Frauen-Union zu Besuch in der Staatlichen Berufsschule Bad Aibling

1.400 Schülerinnen und Schüler in 60 Klassen, ein massiver Zustrom an jugendlichen Migranten und ein stetiger Wandel in den Ausbildungsberufen: die Staatliche Berufsschule in Bad Aibling muss derzeit große Herausforderungen meistern.

Das erfuhren rund 40 Mitglieder der Frauen-Union Rosenheim-Land und Stadt bei einem mehrstündigen Besuch in der Berufsschule und in intensiven Diskussionen mit der Schulleitung. „Die Berufsschulen sind ein wichtiger Faktor in unserem Bildungssystem, und sie spielen gerade in der Bewältigung des Flüchtlingszustroms in unserer Region eine große Rolle. Darüber wollen wir uns vor Ort informieren“, sagte die Kreisvorsitzende der Frauen-Union Rosenheim-Land Sabine Balletshofer. Die Schule bietet Ausbildungsberufe in den einzelnen Fachabteilungen im Metallbau, in der Anlagenmechanik Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Industrie- und Feinwerkmechaniker, Maurer und Zimmerer sowie eine berufsvorbereitende Beschulung an. „Der Zustrom an Flüchtlingen war für uns nicht leicht zu bewältigen“, sagte Schulleiter Johann Strauß. „Er bedeutete 250 berufsschulpflichtige Vollzeitschüler im Alter von 16 bis 21 Jahre zusätzlich. Wir mussten Deutschlehrer einstellen. Gegenwärtig haben wir 12 Vollzeitklassen im Schichtbetrieb mit ca. 20 Schülern pro Klasse.“ Die Erfahrungen seien aber durchwegs positiv, so Strauß. Natürlich hätten Jugendliche aus dem arabischen oder afrikanischen Raum oft unterschiedliche Vorstellungen von den Rollen der Frauen. „Wir werden hier im Rahmen unseres Erziehungs- und Integrationsauftrags aber deutlich und sagen ihnen ganz klar, dass in unserer Kultur die Lehrerinnen genauso viel zu sagen haben wie die männlichen Kollegen. Insgesamt kann man sagen: wir bieten den Jugendlichen eine Menge, wir fordern sie aber auch. Wenn jemand unser schulisches Angebot nicht annimmt oder sich nicht eingliedern will, reagieren wir sehr schnell. Die meisten ausländischen Schüler sind aber sehr freundlich, und sie sind immens lernwillig.“
Der Stellvertretende Schulleiter Jürgen Ersing verwies darauf, dass die Integration viel Zeit brauche. „Die Schüler benötigen gut ein Jahr, damit sie einigermaßen Deutsch sprechen, nach zwei Jahren können sie es meist sehr gut, und sind dann reif eine Ausbildung zu beginnen. Eine gelungene Integration erfordert aber einen Zeitraum von sechs bis sieben Jahren.
Die zweite große Herausforderung für die Berufsschule Bad Aibling ist der Wandel in der Berufswelt. 342 Berufe gibt es bundesweit, 146 davon werden im Landkreis Rosenheim angeboten. Während Berufe wie der KFZ-Mechatroniker boomen und hier allein in Wasserburg gut 350 Azubis die Berufsschule besuchen, geht die Zahl der Auszubildenden in verschiedenen Berufen wie beispielsweise bei den Bäckern, Metzgern, den Maurern oder in der Hauswirtschaft zurück, bzw. sie stagniert, so Strauß. „Werden die Klassen zu klein, kann die Beschulung auf Dauer an den einzelnen Berufsschulen nicht mehr angeboten werden. Das wäre schlecht für die hiesigen Unternehmen und die regionale Wirtschaft.“ Immerhin: es kommen auch neue Berufe. Sehr gefragt ist neuerdings der technische Produktdesigner. 450 Jugendliche aus den Einzugsgebieten Ingolstadt und München, in welchen die Autobranche gut vertreten ist, drücken derzeit in der Berufsschule Wasserburg die Schulbank und lernen, wie man technische Produkte designt.

Foto: in der Werkstatt – von links: die FU-Vorsitzende Rosenheim Stadt Ursula Meishammer, die FU-Vorsitzende Rosenheim Land Sabine Balletshofer und Schulleiter Johann Strauß.

Bericht und Foto: Rosi Raab

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg