Berührendes Freilichtspiel der Pfarrei Siegsdorf mit Blick in vergangene Zeiten

Eine von mehr als 150 Besuchern umjubelte Uraufführung feierte das historische Freilichtspiel „Der schwarze Irta“, das Albert Rosenegger anlässlich der Feierlichkeiten „300 Jahre Hl. Haupt in der Pfarrkirche Siegsdorf“ geschrieben hat. Ein herrlicher Sommerabend belohnte, trotz anfänglichem Gewitter-Grollen und einigen Regentropfen die gut zwei Dutzend Akteure aus den Theatervereinen Siegsdorf und Eisenärzt sowie dem gesamten Pfarrverband für ihre dreimonatige Probenarbeit unter der Regie von Sepp Kumminger und Martin Tiefenbacher.Der Park mit den hohen Bäumen hinter der Siegsdorfer Grundschule bildet das ideale Umfeld für die turbulenten, aber oft auch sehr sensiblen Szenen rund um die Jahre 1704 bis 1712, die Einblick geben in eine Zeit, in der der Chiemgau immer wieder von Krieg und Gewalt, von Krankheit und Not heimgesucht wurde, in der die Menschen aber dennoch ihren Glauben und die Hoffnung auf Besserung nie verloren haben. Sabine Kübler hat dazu eine einfühlsame und berührende Begleitmusik komponiert und auch die musikalische Leitung des Ensembles und des Chores übernommen. Sabine an der Violine, ihr Mann Bernhard am Akkordeon, Lydia Daburger an der Klarinette, Marina Plereiter an der Harfe und Simon Nagl, der am Kontrabass den Stammspieler Florian Seestaller vertrat, knüpften den emotionalen Draht zwischen den Spielern und ihrem Publikum und unterstützen feinfühlig die tiefgründigen Texte von Chor und Solisten.
Trotz nur kurzer Einarbeitungszeit hatten Paula und Christian Edelmayer mit Unterstützung von Sepp Geisreiter die komplizierte Tontechnik fest im Griff, so dass die Spieler ungehindert ihrem Emotionen freien Lauf lassen konnten.
Berührend, humorvoll und spannend setzten die mehr als zwanzig Akteure die Vorgaben von Albert Rosenegger um, und nahmen die Besucher mit auf eine Reise in eine längst vergangene Zeit, in der aber wie Heute Glück und Verzweiflung, Verzagen und Hoffnung, Hass und Liebe das Leben der Menschen begleiteten.
Michael Gallinger führte die Besucher als Sprecher souverän durch die beiden Akte und erklärte immer wieder die Zusammenhänge und Zeitsprünge, während Tobias Stoiber als Schmied von Siegsdorf und Christoph Stoiber als der etwas zurückgebliebene „Ja-Ja-Dofferl den roten Faden durch die Jahre knüpften. In den Hauptrollen berühren vor allem Maria Mader als Leni und Hans Mader als Voglmoar besonders bei ihrem emotionalen gemeinsamen Lied „Grenzenlose Liebe“, aber auch Simon Herzog als „Obermoar“ und Peter und Elisabeth Daubner als die „Daxenbacherischen“, Kathrin Stecher als „Schneeweiß-Wirtin“ und Robert Lechner als „Osterhamer-Bauer“ vermitteln glaubwürdig die Ereignisse einer bewegten Epoche.
Greifbar wird der Schrecken der damaligen Zeit besonders beim Eintreffen der „Panduren“ die unter ihrem unheimlich authentisch wirkenden Obristen (Georg Oberauer) Angst und Terror verbreiten, die Magd Leni verschleppen und schänden und als Strafaktion die Stadt Traunstein in Schutt und Asche legen. In eine besondere Rolle ist Eva Maria Dauhrer geschlüpft, die als die Kräuterfrau „Wabm“ im Hintergrund die Fäden zieht und letztendlich auch dem unbeugsamen Voglmoar zu seinem Seelenfrieden verhilft. Eine überraschende Inszenierung, in die auch Pfarrer Thomas von Rechberg eingebunden ist, verbindet abschließend den historischen Rückblick mit den aktuellen Feierlichkeiten. Stehende Ovationen belohnten die Spieler und Musiker für einen unvergleichlichen Theaterabend.
Die ebenfalls ausverkaufte zweite Vorstellung am Sonntag musste leider wegen eines Gewitters nach dem ersten Teil abgebrochen werden.

Noch viermal laden die Siegsdorfer zum „Schwarzen Irta“ in den Park hinter der Schule. Am kommenden Samstag und Sonntag 25. und 26. Juli, sowie am 1. und 2. August jeweils um 20.00 Uhr. Karten gibt es bei der Touristinfo Siegsdorf 08662/498745 und natürlich an den Abendkassen. FK

Text  und  Bilder:  Franz Krammer
086 Schreckensnachricht: zeigt einen Gesamteindruck vom Gelände mit dem Kirchturm im Hintergrund

134 Chor: zeigt den Chor der Spieler mit den beiden jungen Sängern Korbinian Kübler und Anton Tiefenbacher (von links)

114 Wabm u. Wirtin: Katharin Stecher und Eva Maria Dauhrer als Schneeweiß-Wirtin und Kräuter-Wabm im tiefsinnigen Gespräch

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg