Chronik und Jubiläum der Wildenwarter Schützen – heuer 125 Jahre

1891, also vor 125 Jahren wurde in Wildenwart ein Schützenverein gegründet. 1991 wurde die erste Fahne geweiht und ab 27. Mai wird zusammen mit der Feuerwehr ein Jubiläumsfest gefeiert mit Festsonntag, 5. Juni – ein Rückblick. Nach 100 Jahren des Vereinsbestehens wurde bei der Schützengesellschaft „Die Elfer“ von Wildenwart erstmals in der Vereinsgeschichte eine Fahne geweiht, die künftig wohl im Mittelpunkt des Geschehens und auch im Mittelpunkt der Aufgaben stehen wird. Die vergangenen 100 Jahre waren geprägt von einem Auf- und Niedergang in der Vereins- und Schützenbewegung. Ein steter und zuverlässiger Begleiter und gewissermaßen auch ein Höhepunkt Wildenwarter Schützengeschichte ist deren Chronik, die 1891 angelegt wurde. Sie ist durch ihre umfangreiche, saubere und künstlerisch wertvoll Gestaltung schon durch viele Schützenhände gegangen und hat überall Achtung gefunden. Langjähriger Verfasser der Chronik war der Schloßwirt Josef Amann.

Der erste Eintrag

„Im Herbst Anno Domini 1891 haben etlich 11 Schützen nach verhero wohlbedachten Unterredung in der Schloßwirtschaft zue Wildenwart die Schützengesellschaft „Die Elfer“ gegründet damit das edle Schüßwesen zue Wildenwart nicht aussterbet.“

Kennzeichen der Wildenwarter Schützenchronik sind die Ausgestaltung der Ereignisse mit Zeichnungen, Gemälde und humorvollen Beiträge. So mag nachfolgender Eintrag, der ebenfalls mit schönen Zeichnungen und in alter sauberer Schrift vorzufinden ist, einen Eindruck gegen.

„Am 5 ten März 1891 erschienen ganze sechs Schützen, dem siebenten brach das Herz, wollte sagen sein Brandröhrl, in Folge der fürchterlichen Schießerei, welche dieses Mal vollbracht wurde. Die Besten gab: Herr Josef Amann Schützenwirth. Dieselben Bestanden aus einen ganz, halben oder viertelseidenen Regenschirm auf der Ehrenscheibe. Gewinner: Herr Josef Anner Schmiedgehilfe; auf dem Haupte: Herr Peter Anner Schmiedmester allhier; ein Metal Termometer (zum Dampfabmessen). Auf dem Glücke: Herr Josef Fleidl unser lieber Scheibenfabrikant, eine gelbe Brieftasche. Er ist auch ein guter Schütz auf stehender Scheibe nicht auf? Es ist auch die edle Schießkunst im Steigen begriffen, indem die schlechten Schützen sich bedeutend gebessert haben. Nur einen Fehler hat der Schützenwirth, daß er zu wenig vom angeschafften Bier rein bringt, weil er auch net alles glaubt, was der Schmid sagt.“

Die Chronik war zugleich ein Verzeichnis von weltlichen Ereignissen aber auch von persönlichen Schicksalsschlägen. So entnehmen wir dem 18. Jänner 1893 folgenden Beitrag:

„Zum größten Bedauern und Betrübniß aller Schützen starb durch einen Unglücksfall unser liber guter Schützenbruder Herr Michael Sepp, welcher nahezu 12 Jahre als Haus & Fuhrknecht bei hoher Schloßherrschaft (Herzogin Adelgrunde von Modena) im Dienste war, am 22. Jänner. Er lebe immerfort in Aller Angedenken; Der Herr schenke ihm fröhliche Urständ. R.I.P.+“ Eine ganze wurde einer lustigen Zeichnung gewidmet mit dem Spruch „A Weib und a Roß, a Madl und a Gwehr leiht man et her“.

Enge Verbindung mit dem Haus Wittelsbach

Zu Zeiten, als in Wildenwart die bayerische Herrscherfamilie zu Hause war, gab es natürlich zusätzliche Veranstaltungen und besonders fiel Ehr. Beim Prinzregentenschießen am 11. März 1911 heißt es in der Chronik, dass sehr schöne patrotische Reden gehalten wurden zu Ehren unseres hochverehrten Prinzregenten Luitpold. Unter anderem heißt es: „Es war lustig und fidel bis 3 Uhr früh (nach hams beim Hoamgeh grafft).“

Das Königsschloß findet immer wieder einen Platz in der Chronik mit Zeichnungen und schönen Gemälden. Ein ganz besonderer Eintrag wurde seiner Königlichen Hoheit Prinz Alfons von Bayern, dem hohen Schirmherrn des Bayerischen Schützenverbandes und edlen Förderer unseres Schießwesens gewidmet anläßlich seines 70. Geburtstagsjubiläums 1932. Die enge Verbindung mit dem Hause Wittelsbach zeigte sich auch im Jahr 2007 als ein neuer Schießstand im ehemaligen Stallgebäude der Schlosswirtschaft durch Herzog Max in Bayern zur Verfügung gestellt, für den Innenausbau sorgte dann der Schützenverein selbst, der seit 2004 von Andreas Freund als Schützenmeister geleitet wird.

Auswärtige Tätigkeiten

Die wohl weiteste Reise der Wildenwarter Schützen nahmen diese im Juli 1960 zum Bürgerschützenverein Franz Danne nach Bochum vor. Damals war eine Chiemgauer Schützendelegation mit Gauschützenmeister Wörndl an der Spitze in das Ruhrgebiet gefahren und fand starken Gefallen.

Einige Sprüche

Zu allen Jahreszeiten und Gelegenheiten gab es besondere Anlässe, sich zum Schießen in der Wildenwarter Schloßwirtschaft oder zum Teil auch im Gasthof in Prutdorf zu treffen.

Ein Spruch zum Vortlschießen:

„Lustig ist’s wenn der Ziller springt und tanzt. Und’s Blei an seine Kniestiefel glanzt; Da gibt’s dem Michel Sepp, bis ins Herz an Riß, Weil er a oana von die guaten Schützen ist (hat er gsagt.)“

Ein Spruch zum Kathreinschießen:

„Es waren acht lustige Schützen am Stand, Und nahmen die guten Stutzen zur Hand, Schoßen dann lustig auf d‘ Scheiben, Ach, möchte es doch immer so bleiben.“

Eintragung anläßlich des Todes von zwei verstorbenen Schützenkameraden 1906 und 1907:

„Atzing hatt an Bäckermeister Ludwig Böck, ich glaub, so heißt er. Ihn hat der Tod geholt; Gott hat’s so gewollt.“ „An Huber diesem tücht’gen Mann Trat auch der Tod so rasch heran Sein Wandel war gut und recht Darob geht’s ihm auch drüben nicht schlecht.“

Spruch zur Hochzeit: „A Scheib’n und a Herz, is was b’sunders im Leb’n oft moanst, du hast’s troffa, und do schießt daneb’n“.

Sonstige Sprüche: „Bald fehlt’s ihm am Stutzen, Bald fehlt’s ihm am Schloß, Und bald fehlt’s ihm am Dupfer. Bald geht’s ihm nöt los.“ „St. Paulus war ein Medicus Und schrieb an den Thimotheus, Um deines schwachen Magens willen. Magst Du den Durst mit Weine stillen. Das war ein Mann nach unserm Fuß, Es lebe Paul der Medicus!“

Chronik: Anton Hötzelsperger

Fotos und Repros: Foto Berger, Prien

 

Anton Hötzelsperger

Nachrichten

Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg