Dank-Gottesdienst für Padre Obermaier in Rosenheim – Einzigartiges in Bolivien geleistet

 „Unermüdlich, unerschrocken und unvergeßlich!“ – diese Worte passen wie selten so zielgenau wie auf Padre Sebastian Obermaier, der nach einem überaus schaffensreichen, priesterlichen Wirken im Alter von fast 82 Jahren in seiner Wunsch- und Wahlheimat El Alto in Bolivien plötzlich verstorben ist. Für den gebürtigen Rosenheimer wurde in der voll besetzten Pfarrkirche St. Nikolaus ein Seelen- und Dank-Gottesdienst gefeiert – und zugleich Rückschau auf das besondere Leben und Wirken von Sebastian Obermaier gehalten.Nach den Grußworten an die große Zahl an Dienern im priesterlichen Dienst und an die versammelten Gläubigen durch Stadtpfarrer Andreas M. Zach erinnerte Weihbischof Engelbert Siebler als Hauptzelebrant an die Lebensstationen von Padre Obermaier, der 1959 im Hohen Dom zu Freising durch Kardinal Josef Wendel zum Priester geweiht wurde. Bei seiner Primiz am 12. Juli 1959 in St. Nikolaus in Rosenheim –so Bürgermeister Anton Heindl in seinem Nachruf für die Stadt Rosenheim- durfte dieser als junger Ministrant den damals schon ob seiner Ausrichtung zu Jugend und Christus auffälligen Nachwuchspriester bewundern. Seine weiteren Stationen waren als Kaplan in St. Sebastian in Ebersberg und in St. Augustinus in München. 1965 wurde Sebastian Obermaier durch Kardinal Döpfner als „Pfarrer für alle deutschsprachigen Katholiken in ganz Venezuela“ freigestellt. Eine zweite Freistellung 1978 durch Kardinal Ratzinger im Jahr 1978 für die Indio-Seelsorge in El Alto in Bolivien war eine Herzensangelegenheit von Obermaier. Bis zuletzt war er im Armenviertel von El Alto nimmermüde tätig, anfangs mit 70.000 Einwohnern, aufgrund des Klimas und Zuzugs der Indios zuletzt in einer Millionenstadt. Die prekäre Lage der Hochlandbewohner war für Obermaier, einem tüchtigen Bauzeichner, eine richtige Herausforderung. Mit seinen Bauplänen, die noch zuhauf in großen Kisten in seinem Arbeitszimmer waren, leistete Obermaier konkrete Hilfe. Er baute feste Häuser, zuerst Gotteshäuser als Orte der Geborgenheit, dann Schulen, Kindergärten, Altenheime und Krankenhäuser. Allein 72 Kirchenbauwerke wurden dank seiner unermüdlichen Schaffenskraft geschaffen. Seine Grundeinstellung „Mein Herz ist voll Freude“ und sein Tagesmotto „Das Leben ist wunderbar“ halfen ihm dabei ebenso wie seine vielen Freunde in der bayerischen Heimat, sein mit Radio- und Fernsehstationen aufgebautes Netzwerk über Bolivien hinaus und der Verein „Stiftung Bolivienhilfe e.V.“. Dessen Erster Vorsitzender Georg Liegl dankte in seinem Nachruf dafür, dass Padre Obermaier in dreieinhalb Jahrzehnten eine neue Generation von jungen Leuten in Bolivien geschaffen hat. „Was Mutter Theresa in Kalkutta, das war Padre Obermaier in Bolivien“, so Georg Liedl, der bekanntgab, dass der Förderverein weiterhin mit El Alto und dessen sozialen Einrichtungen in aktiver Verbindung bleiben wird. Unterstützt wird der Verein vom dort ansässigen Fachverband Adveniat. Pfarrer Alois Raith, einer der dreißig Kurskollegen, die 1959 zusammen mit Sebastian Obermaier in Freising zum Priester geweiht wurden, sagte, dass derzeit noch sieben Kurskollegen am Leben sind und dass vier von ihnen zum Requiem nach Rosenheim kommen konnten. „Die Kurstreffen, zuletzt vor zwei Jahren in Rosenheim, waren immer von eindrucksvollen Berichten des Padre geprägt“, so der Geistliche. Domkapitular Josef Obermaier, Bruder des Verstorbenen dankte bei einem abschliessendem Empfang seiner Schwester Philomena sowie seinem Bruder Hans und dessen Frau Carola für deren langjährigen treuen Dienste zwischen Rosenheim und Südamerika. Ein weiterer Dank galt der Pfarrei St. Nikolaus, dem Ordinariat und dem großen Förderkreis. Das Wirken und Lebenswerk von Padre Sebastian Obermaier wurde mehrfach gewürdigt, so unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, mit der Auszeichnung „Mann des Jahres 2003“ in Bolivien und mit der Verdienstmedaille der Stadt Rosenheim.

Fotos: Hötzelsperger – Eindrücke vom Dank- und Seelengottesdienst für Padre Obermaier in der Kirche St. Nikolaus in Rosenheim

 

 

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg