Ehrenvorsitzender Otto Liegl vom Verein der Bayern in Berlin verstorben – Nachruf

Der Verein der Bayern in Berlin betrauert den Tod seines Ehrenvorsitzenden Dr. Otmar Liegl,  der am 20. Oktober 2015 in Berlin verstorben ist. Trauerfeierlichkeiten sind am 6. November in Berlin und am 10. November in München . Ein Nachruf von seinem Nachfolger Helmut Amberger:

Die Nachricht vom Tode unseres Ehrenvorsitzenden Dr. Otmar Liegl, hat uns, dem Verein der Bayern in Berlin, sichtlich überrascht. Denn er war, trotz seines hohen Alters, doch noch in einer relativ guten körperlichen Verfassung. Noch im Frühjahr diesen Jahres hat er unseren Hüttennachmittagen beigewohnt, ganz ohne Gehhilfen und einem enormen Erinnerungsvermögen an frühere Zeiten. Man hatte den Eindruck, sein Gesundheitszustand sei noch so stabil, dass er unserem Verein noch mehrere Jahre erhalten bleiben würde, ja vielleicht sogar noch den 100sten Geburtstag erreichen würde.
Wir haben uns schon gefreut, mit ihm im kommenden Januar seinen 95. Geburtstag zu feiern, sowie unser 140-Jähriges Vereinsjubiläum. Doch völlig unerwartet kam es leider ganz anders. Wir trauern mit den Angehörigen und Freunden, dass er nicht mehr unter uns weilt. Otmar wurde am 16. Januar 1921 in der Nachkriegszeit des 1. Weltkrieges geboren. Der Vater war Bayer, die Mutter war Schweizerin. Somit hatte er sowohl bayerische als auch schweizerische Wurzeln. Leider hat er viel zu früh, bereits mit 4 Jahren, seine Mutter verloren. Dieser Schock hat dann auch seine berufliche Laufbahn geprägt. Denn er hat sich daraufhin bereits als Kind vorgenommen, ein Arzt zu werden, „um kranke Menschen vor dem Sterben zu bewahren“. Zunächst hat Otmar Liegl in den 30er Jahren eine Banklehre absolviert und war danach Beamter. Nachdem er 1940/41 das Abitur nachgemacht hat, war es ihm wegen seiner Antikriegshaltung leider verwehrt, nicht sofort zu studieren. Stattdessen wurde er zum Militärdienst eingezogen und hat das Kriegsgeschehen sogar bis nahe Moskau miterlebt. Dabei wurde er Ende 1941 „glücklicherweise“ wegen einer Verletzung zu einer Sanitätskompanie versetzt und war somit von Kampfhandlungen weitgehend verschont geblieben.
In zahlreichen Erzählungen berichtete Otmar von beeindruckenden Erlebnissen während der Kriegswirren. So hat er sich z. Bsp. mit Polnischen Bürgern angefreundet und somit von den fürchterlichen Geschehen im Warschauer Ghetto erfahren und dies auch mit eigenen Augen gesehen. Der Schock war tief. Auch von positiven Erlebnissen hatte er erzählt. Wie er auf dem Kriegsschauplatz in einem Erdbunker auf seiner Gitarre zusammen mit Kameraden Schrammelmusik spielte und diese in der Sendung „60 Minuten Bayern“ dann auch live über den „Reichssender Berlin“ übertragen wurde.Weiterhin erlebte er auch in wunderbarer Weise die Freundlichkeit von russischen Krankenschwestern, nachdem er 1942 nahe Moskau an Fleckfieber erkrankte. Danach kam er nach Bad Steben in Bayern, wo er auch seine spätere Frau Christa aus Berlin kennen gelernt hat. Sein Medizinstudium konnte er während des zweiten Weltkrieges nur nebendienstlich durchführen. Der Abschluss war erst nach dem Krieg im Jahr 1948 möglich.
Nach seiner Hochzeit in Berlin, im Jahr 1949, begann er dann seine berufliche Laufbahn als Augenarzt im Krankenhaus Berlin-Neukölln, wo er 1962 zum Chefarzt ernannt wurde. Den Verein der Bayern in Berlin lernte Otmar 1956 auf dessen 80. Stiftungsfest kennen. Beeindruckt von der bayerischen Brauchtumspflege des Vereins, fern der Heimat, fühlte er sich auf dem Bayernplatz in Berlin nahezu wie zuhause in seinem Heimatland Bayern. Er wurde daraufhin 1959 auch Mitglied und brachte sich in das Vereinsleben voll ein. Trotz Familie mit Ehefrau und drei Söhnen und trotz seines verantwortungsvollen Berufes als Chefarzt leitete er ab 1984 ganze 27 Jahre lang als 1. Vorsitzender die Geschicke des Vereins. Dafür sind wir, der Verein der Bayern in Berlin, ihm zu großem Dank verpflichtet. Daneben waren ihm auch die Beziehungen zu anderen Landsmannschaften und Vereinen in Berlin von großer Bedeutung, insbesondere zum „Schweizer Verein in Berlin“, wo Otmar sogar Ehrenmitglied war. Er pflegte u. a. auch zum „Sorbischen Kultur und Informationszentrum Berlin“ intensive Kontakte. Bis zur Wende 1989 war Otmar Liegl mit dem Verein der Bayern in Berlin eigentlich die einzige kulturelle Anlaufstelle Bayerns in der geteilten Stadt inmitten der DDR. Eine offizielle Vertretung Bayerns in Berlin war zu dieser Zeit aus politischen Gründen nicht erlaubt. Somit war er es, der, zusammen mit den Vereinsmitgliedern, in der eingemauerten Stadt Berlin die „bayerische Fahne“ ehrenamtlich hoch gehalten hat, unterstützt von der damaligen Staatsregierung in München.
Für diese Verdienste wurde ihm dann auch im Jahr 2012 das „Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten“ (für Verdienste im Ehrenamt) von der Staatsministerin Emilia Müller überreicht.
Das Herausragende an der Persönlichkeit von Otmar war, dass er sich sein ganzes Leben lang immer für die Armen, für die Benachteiligten und für Minderheiten eingesetzt hat, unabhängig von der Politik, der Religion und dem gesellschaftlichen Status. Für dieses soziale Arrangement gebührt ihm höchste Anerkennung. Auch als Ehrenvorsitzender ab dem 90. Lebensjahr nahm Otmar noch lange aktiv an unserem Vereinsleben teil. Mit seinen 94 Lebensjahren war er unser ältestes Vereinsmitglied. Davon war er 56 Jahre Mitglied in unserem Verein, wo er das Brauchtum, die Traditionen und die gemütliche Lebensart seines Heimatlandes Bayern mit voller Überzeugung gelebt und vermittelt hat.

Wir, vom Verein der Bayern in Berlin trauern zutiefst, dass unser lieber Otmar nicht mehr unter uns weilt. Wir werden uns immer dankbar seiner erinnern.

Helmut Amberger
Verein der Bayern in Berlin e.V.

1. Vorsitzender: Helmut Amberger, Dessauerstr. 6 A, 12249 Berlin, Tel. 0171-3831332 2/3, email: Amberger.Berlin@gmx.de

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg