‚Brauchtum an Lichtmess‘ – Hoagascht in Pleiskirchen

Am Blasiustag, 3. Februar 2017, veranstaltete der Trachtenverein D’Holzlandler Pleiskirchen einen besonderen Hoagascht unter dem Motto ‚Brauchtum an Lichtmess‘ und zahlreiche Gäste bevölkerten die Gaststube und das Nebenzimmer im Gasthaus Münch, deren Tische passend mit „Pfennig-Lichtl“ (dünne Lichtmess-Kerzen) dekoriert waren.

Der Sprecher des Abends, Siegi Götze aus Marquartstein, verstand es von Anfang an, das Publikum mit seinem Fachwissen, gewürzt mit zünftigen Anekdoten und Sprüchen, in seinen Bann zu ziehen. So widmete er sich zunächst der Bedeutung von ‚Maria Lichtmeß‘ (02. Februar) im kirchlichen Brauchtum, einem Fest, das vierzig Tage nach Weihnachten zur Erinnerung an den Besuch Marias im Tempel gefeiert wird. An diesem Tag wird seit alters her auch der gesamte Jahresbedarf an Kerzen einer Kirche geweiht. In früheren Zeiten erhielten zudem die schönen, kunstvoll verzierten Wachsstöckl, die vor allem zur Erstkommunion und zur Firmung geschenkt wurden, die kirchliche Weihe, und eine Braut, die ‚was auf sich hielt‘, musste in ihrem Aussteuer-Schrank stets auch mehrere dieser Prachtexemplare in verschiedenen Formen haben.

In seinen weiteren Ausführungen erzählte Siegi Götze außerdem über die ‚Zeit um Lichtmess‘ im früheren bäuerlichen Leben – ein wichtiges Datum, denn an diesem Tag endete immer ein Arbeitsjahr. Die ‚Ehhalten‘ (Knechte und Mägde, die das ‚Sach‘ und damit die Ehe der Bauersleute zusammenhielten) bekamen an diesem Tag den gesamten Jahreslohn ausbezahlt und konnten sich eine neue Stelle bei einem anderen Bauern suchen. Diese Zeit des ‚Schlenkelns‘ (arbeitsfreie Zeit für die Dienstboten) war stets auch verbunden mit großen Bauern- und Lichtmess-Märkten, auf denen so manche neue Arbeitsverträge zwischen Bauern und Dienstboten abgeschlossen wurden.

Zwischen den Wortbeiträgen umrahmte der Scheeheisl Dreigesang aus Reischach, musikalisch begleitet von Veronika Vorbuchner an der Harfe, den Hoagart mit passenden und raren Liedern, die auch immer wieder zum Schmunzeln anregten. So baten die Sänger z. B. in einer Art ‚bäuerlichen Litanei‘ den Hl. Luzifer, dass so manchen Politiker doch ‚da Deife‘ holen möge, worauf ein Gast trocken anmerkte, dass selbst ‚da Deife net alle mag‘, und damit einen großen Lacherfolg erntete. Die Oakarrer Tanzlmusi mit dem ‚Holzlandler‘ Gerhard Friedrich an der Ziach hatte den musikalischen Part übernommen und begeisterte das Publikum mit schwungvollen und schneidigen Stücken. Einen besonderen Höhepunkt setzten dabei die Geschwister Bettstetter aus Ampfing, die virtuos auf zwei Harfen musizierten und damit ebenfalls zum besonderen Gelingen dieses Lichtmess-Hoagarts beitrugen. Eingangs der Verstaltung waren zudem H. H. Pfarrer Dr. Martin Fohl, Altbürgermeister Sepp Eder, die Ehrenmitglieder Luise Obergrußberger und Hans Steinhöfer, Ortsheimatpfleger Gunther Prunner, Gauehrenjugendwart Alois Edtmayer aus Traunwalchen, die Sachgebietsleiterin ‚Mundart, Laienspiel und Brauchtum‘ im Gauverband I, Marianne Heidenthaler aus Fridolfing, Trachtlergebietsvertreter Sepp Sperr aus Ampfing sowie Abordnungen der Trachtenvereine Reischach, Mühldorf und Wasentegernbach als besondere Gäste begrüßt worden.

Fotos: Wagner

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg