Bernauer Bürger gedenken im Rahmen von Feierstunde der Toten der Weltkriege

 Bei einer Feierstunde am Kriegerdenkmal gedachte auch am diesjährigen Volkstrauertag die Bevölkerung von Bernau den toten, gefallenen und vermissten Soldaten der beiden Weltkriege, sowie den Opfern von Terror und Gewalt. Heuer gedachte man besonders derer, die bei der Schlacht um Verdun vor 100 Jahren dabei waren.Vorausgegangen war ein Gottesdienst, der von Vertretern der politischen Gemeinde und vielen Ortsvereinen mit ihren Fahnenabordnungen mitgefeiert wurde. Zelebriert wurde er vom katholischen Pfarrer Klaus Wernberger, der Pastoralreferentin Edith Heindl und der evang. Pfarrerin Hannah von Schroeders.

In seiner Ansprache bei der Kranzniederlegung berichtete Bürgermeister Philipp Bernhofer von einer Frage an seinen Vater, ob dieser die Wahl gehabt habe, den Einberufungsbefehl zu verweigern. Heute wisse er, dass er diese Frage nach der Wahl an den Falschen gestellt habe. Sie wird auch vielen anderen Kriegsteilnehmern des 2. Weltkriegs nicht gerecht. „Mit Wahlen wird jemand gewählt, Wahlen wählen Bürgermeister, Landräte und Präsidenten. 1933 wurde in Deutschland der Führer gewählt,“ so Bernhofer. In diesem Wahljahr war sein Vater 7 Jahre alt. Er gehörte zu den Geburtsjahrgängen zwischen 1921 und 1927 mit den höchsten Verlusten. Fast jeder Dritte kam nicht mehr vom Kampf an der Front zurück. Sein Vater konnte nicht wählen, aber viele andere. Die, die wählen durften wollten nicht, konnten nicht oder unterschätzten den Mann, der sehr genau sagte, was er machen würde. Diese Wahl schaffte die Voraussetzung für den 2. Weltkrieg. Politiker und der bestehende Zeitgeist verursachten den Ersten und den Zweiten Weltkrieg. Die Politiker damals hätten versagt und den Friedfertigen ist es nicht gelungen, bei Wahlen zu überzeugen. Erst nach 1945 suchten Politiker die Aussöhnung; seit 70 Jahren ist Friede in Europa. Deutschland wurde in den letzten Jahren sogar die beliebteste Nation der Welt. Dies sei, so der Bürgermeister, das Ergebnis guter Politik und guter Politiker, die sich an den Menschenrechten orientierten. In letzter Zeit ist aber dieser Friede stark gefährdet. In Polen und der Türkei wurde die Demokratie abgewählt, in anderen Ländern wie Frankreich, Holland, Österreich und auch bei uns genießen Rechtspopulisten großen Zulauf. Sie nützen Verunsicherung und Ängste aus und schüren Hass und Intoleranz. Sie verändern den bestehenden Zeitgeist. Jeder habe heute die Wahl unsere Demokratie zu erhalten, unsere Kinder zu schützen und Kandidaten zu wählen, die sich für Frieden, Freiheit und Menschenrechte einsetzen. Bernhofer forderte abschließend alle Anwesenden dazu auf, bei den nächsten Wahlen dieser Verantwortung gerecht zu werden, im Namen derer, an die an diesem Volkstrauertag gedacht wird.

VdK-Ortsvorsitzender Alexander Herkner führte bei seiner Kranzniederlegung an, dass in jüngster Vergangenheit in immer mehr Ländern Behüter von angeblich nationalem Interesse die Mitmenschen mit stumpfsinnigen Parolen erreichten. Werte wie Toleranz, Nächstenliebe und Friedfertigkeit, die auch eine christliche Wertegemeinschaft kennzeichnen, blieben dabei häufig auf der Strecke. Er forderte die Politiker dazu auf, aus den Lehren der Vergangenheit und der jüngsten Gegenwart zu lernen und ihre Entscheidungen hin zu einem friedlichen Zusammenleben zu treffen. Für den Soldaten- und Kriegerverein legte noch Vorstand Günther Frey einen Kranz nieder. Mit Ehrensaluten zur Melodie des „Guten Kameraden“, gespielt von der Musikkapelle Bernau, endete die Gedenkfeier.

Bericht und Bilder: Georg Leidel – Der Toten der Weltkriege, besonders derer von der Schlacht um Verdun, gedachte die Gemeinde Bernau. v.l.: Bürgermeister Philipp Bernhofer, Pastoralreferentin Edith Heindl und evang. Pfarrerin Hannah von Schroeders

 

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg