Erinnerungen an den Bauernhofbrand in Prien-Osternach am 16. April 1945

70 Jahre sind es im Vorjahr gewesen, dass der Zweite Weltkrieg mit Millionen von Opfern zu Ende ging. Aufgrund des zeitlichen Abstandes ist es immer seltener, dass Zeitzeugen von den damaligen Schrecken, Entbehrungen und Nöten berichten können. Einer der Männer, die den Krieg er- und überlebten ist der Priener Austragsbauer Franz Huber in Osternach, der nach seiner geglückten Heimkehr seinen elterlichen Hof nicht mehr vorfand – weil dieser abgebrannt war. Der Hof war Neben-Zielscheibe der amerikanischen Soldaten bei ihrer Bekämpfung des ehemaligen Priener Flughafens in unmittelbarer Nachbarschaft zum Hof in Osternach.

Es war der 16. April 1945, also kurz vor Ende des Wahnsinns-Krieges, als nachmittags gegen 16 Uhr amerikanische Tiefflieger Richtung auf Prien nahmen. Ihr Ziel war eindeutig der Flugplatz von Prien, dort waren zu dieser Zeit rund 40 deutsche Kriegsflugzeuge am Boden stationiert, unter ihnen waren auch ein paar wenige Exemplare der legendären und dreimotorigen JU 52, ein paar Flugzeuge waren auch in der Nachbarschaft des Fluggeländes untergestellt. Der Flugplatz wurde nicht bebombt, sondern mit Bordwaffen beschossen. Wie sich Franz Huber inzwischen informieren ließ, wurden am Priener Flugplatz damals neue Flugzeug-Typen entwickelt, woran der politische und kriegerische Gegner natürlich Interesse hatte.

Als das amerikanische Scheibenschießen mit Brand- und Sprenggeschossen begann, da war der Vater von Franz Huber alleine auf dem Feld. Es war zwar keine Absicht der Angreifer, außer den gegnerischen Flugzeugen auch noch zivilen Zielen Schaden zuzufügen, doch ein Geschoss entzündete das Bauernanwesen in Osternach. Da die örtliche Feuerwehr nicht ausrückte, so lange die Angriffe dauerten, war der Brand schnell vorwärtskommend. Bauer Franz Huber, der auf dem Feld war, reagierte rasch und richtig, als er als erste Reaktions-Maßnahme die Schleuse zum hauseigenen E-Werk schloss, so dass sich das Löschwasser vor dem Weiher am Haus vermehrte. Alsdann galt es im Brandhaus Mutter, Tante und Einquartierte aus den Städten zu aktivieren, um die Kühe aus dem Stall zu holen und um das Notwendigste aus dem Haus zu räumen. Für Vieles kamen Hilfsmaßnahmen und Feuerwehr zu spät, viele Möbel – unter anderem von ausgebombten Münchner Verwandten- verbrannten ebenso wie das Haus ein Opfer insgesamt wurde, zumal damals das Haus noch keine Feuermauer hatte. Mit dem Brand war auch die Sommerfrischler-Vermietung, die seit dem Jahre 1905 möglich war, zu Ende. Auch die Zeit der wohl gepflegten Feigenbäume vor dem Haus war vorbei.

Franz Huber, der heutige Austragsbauer, war zwar selbst aufgrund seines Kriegsdienstes nicht vor Ort, doch seine spätere aus der nahen Nachbarschaft stammende Frau Anna kann sich noch gut an die Ereignisse erinnern. Schlimm wie der Niederbrand des Hauses war, war auch die Aufarbeitung bzw. die Regelung mit den Behörden. Nachdem es sich nicht um einen klassischen Brandschaden handelte, sondern um einen Kriegsschaden, gab es auch keinen Versicherungsschutz. In Prien wurde deshalb eine dreimalige Sammlung vorgenommen, viele Bauern spendierten zum Beispiel Holz (auch von der Verwaltung Herreninsel gab es eine Baumspende, die mit eigenen Kräften nach Prien geholt wurde. Lediglich vom damaligen Priener Pfarrer Jäger gab es keine Zusage aus dessen Kirchwald-Besitz). Das sogenannte „Brand-Betteln“ wurde anfangs vom Loderer-Bauern Georg Fischer initiiert. Fünf Jahre dauerte der Bauernhof-Wiederaufbau, derweil war die Familie Huber im kleinen Nachbarhaus eng zusammengepfercht untergebracht. Bereits 1947 konnte aufgrund vielfältiger Nachbarschaftshilfe der Stall wieder mit Vieh bestückt und dieses wieder versorgt werden. Vater Franz Huber verstarb 1957 im Alter von über 90 Jahren. Als sein Sohn im Rahmen der Soforthilfe, einer Vorstufe des selbst noch eingezahlten Lastenausgleiches, kurz darauf seinen Antrag einreichte, wurde dieser abgelehnt, weil der Vater nicht mehr am Leben war.

Auf die Frage, wie Franz Huber reagierte, als er von seiner Kriegsheimkehr den nicht mehr vorhandenen Bauernhof vorfand, sagte er: „Bis ich nach Hause kam, sah ich viele ausgebombte Städte und Häuser und machte viel Arges mit, da überwog die Freude, dass ich wieder heimkam und meine Familie wieder vorfand“. Franz Huber kam zu seiner Musterung als „Führer-Bewacher“ in Würzburg zu spät, da er bei der Bahnhinfahrt in Schweinfurt zur kurzfristigen Schadensbehebung zur Schaufel greifen und mithelfen musste. Er war nicht traurig, dass er deshalb anderweitig und nicht so nahe am Führer eingeteilt wurde. Vom Kriegseinsatz in Italien kam Huber mit viel Glück wieder nach Hause. Der erste heimatliche Boden war das Gefangenenlager in Bad Aibling. Dort wurden die Soldaten aufgeteilt in jene Gruppen, die zu Arbeitseinsätzen nach Frankreich mussten und jene, die nach Hause gehen durften. Franz Huber durfte nach Hause. Auch sein Bruder, der Kunstmaler Konrad Huber (1920-2015) kam mit viel Glück wieder heim. Er war in den Wirren des Krieges in Warschau und Russland und kam nachdem er als Flieger sein Flugzeug „verloren“ hatte über eine Panzer-Mitfahrgelegenheit wieder zurück in den Westen.

Nicht am selben Tag, aber nur ein paar Tage auseinander war Prien nochmals ein Ziel amerikanischer Bomber. Eigentliches Ziel war der Priener Bahnhof, getroffen aber wurden Häuser in der Schulstraße mit zwei Todesopfern in den Eisenrichter- und Spetzler-Häusern.

Fotos/Repros: Hötzelsperger – Erinnerungen an das alte Anwesen ehe es den Angriffen zum Opfer fiel, u.a. mit Blick auf das ehemalige Flugplatzgelände von Prien. Anna und Franz Huber beim Studium eines Fotoalbums.

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg