutzmantel die Wappen der beiden Geschlechter angebracht sind. Neben weiteren Epitaphen der Familie Schurff gibt es auch eine Marmortafel für Graf Johann Max V. von Preysing. Schlecht zu sehen, da etwas durch den Hochaltar verdeckt, das älteste und größte Grabdenkmal der Kirche. Es wurde 1530 für Wolf Hofer, Gerichtsherr auf Wildenwart im Stil der Renaissance geschaffen. Erstaunen erregte das Wappenepitaph für Freiherrn Ferdinand von Schurff von 1779, das auf dem Kopf steht. Der Grund: er war der letzte seines Geschlechts.

In Vorbereitung auf den zweiten Teil der Führung, diesmal durch Josef Stöttner, ehemaliger Kirchenpfleger von Prien, ging Aß näher auf die Baugeschichte der Kirche ein. Sie wurde 1730 unter Pfarrvikar Floridus Rappl erbaut, wobei die gotische Vorgängerkirche bis zu den Fenstern in den Neubau einbezogen wurde. Der Turm war nun an der Westseite geplant. Um die Baukosten niedrig zu halten, wurde der erst 1708 neu gezimmerte Spitzturm nicht abgetragen, sondern in einer Aufsehen erregenden Aktion vom alten Platz in einem Stück auf Walzen zu seinem neuen Platz getrieben.

Zuerst besaß die Kirche ein einfaches Lattendach, nachdem Floridus Rappl Probst von Herrenchiemsee geworden war, beschloss man 1737 ein Steingewölbe einzuziehen. Dieses neue, sehr schwere Gewölbe verursachte im Laufe der Zeit ein Auseinanderdriften der Außenwände. Man versuchte, dieses durch Eisenanker zu verhindern, die jedoch die Sicht auf das prächtige Deckengemälde beeinträchtigten und am Zustand der Mauern nicht viel änderten. Als eine weitere Renovierung Ende der 1980er Jahre anstand, konnte man mit Hilfe einer sehr sinnreichen neuen Stahlkonstruktion diese Gefahr beseitigen. Ingenieur Neubauer aus Ainring hatte sich die Konstruktion ausgedacht, die das Ordinariat als Muster für ähnliche Fälle bezahlte.

Josef Stöttner führte die Gruppe aus Aschau über die steilen Stufen im Turm ins Dachgeschoß. Dort erläuterte er fachmännisch ist das überbaute Gewölbe und die Konstruktion, die bis jetzt die Kirchenmauern stabil hält. Die erstklassige Zimmermannsarbeit am Dachstuhl stammt original aus dem 18. Jahrhundert. Das Gebälk ist in tadellosem Zustand.

Zum Abschluss der Führung konnten die Teilnehmer ohne Beschränkungen von der Orgelempore aus die Schönheit des Deckengemäldes, die Architektur und Ausstattung des Kirchenschiffes bewundern.

Nach der informativen und beeindruckenden Führung verabschiedeten sich die Aschauer mit herzlichem Dank von Kreisheimatpfleger Karl Aß und Josef Stöttner. Ein gemütliches Beisammensein in der „Kampenwand“ in Aschau beschloss die Juni-Exkursion des Heimat- und Geschichtsvereins.

Die Tradition des Vereins, jedes Jahr eine oder mehrere interessante Kulturgüter in der näheren Umgebung besser kennen zu lernen, soll fortgesetzt werden.

Bericht und Bilder: Wolfgang Bude

Anton Hötzelsperger

Nachrichten

Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg