Frühjahrstagung des Bayerischen Trachtenverbandes

Vor knapp einem Jahr konnte der Bayerische Trachtenverband im niederbayerischen Holzhausen (Landkreis Landshut) nach zehnjähriger Bauzeit sein Trachtenkulturzentrum (TKZ) fertigstellen und in Betrieb nehmen. Seither herrscht in den dortigen Geschäfts-, Museums-, Zeltlager-, Übernachtungs-, Seminar- und Veranstaltungsräumen reger Betrieb. „Holzhausen ist das Herz der bayerischen Trachtler geworden!“ – so Landesvorsitzender Max Bertl bei der traditionellen Frühjahrstagung der 22 Gauvorstände, des Vorstands und der Sachgebietsleiter im WWK-Bildungszentrum in Reischenhart, Gemeinde Raubling (Landkreis Rosenheim).Das TKZ in Holzhausen als Herzstück der bayerischen Trachtenbewegung bietet viele Möglichkeiten, aber hat auch viele Anforderungen. Wie Landeskassier Walter Weinzierl, Ehrenvorsitzender des Bayerischen Inngau-Trachtenverbandes, informierte, ergaben sich von 2004 bis zum Ende 2015 Gesamt-Ausgaben in Höhe von 7,1 Millionen Euro, inklusive der laufenden Betriebskosten. Auf der Einnahmenseite konnten unter anderem verschiedene Zuschüsse, Mittel des eigenen Fördervereins, die Beteiligung der örtlichen Kirchenstiftung für das dem TKZ angeschlossene Pfarrheim, verschiedene Spenden und die Anschub-Finanzierung verzeichnet werden. „Wir haben es gepackt!“ – so Max Bertl, der im Rückblick seinem Vorgänger und nunmehrigen Ehrenvorsitzenden Otto Dufter für dessen „Herkules-Arbeit“ bei schwierigen Verhandlungen und vor allem den Gauverbänden für deren ideelle und materielle Unterstützung (unter anderem Zimmerausstattungen) dankte. Ende des Jahres 2017 wird – so der Landeskassier und Landesvorstand – das TKZ abfinanziert sein und es kann dann der finanzielle Regelbetrieb beginnen.

Wie Erich Tahedl als Geschäftsführer des Bayerischen Trachtenverbandes mit Sitz im TKZ in Holzhausen informierte, hat der Bayerische Trachtenverband zusammen mit der Bayerischen Trachtenjugend derzeit als Betrieb 10 Mitarbeiter in Voll- und Teilzeit. Sie sorgen sich um den Betrieb in Holzhausen ganz im Interesse der derzeit 797 Trachten- und Heimatvereine, die mit ihren 161.847 erwachsenen Mitgliedern und rund 100.000 Jugendlichen dem Dachverband angeschlossen sind. Im TKZ Holzhausen finden ganzjährig Seminare, Fortbildungsveranstaltungen, Hochzeiten, Feierlichkeiten und Führungen statt. Die nächste größere und überregionale Veranstaltung ist vom 8. bis 10. April der Deutsche Trachtentag des Deutschen Trachtenverbandes mit Vorstellung der „Tracht des Jahres“ im Beisein des Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer. Am 8. Mai wird das Bayerische Fernsehen aus dem Augustinerstadl ein Trachten- und Musikanten-Treffen aufzeichnen. Im letzten Jahr hatte das TKZ von Holzhausen insgesamt 8.000 Besucher und rund 1.000 junge und ältere Leute, die sich an Bildungsmaßnahmen beteiligten. Geplant sind im TKZ weitere Maßnahmen, zum Beispiel die Einrichtung einer neuen Kegelbahn nach historischem Vorbild, die eventuelle Umwandlung des Löschteiches in einen Badeweiher, die Aufstellung eines Gauzeichen-Baumes (ähnlich einem Maibaum) und die Parkplatz-Erweiterung. Bezüglich der Führungen wurde darauf hingewiesen, dass das Depot aufgrund von Schutzmaßnahmen nicht zur Besichtigung geöffnet werden kann, die Depot-Inhalte werden mittels technischer Kommunikationsmittel anschaulich dargestellt (Nähere Informationen beim TKZ in Holzhausen, Telefon 08741-94977120).

Die Frühjahrstagung in Reischenhart hatte über das TKZ viele weitere Themen. Unter anderem regte Landesvorsitzender Max Bertl an, sich noch mehr als bisher der „Gewandkultur“ zu widmen, um sich in Zeiten, in denen viele Menschen aus anderen Kulturkreisen und mit anderen Lebensformen im Land sind, deutlich und sichtbar zu zeigen. Gerade der Sonntag und das weiße Hemd bei festlichen Anlässen sollten nicht aus den Augen verloren werden. Erfreulich ist – so Max Bertl weiter – dass heuer 18 Gaue ein Gaufest feiern, dies zum Teil in Gemeinschaft mit zwei oder drei Gauverbänden. „Tracht im Blick“ heißt eine heurige Ausstellungsreihe im Bezirk Oberpfalz in insgesamt neun Museen, nähere Informationen gibt es unter www.tracht-im-blick.de. Ausführliche Erläuterungen zur Änderung der Volksmusik-Zeiten im Bayerischen Rundfunk gab es von Stefan Frühbeis, dem Leiter des neuen Digital-Senders BR Heimat, der zusammen mit Manfred Schmid und Hans-Peter Richter inhaltliche und technische Informationen gab. Aufgrund des Entgegenkommens des Bayerischen Rundfunks ist das Jugendbildungshaus im TKZ Holzhausen das erste DAB-Plus-Hotel in Bayern, da alle Zimmer inzwischen ein digitales Empfangsgerät erhalten haben.

In einem Grußwort gab der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der WWK Rainer Gebhart bekannt, dass im kommenden Jahr die Frühjahrstagung bereits zum 40. Male in Reischenhart in den WWK-Fortbildungsräumen stattfinden wird. Seit 10 Jahren sind die bayerischen Trachtler mit ihrem Verband, den Vereinen und mit ihren Mitgliedern mit der WWK auch mit verschiedenen Versicherungsformen eng verbunden. Bürgermeister Olaf Kalsperger von der Gemeinde Raubling sagte als seit Kindesbeinen aktiver Trachtler: „Die Brauchtums- und Sprachpflege, welche von den Trachtlern geleistet wird, ist nicht hoch genug einzuschätzen“. Blumen gab es noch für Marianne Hinterbrandner, Gauvorständin des Altbayerisch-Schwäbischen Gauverbandes für ihren kürzlichen und runden Geburtstag. Natürlich konnten die zwei Tagungstage in Raubling auch zu einem individuellen Gedankenaustausch und zu geselligen Stunden genutzt werden.

Fotos: Hötzelsperger – Eindrücke von der Jahrestagung des Bayerischen Trachtenverbandes in Reischenhart im Landkreis Rosenheim.

Nähere Informationen: www.trachtenverband-bayern.de

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg