Erinnerungen an Kalendermacher Hias Raab

Mit diesen Bildern sowie mit dem Lebenslauf und mit der Predigt von Benefiziata Jürgen Ammerschläger wollen wir nochmals an den Kalendermacher Heinrich Matthias Raab erinnern.Fotos/Repros: Hötzelsperger

Heinrich Matthias Raab – Lebenslauf
Heinrich Matthias Raab kommt am 14. Mai 1940 als drittes Kind eines Künstler-Ehepaares in München / Sendling zur Welt. Aufgrund der häufigen Bombenangriffe in München im Kriegsjahr 1943 zieht die Mutter mit den drei Buben in ihren Heimatort Münchweiler in der Pfalz. Da jedoch in der Pfalz die Gefährdung der Zivilbevölkerung durch Tiefflieger ständig zunimmt, erfolgt 1944 ein Umzug ins Bergdorf Kals in Osttirol, wo Heinrich Matthias bis 1946 lebt und das durch die dort verbrachten Kindertage zu seiner zweiten Heimat wird. Dort entdeckt er auch die Liebe zu den Bergen – Ski-Touren und Klettern sind seine Leidenschaft. Auch das Bergwiesen-Mähen mit Steigeisen begeistert ihn 7 Sommer lang. Später verbringt er auch viele erholsame Tage mit seiner Familie dort. Ende 1945 kommt sein Vater aus der Gefangenschaft zu Fuß in Kals an. Das damals sehr ursprüngliche Bergdorf Kals vermittelt der Familie starke religiöse und künstlerische Impulse. 1946 kehrt die Familie ins zerbombte München zurück und wird notdürftig bei Verwandten untergebracht. Es folgt ein Behördenkampf um die alte Wohnung, die von zwei Familie besetzt ist. Die fünfköpfige Familie haust dann in einer Küche und einer Kammer, die auch als Atelier dient. Als Künstlerfamilie muss deren Existenz hart erkämpft werden – so hilft die Mutter bei der Bemalung mehrerer Kirchendecken und anderen Aufträgen. Nach den Volksschuljahren und der Oberschule macht er eine Ausbildung als Schriftsetzer. Anschließendes studiert er an der Grafischen Akademie München und absolviert darauf ein Abendstudium auf dem Werbefachlichen Institut. 1966 lernt er seine Frau Brigitte kennen und heiratet sie 2 Jahre später. Während seines beruflichen Werdegangs arbeitet er in verschiedenen Firmen als Werbeassistent, Kontakter, Atelierleiter und Werbeleiter. 1968 zieht das Ehepaar aus beruflichen Gründen nach Möglingen bei Stuttgart. 1968 kommt seine Tochter Bernadette zur Welt Ein Jahr später, 1969, kommt sein Sohn Anton zur Welt, der 2 Stunden später verstirbt. 1970 erfolgt der Umzug nach Stockdorf bei München.
Zwei Jahre später macht er sich als Werbeberater und Grafikdesigner mit Hilfe seiner Frau selbstständig. 1972 kommt sein Sohn Sebastian und 1974 seine Tochter Maria zur Welt. 1987 gründet er mit seiner Frau Brigitte den Raab Verlag, um den Oberbaierischen Kalender zu verlegen, den er ohne die ländlichen Impulse
von Kals, als Münchner nicht hätte verwirklichen können. In den 30 Jahren nach Erscheinen des Kalenders arbeiten alle 3 Kinder zeitweise mit. 1998 heiratet Tochter Bernadette ihren Mann Martin und sie bekommen die zwei Söhne Xaver und Lukas 2000 heiratet Tochter Maria ihren Mann Jörg und sie bekommen fünf Kinder: Andreas, Magdalena, Georg, Maria und Sebastian. 2001 folgt der Umzug nach Iffeldorf. 2006 wird Heinrich Matthias Raab vom Bezirk Oberbayern die Bezirksmedaille verliehen. 2010 ehrt ihn der Bayernbund mit der “Goldenen Ehrennadel”. Auch wird er für 50 Jahre treue Mitgliedschaft in der Schützenkompanie
in Kals am Großglockner geehrt. In zahlreichen verschiedenen Vereinen war er Mitglied. 2015 heiratet sein Sohn Sebastian seine Frau Melanie und sie bekommen zwei Töchter: Paulina und Hannah. Die neun Enkel bereiten Heinrich Matthias viel Freude und sie lieben seine ursprüngliche, kreative und liebenswerte Art. Sie nennen in liebevoll Matthias-Opa, Huat-Opa, Großer Opa oder Land-Opa. Seine große Leidenschaft ist das Zither spielen – auch zusammen mit seiner Frau Brigitte am Hackbrett. Für uns alle sehr unerwartet verstirbt Heinrich Matthias am vergangenen Montag, im Alter von 76 Jahren.

Predigt zum Requiem von Herrn Heinrich Matthias Raab

Hochw. Mitbrüder, liebe Brigitte,  liebe Bernadette, liebe Maria ,lieber Sebastian, liebe Enkelkinder, liebe Angehörige unserer Verstorbenen, liebe Schützen und Trachtler aus Bayern und Tirol,liebe Gläubige aus Nah und Fern!Auf manchen Friedhöfen, an manchen Bildstöcken und Kirchen, findet man die Darstellung des Ölbergleidens. Christus kniet am Boden, schaut nach oben und ringt die Hände. Ein Engel reicht ihm den Kelch.

Warum diese Darstellung? Und warum tröstet sie die Menschen? Jesus wird hier gezeigt in großem seelischen Leid, er ringt mit dem Willen es Vaters. So geht es vielen Menschen. Da kommt etwas auf sie zu, unweigerlich, das sie in Angst versetzt. Nur noch von oben kann er Hilfe erwarten. Was soll er tun? Welchen Trost wird er bekommen? Jesus hat gebetet: “Vater, nicht mein, sondern dein Wille geschehe.“ (Lk 22,42)

Und das Leiden und Sterben Jesu hat großen Segen gebracht. Und er betende Mensch weiß, er lässt mich nicht allein.

Vielleicht hat unser liebe Verstorbener auch Angst verspürt. Doch er hat nicht verzagt. Es war der Blick auf den Herrn, der ihn bestärkt hat. Und das Bild vom Ölberg zeigt deutlich, dass Jesus unseren Weg vorausgegangen ist. Bis in die Todesangst hinein hat er unser Leben geteilt. Und soll uns stärken. Denn unser Glaube sagt: Sein Weg ist nicht im Tode geendet, sondern im Leben. Und dorthin will er unsere Verstorbene holen und auch uns selber einmal.

Für Matthias Raab war die Hl. Messe, der würdige Empfang der Hl. Kommunion ein wichtiger Bestandteil seines Lebens. Der Empfang des Hl. Altarsakramentes steht wesentlich mit dem Tod in Verbindung. Jesus selbst verheißt das Himmelsbrot, indem er sagt:“ Wenn jemand davon isst, wird er nicht sterben. Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird in Ewigkeit leben.“(Joh 6, 50-51a) Jesus nimmt nichts von dem zurück, was er sagt:“

Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag.“(Joh 6, 53b-55)

Als Matthias Raab während seines Lebens dieses wunderbare Sakrament empfing, hatte er die Ewigkeit schon in sich. Wer Jesus in der Hl. Kommunion empfängt, „der hat das ewige Leben.“ Nicht irgendwann einmal, sondern schon jetzt.

„Damit ich in ihnen bin.“ Kommunion bedeutet Gemeinschaft mit Jesus. Deshalb ist es ganz im Sinne unserer Verstorbenen darauf hinzuweisen, hier empfangen wir Jesus selbst, das ist nicht symbolisch gemeint, das ist nicht ein hl. Brot, das an Jesus nur erinnert, das man so einfach mitnimmt. Das ist Jesus Christus, der mit Gottheit und Menschheit, mit Leib und Seele, mit Fleisch und Blut wahrhaft, wirklich und wesenhaft gegenwärtig ist. Das dürfen wir nie vergessen! Darum war Matthias auch der würdige Kommunionempfang sehr wichtig.

So war und ist es ganz im Sinne unserer Verstorbenen, wenn seit dem Jahr 2007 gerade der bayerische Papst  Benedikt XVI. die uralte Form der Hl. Messe wieder zu Ehre und Ansehen in der Kirche kommen ließ.Er ist der Stellvertreter Christi und gab uns allen eine klare praktische Lehre. Und so ist es im Sinne unserer Verstorbenen, wenn wir dies so auch heute tun werden, selbstverständlich vorbereitet durch das Hl.Bußsakrament, im Stand der heiligmachenden Gnade, wenn bei diesem Requiem dabei Priester und Volk gemeinsam auf Christus blicken. Das sind lautlose Zeichen einer echten Erneuerung der Kirche, für die unser Verstorbener gelebt, gebetet und gelitten hat.

Sollte das Beispiel unsere Verstorbenen nicht auch uns Anlass zum Nachdenken geben? Steht für uns die Feier der Hl.Messe, der würdige Empfang der Hl. Kommunion im Zentrum unseres Glaubens? Wenn wir wüssten, das irgendwo in der Welt ein Schatz verborgen wäre, mehrere Millionen auf uns warten würden, dann wäre uns keine Mühe zu groß, dorthin zu eilen, um das Geld zu holen. Was aber bedeutet Geld im Vergleich zu dem unendliche Gut, das Gott uns in der Hl. Kommunion schenkt? Jesus Christus selbst vereinigt sich mit uns. Wir müssen dafür nicht bis ans Ende der Welt reisen, auch wenn manche dafür oft weite Wege auf sich nehmen.

„Damit ich in ihnen bin.“ Jesus will uns schon jetzt das Unterpfand der Unsterblichkeit schenken, damit wir uns alle einmal in großer Freude in der Gemeinschaft der Heiligen wieder begegnen, vor allem mit der Muttergottes, die er im Rosenkranz liebend verehrte.

Und so wollen wir nicht trauern, dass wir ihn verloren haben, sondern dankbar sein, dass wir ihn gehabt haben, ja auch jetzt noch besitzen; denn wer heimkehrt zum Herrn bleibt in der Gemeinschaft der Gottesfamilie und ist nur vorausgegangen.

Glaube, Tradition und Brauchtum waren seine Fundamente, Fundamente, die auch unser Land wieder tragen sollten und uns selbst.

So schauen wir heute dankbar rückwärts, gehen in Treue fest mutig vorwärts und schauen wie er stets gläubig aufwärts. Amen

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg