Gedanken von Diakon Peter zur Fußball-Europameisterschaft

Diakon Eugen Peter (Pfarrverband Stephanskirchen) sprach bei seiner Bergmesse auf der Hochries am vergangenen Sonntag über die Fußball-Europa-Meisterschaft und den Parallelen zum täglichen Leben.

Liebe Bergsteiger und alle die sich heute auf den Weg gemacht haben.

Nun möchte ich mit ein paar Gedanken der Frage nachgehen, was so eine Europameisterschaft, was so ein Fußballspiel mit unserem Leben zu tun hat. Es gibt immer einen der gewinnt und einen der verliert oder ausscheidet. Siege und Niederlagen gibt es auch in unserem Leben. Tag für Tag ringen wir darum möglichst viele Siege und hoffentlich wenige Niederlagen zu erzielen. Das Berufsleben wird oft von diesem Spiel bestimmt. Oder in der Schule mit den Noten. Das Jahresendzeugnis wird in wenigen Tagen erstellt werden. Welche Noten werde ich erhalten. Vielleicht so mancher wird sich mit größter Aufregung fragen, „Werde ich die nächste Runde erreichen, oder scheide ich aus, falle durch?“ Egal wie viele Niederlagen in einstecken muss – und wir alle haben so unsere Niederlagen – ist es wichtig immer wieder aufzustehen, weiter zu machen. Sich auf das nächste Spiel vorzubereiten. Am meisten fasziniert es uns doch, wenn eine Mannschaft schon 2:0 hinten liegt und dann doch noch aufholt. Vielleicht sogar gewinnt. Das reist uns mit. Das kann uns auch in unserem Leben immer wieder helfen und aufrütteln. Nach einem „Eigentor“ oder Gegentor zu sagen:

Ja, jetzt erst recht! Ich gebe nicht auf. Lass mich nicht entmutigen. Ich spiele weiter. Was uns aber oft aus dem Leben reist, was uns bitter enttäuscht und manchmal in die Knie zwingt sind Fouls. Vielleicht am meisten die von dieser Art: „von hinten in die Beine“. Die uns buchstäblich den Boden unter den Füßen wegziehen. Solche Fouls in unserem Leben können sein, wenn wir von einem Freund, vielleicht von unserem Ehepartner oder dem Menschen mit dem wir in einer Partnerschaft leben oder unseren eigenen Kindern enttäuscht, vielleicht sogar hintergangen werden. Das sind die Situationen im Leben mit denen wir besonders stark zu kämpfen haben. Doch solche Fouls gehören leider auch zum Spiel des Lebens. Lassen wir uns nicht hinreißen nachzutreten oder ein Revanchefoul zu begehen. Meist macht es das nicht besser, oftmals eher noch schlimmer.

Unser christlicher Glaube bietet uns da die Versöhnung an.

Auch wenn es schwer fällt ist es oftmals die einzige Taktik die hilft, damit wir nicht dauerhaft ins Abseits laufen. Oder uns vom Spielfeld verabschieden. Ein offenes Gespräch, ein aufeinander zugehen kann nicht umgänglichen Heilungsprozess in Gang setzen. Bösartige Fouls, bittere Niederlagen sind es oft, die uns im Leben wirklich weiterbringen. So komisch wie es sich auch anhören mag.

Manchesmal ist es auch nötig uns zu verteidigen im Leben.

Oder andere, Schwächere zu verteidigen. Damit sie nicht ein Tor nach dem anderen kassieren. Das kann sein, wenn wir Benachteiligten unter die Arme greifen. Dem Kollegen der sich schwer tut zu helfen, ihm von unserer Arbeitszeit zu schenken. Fremden oder Außenseitern zu helfen, weil sie vielleicht keinen Schiedsrichter haben, der ihre Rechte schützt und auf die menschlichen Grundregeln achtet.

Seien wir auch nicht zu vorschnell einem anderen die rote Karte zu zeigen. Steht es uns doch grundsätzlich nicht zu andere abzuurteilen und über sie zu richten. Wer kann schon vollumfänglich die Absichten und Hintergründe eines Menschen durchschauen.

Manchmal ist es auch erforderlich von Verteidigung auf Angriff umzuschalten. Wenn wir mitbekommen, dass Menschen beleidigt, verletzt, unterdrückt werden, dann ist es an uns aktiv zu werden und nicht wegzuschauen.

Lassen wir uns auch nicht hinreißen, Menschen nach ihrem Marktwert zu beurteilen. Wie kann ein Mensch Millionen Wert sein und ein anderer nichts. Vor Gott ist jeder Mensch unendlich wertvoll, ob krank oder gesund, reich oder arm, ungeschickt oder talentiert. Das soll auch für uns Maßstab sein, wie wir mit anderen umgehen. Gehen wir im Leben regelmäßig auch in uns. Überlegen wir ob unsere Strategie unsere Ausrichtung noch passt. Wenn eine Mannschaft nicht mehr so recht weiterkommt, wen keine Bewegung mehr im Spiel ist. Dann hilft oft die Halbzeitpause. Der Trainer geht mit seiner Mannschaft in sich, Korrekturen werden besprechen und ein neue Strategie wird zugrunde gelegt. Und plötzlich spielt die Mannschaft völlig verändert und ist nicht wieder zu erkennen. Auch in unserem Leben bracht es immer wieder diese Auszeiten, ein reflektieren über unser Leben. Was helfen uns die größten Begabungen und das größte Können, wenn die Strategie unseres Lebens nicht mehr passt. Gott hat uns für unser Leben einen weisen und klugen Trainer geschickt. Einen Trainer der uns kennt, alle unsere Stärken und Schwächen. Nehmen wir Kontakt zu diesem Trainer auf. Gehen wir wieder mit ihm ins Gespräch sind wir offen für seine Anweisungen und schenken wir ihm immer wieder neu unser Vertrauen. Damit das Spiel unseres Lebens gelingen kann, mit all unseren Fähigkeiten und Begabungen die Gott uns geschenkt hat.

Von Diakon Eugen Peter (Pfarrverband Stephanskirchen) während der Bergmesse auf der Hochries.
Foto: Rainer Nitzsche

 

Rainer Nitzsche

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