Eine alte Krippe aus Neapel vor dem Heuberg

Auf dem Samerberg hat eine alte Krippe aus Neapel eine neue Heimat gefunden. Mit Figuren, die teilweise über 200 Jahre alt sind, stellt Familie von Bülow die Geburt Christi nach.

Sie ist typisch italienisch: sehr expressiv, viele Details, das pralle barocke  Leben. Nur am Rande des Alltags findet die Geburt Jesu statt, eigentlich übersehen von den sehr geschäftigen Bürgern und Hirten. Ein kleiner Junge schaut neugierig durch ein Fenster auf die heilige Familie.

Die Krippe wird nicht nur mit großer Liebe zum Detail, sondern auch mit der klaren Bildsprache der Italiener konzipiert:
Die Heilige Familie befindet sich in den Ruinen eines römischen Tempels als Zeichen der Überwindung der alten Gottheiten. Das Kind breitet die Arme kreuzförmig aus und weißt so auf die spätere Kreuzigung hin. Es liegt nicht in einer Krippe, sondern auf dem blanken Boden, wie später im Grab. Die alte Spitze, die aus den Händen der Madonna zum Kind fließt, stellt die Verbindung zur Madonna und zum Grabtuch her. So wird über das übliche Krippenidyll hinweg gewiesen. Denn das Wunder der Menschwerdung Christi ist ohne die spätere Kreuzigung und Auferstehung nicht zu verstehen.

In Neapel wurde die Krippe auf den Dächern der Häuser mit Vesuv in Hintergrund aufgebaut, die Bülows haben das kurzerhand auf Heuberg und Roßholzen übertragen. So bietet ein großformatiges Foto von Rainer Nitzsche Bezug zur Gegenwart und gleichzeitig Tiefe.

Die Bülows haben die alten Figuren seit dem Studium gesammelt – den Anfang machte vor mehr als 30 Jahren ein Kopf des schwarzen Königs auf einem Münchner Flohmarkt. Die letzte Neuerwerbung ist der alte weiße König, der in diesem Jahr ziemlich runter gekommen in einem römischen Trödelladen gefunden wurde.

Juliane von Bülow, Fotos: Rainer Nitzsche

 

Rainer Nitzsche

Nachrichten