Freilichtmuseum Glentleiten bereitet neues Präsentationskonzept vor

Im Freilichtmuseum Glentleiten herrscht auch im Winter große Betriebsamkeit. Von Pause keine Spur. Ein wichtiges Projekt ist die Neupräsentation des Wagnerhäusls aus Brandstätt (Lkr. Rosenheim). Dies geschieht mit einem völlig neuen Ansatz: Das Haus wird ab dem Frühjahr nämlich als inklusives Angebot zur Verfügung stehen.

Mittels Hörstationen und vieler tastbarer Objekte soll der Besuch des Gebäudes sowohl sehenden als auch blinden und sehbehinderten Besuchern begreifbar machen, wie das Leben in einem Kleinanwesen während der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts war. Da die ehemaligen Bewohner des Hauses das Wagnerhandwerk ausübten, entsteht außerdem ein neuer Aktivbereich für Kinder, in dem sie sich spielerisch mit dem wichtigsten Werkstoff dieses nahezu ausgestorbenen Berufes, nämlich mit Holz, auseinandersetzen können.

Unterstützt wird die Umsetzung dieses neuen Präsentationskonzeptes durch die Bayerische Sparkassenstiftung, die Vereinigten Sparkassen Weilheim i. OB, den Freundeskreis Freilichtmuseum Südbayern e.V., die Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern und den Bezirk Oberbayern. Der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund steht dem Museum darüber hinaus beratend zur Seite.

Inklusion meint, dass alle Menschen, egal ob mit oder ohne körperliche oder geistige Einschränkung, am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Der Bezirk Oberbayern, Träger des Freilichtmuseums Glentleiten, hat sich in der laufenden Legislaturperiode das Thema Inklusion besonders auf seine Fahnen geschrieben. Für die Glentleiten ist nicht zuletzt dies ein Grund, sich verstärkt mit Barrierefreiheit und Co. auseinanderzusetzen. „Zwar wissen wir, dass unser Museumsgelände und die historischen Häuser nie gänzlich barrierefrei sein werden, doch können wir viele Dinge tun, um unser Museum zumindest ein Stück weit barriereärmer zu machen und somit auch Menschen mit Behinderung den Zugang zu erleichtern“, sagt Dr. Monika Kania-Schütz, die Leiterin der Einrichtung. Das Wagnerhäusl sei ein wichtiger Baustein auf diesem Weg, so die Museumsdirektorin weiter.

Projektleiter Max Keck erklärt, was hinter dem neuen Präsentationskonzept steckt: „Alle Informationen, die wir Besuchern vermitteln wollen, werden über das so genannte 2-Sinne-Prinzip vermittelt. Erkundet beispielsweise ein Blinder das Haus, so nimmt er die Informationen auf, weil Tastsinn und Gehör den fehlenden bzw. eingeschränkten Sehsinn kompensieren.“ Deshalb dürfen im Wagnerhäusl alle Objekte berührt werden – anfassen ist also ausdrücklich erwünscht – und Audiostationen vertiefen Informationen. Texttafeln werden sowohl mit erhabenen und damit tastbaren Buchstaben als auch mit Blindenpunktschrift versehen sein, führt Keck einige Beispiele aus.

Das Projekt wird insgesamt nicht ganz 70.000 Euro gekostet haben, davon stammen 20.000 Euro von der Bayerischen Sparkassenstiftung und 10.000 Euro von den Vereinigten Sparkassen Weilheim i. OB.

Andrea Aschauer

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