Der Bayerische Inngau-Trachtenverband trauert um seinen Ehrenvorstand Hans Weigl.

Anton Hötzelsperger —  10. Februar 2016

SterbebildHans Weigl verstarb am 04. Februar 2016 nach einem langwierigen Leiden, das ihm in den letzten Lebensjahren viel Kraft gekostet hatte. Durch seinen großartigen ehrenamtlichen Einsatz in vielen Bereichen war er weit über seine Heimatgemeinde hinaus bekannt und überaus beliebt. Hans Weigl war Zeit seines Lebens ein Mann der sich für seine Heimat eingesetzt hat. Er hat schon in jungen Jahren seinen Vater verloren, und so entschied er mit 17 Jahren für sich allein die heimische Schreinerei in Biberg wieder aufzubauen, die er dann bis zur Übergabe an seinen Sohn Hans 1987 als Dorfschreinerei für Alles betrieb.  Neben der Arbeit und der Sorge um seine Familie setzte sich Hans Weigl in vielen Bereichen für die Belange seines Heimatortes Biberg und die Vereine im Ortsbereich Schönau ein. So war er als junger Kerl eine treibende Kraft, dass nach dem Krieg der Burschenverein Schönau wieder erstand und war bis zur seiner Hochzeit mit Anna Gaar im Jahr 1959 als Schriftführer der Burschen tätig. Auch war er Gründungsmitglied des Sportvereins TSV Hohenthann-Beyharting den er mit seinem Einsatz als 2. Vorstand Anfang der 60er Jahre vor der Spaltung bewahrte. Er war lange Jahre in der Vorstandschaft der FFW Schönau und in der Kirchenverwaltung Biberg tätig. In der Draingenossenschaft kümmerte er sich mit um die Trockenlegung der Nassgründe in seinem Heimatort. Auch als jahrzehntelanger Vorstand des Wasserbeschaffungsverbandes Schönau-Biberg half er entscheidend beim Aufbau der Wasserversorgung in seiner Heimat mit. Auch als Hochzeitslader war er weitum bekannt.
Im Fasching war Hans Weigl für jede Gaudi zu haben. Zweimal war er bei den Bettelhochzeiten 1959 und 1984 in Biberg bei der Planung und Durchführung in vorderster Front beim Zeug. Vielleicht war es nicht einmal ein Zufall, dass seine Beerdigung auf einen Rosenmontag fiel.
Aber seinen größten Einsatz zeigte Hans Weigl in seinem Engagement für die Trachtensache. In seinem Heimatverein „Eichenlaub“ Schönau war der Hans insgesamt 16 Jahre im Ausschuss aktiv. Als Theaterspieler und Theaterspielleiter hat er in Schönau für unzählige schöne, lustige aber auch dramatische Stunden gesorgt. Von 1973 bis 1979 war Hans Weigl in Schönau erster Vereinsvorstand.
In diese Zeit viel auch das Gaufest 1978 in Schönau. Der Gauverband hatte für 1978 keinen Bewerber für das Gaufest, und so sagte der Hans in der Gauversammlung zu das Gaufest auszurichten. Natürlich musste er dazu in Schönau noch die Vereinsversammlung fragen, ob die auch einverstanden wäre. „Allein kann er es nicht ausrichten“, so der Hans. Der Verein ließ natürlich seinen Vorstand nicht im Regen stehen, und so kam es zum berühmten Gaufest 1978 in Schönau. Der Verein ließ den Gau nicht im Regen stehen, aber der Herrgott. Kurz nach dem Start des Festzuges ging ein Wolkenbruch über die marschierenden Trachtler nieder und das Gaufest war schlagartig beendet. Alle waren pudelnaß und keiner ging mehr zurück zum Zelt, sondern auf dem schnellsten Weg nach Hause. Um vier Uhr Nachmittag schien über Schönau und dem leeren Festzelt die Sonne. Auch dies nahm Festleiter Hans Weigl mit Humor, und die Schönauer waren beim Festabschluss ein paar Tage später schon wieder bester Laune.
Und trotz dem er in seinem Heimatort so eingespannt war, hat er noch die Freude und die Kraft aufgebracht sich auch überregional in unserem Inngauverband mit einzubringen. Als Nachfolger des unvergessenen Hans Stadler übernahm der Hans 1979 das Amt des ersten Gauschriftführers. Unser Gauprotokollbuch war somit in den besten Händen. Denn das Schreiben war ja an Hans sei Passion. Sechs Jahre lang bis 1985 hielt der Hans alles was im Gau geschah akribisch fest. Auch schrieb er alle alten Protokollbücher aus dem alten Schriftdeutsch mit der Schreibmaschine ab, damit auch die jungen Leute noch in den alten Aufzeichnungen nachschlagen können.
Als 1985 Gauvorstand Jakob Opperer sein Amt abgab wurde Hans Weigl für ihn und ich glaube damals für alle überraschend zum 1. Gauvorstand gewählt. Unter für ihn nicht einfachen Umständen trat er das Amt an und führte unseren Inngau durch die auftreiberischen letzten Jahre des ausgehenden 20. Jahrhunderts. Der Hans hatte es geschafft mit seiner humorvollen aber auch konsequenten Art und Weise die Gauvereine hinter sich zu bringen und alle damaligen Mitstreiter bestätigen mir die gute Zusammenarbeit mit ihm. Unter seiner Federführung wurde 1993 zum 90-jährigen Gaujubiläum die Gauchronik herausgebracht. Und man braucht nur reinschauen unter wie vielen Beiträgen der Name Hans Weigl steht.
Nach 12 Jahren legte der Hans sein Amt 1997 nieder und wurde Anfang 1998 zum Gauehrenvorstand ernannt. Auch war er Träger des silbernen und goldenen Gauehrenzeichens. In seiner Zeit im Landesausschuss war der Hans von 1986 bis 1997 Revisor im bayerischen Trachtenverband und prüfte somit die Finanzen der bayerischen Trachtler.
Leider ließ es seine Gesundheit immer seltener zu, dass er sich im Kreise des Gauausschusses und der Gauehrenmitglieder sehen ließ, ein schöner Trachtlerruhestand war ihm nicht recht vergönnt.
Den aufmerksamen Lesern unserer Trachtenzeitung war der Hans noch lange ein Begriff. Denn mit seinen kurzen, humorvollen aber zum Nachdenken anregenden Versen hat er über Jahre den HTB aufgelockert und so manchen Lesern werden seine Verse gefehlt haben, als er vor ein paar Jahren mit den Verserllieferungen aufhörte.
Hans Weigl eine Institution in der Geschichte unseres Inngaus. Und diese Stellung wurde auch bei seiner Beerdigung in Schönau am 08. Februar deutlich. Zahlreiche Vertreter aus dem Bayerischen Trachtenverband darunter Landesvorsitzender Max Bertl, dem Bayerischen Inngau-Trachtenverband und seine Schönauer Trachtler gaben dem Hans die letzte Ehre. Neben den Nachrufen der Schönauer Ortsvereine und –verbände würdigten auch Trachtenvereinsvorstand Florian Bonnetsmüller und Gauvorstand Georg Schinnagl die vielen Verdienste von Hans Weigl.
Auch zitierte Gauvorstand Schinnagl unten stehendes Gedicht von Hans Weigl am offenen Grab.

Zruck schaung

Muast marode umananda henga
tuast gern zruck denga
auf vui, vui Jahr
wos do ois los war.

Wos war do guat und recht
und wos war foisch und schlecht?
Do kimmst schia ned drauf nacha
ois konnst nia recht macha!

Ja, wenn´st g´lobt mechst wern
nachat muast scho – sterm!

Es gibt Leit, de werd ma einfach nia vergessen.

Georg Schinnagl
1.Gauvorstand
Bayerischer Inngau-Trachtenverband

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg