Gedenkfeier 100 Jahre nach Beginn des 1. Weltkrieges im Trentino

Andrea Aschauer —  30. Juli 2015

BischofLuigiBressanAuf der Trentiner Hochebene Folgaria-Lavarone-Luserna (Vielgereuth-Lafraun-Lusern) fanden eindrucksvolle Gedenkfeiern am Wochenende des 4. und 5. Juli statt. In diesem Gebiet begannen 1915 die österreichischen und die italienischen Truppen gegeneinander heftige Kämpfe auszutragen. Gefallenenfriedhöfe und die Relikte mehrerer Befestigungswerke erinnern noch heute an die Brutalität der damaligen Auseinandersetzungen. Die Kämpfe kosteten viele Menschenleben, es gab tausende von schwer Verwundeten auf beiden Seiten. Zur Versorgung dieser Verwundeten hatte der Malteser-Ritterorden Lazarette nahe der Front eingerichtet, in denen Chirurgen und Krankenschwestern in unermüdlichem Einsatz tätig waren, um den Schwerverletzten, den Leidenden und den Sterbenden medizinisch und menschlich zu helfen, egal ob Freund oder Feind. Eines dieser Kriegs-Lazarette, Malga Belem, befand sich oberhalb von Slaghenaufi. Dort erinnern ein großer Gefallenen-Friedhof, ein steinernes Denkmal und eine Kapelle an die historischen Ereignisse. An diesem Ort begann der Gedenktag mit einer feierlichen Feldmesse, die der Bischof von Trient, Luigi Bressan, in mehreren Sprachen zelebrierte. Repräsentanten der Kommunen und der Region, der Carabinieri und des Militärs, sowie Abordnungen der Alpini und der Malteser-Ritter, Kaiserjäger und Schützen in ihren Trachten und prächtigen Fahnen gaben der Gedenkfeier einen würdevollen Rahmen. Der Fürst und Großmeister des Souveränen Malteserordens Fra‘ Mathew Festing  unterstrich mit seiner Anwesenheit die Bedeutung des Tages. In den Ablauf der Messe, der Gedenkfeier und der Eröffnung eines Geschichts-Pfades auf dem Gelände des ehemaligen Hospitals waren auch beide Enkelinnen der Malteserschwester Edina Gräfin Clam-Gallas, Christine Kelly und Lori Parkinson, die aus England und aus Amerika gekommen waren, eingebunden. Edina Clam-Gallas war zu Beginn der Auseinandersetzungen 1915 in Folgaria und nach einem Einsatz in Galizien dann im Lazarett Malga Belem als Malteser-Krankenschwester bis Ende 1918 tätig. In hunderten von Briefen informierte sie ihre Familie über den Einsatz nahe der Front. Zusätzlich hielt sie mit ihrer Kamera die Geschehnisse im Bild fest. Briefe und Fotos sind ein einmaliges geschichtliches Dokument. Sie sind in diesem Jahr sowohl in deutscher als auch in italienischer Sprache erschienen. Die italienische Ausgabe wurde nach der Messe und der Einweihung des Geschichtspfades mit anschließendem Mittagessen auf dem Malga Belem am Nachmittag im Gemeindehaus von Lavarone der Öffentlichkeit vorgestellt. Die deutsche Ausgabe erschien bereits in erweiterter Form Ende Mai, zusammen mit den Erinnerungen der Therese Gräfin Buquoy.

Erwähnt werden soll noch die Gedenkfeier am 5. Juli vor der Villa Pasquali in Folgaria. Vor dem ehemaligen Hospital wurde an einem Gedenkstein, den der Sohn von Edina Clam-Gallas, Dr. Rudolf Winkelbauer bereits im Jahre 2000 gestiftet hatte, ein Kranz niedergelegt, ebenfalls im Gedenken an die Malteser-Krankenschwestern. Durch die Veranstaltungen führte der Historiker Fernando Larcher, der in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Lavarone maßgeblich zum Gelingen der zwei Tage  beigetragen hat. Auch soll nicht unerwähnt bleiben, daß wir vor der Heimfahrt nach München in Lusern unser Mitglied Luigi Nicolussi Castellan besuchten, der uns wie immer freundlich begrüßte und uns mit Material aus seinem Dokumentationszentrum versorgte. Er erhielt die deutsche Ausgabe des Buches.

 

Andrea Aschauer

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