Ausstellungseröffnung „Tracht im Blick“ in Neukirchen b. Hl. Blut

Heimatliches Gewand aus unterschiedlichen Blickwinkeln von der heutigen (Mode-)Tracht bis zurück ins 19. Jahrhundert, vom Wandel in den letzten 200 Jahren bis zur Beständigkeit der Tradition, von Kopf bis Fuß, vom Politikum zum Freizeitvergnügen. Unter dem gemeinsamen Titel „Tracht im Blick – die Oberpfalz packt aus“ beleuchten die Museen dieses Ausstellungsprojekts Oberpfalz 2016 das Phänomen jeweils von einer anderen Seite. Die Ausstellungen geben bis 3. Oktober Einblicke in die facettenreiche Welt der charakteristischen Bekleidung unterschiedlicher Regionen.Zum Auftakt stieg das Oberpfälzer Freilandmuseum Neusath-Perschen thematisch mit der Sonderausstellung „Dirndl, Gwand und Heimatkleid“ ein. Die Ausstellung des Stadtmuseums Weiden zeigt die Vielfalt des Zubehörs, ohne welches die Kleidung der ländlichen Oberpfalz nicht vollständig (gewesen) wäre. Das Historische Museum Regensburg öffnet seine Schränke, um mit Althergebrachtem landläufige Vorstellungen ländlicher Kleidung neu zu definieren. Das Stadtmuseum Schwandorf spitzt unter die Oberkleidung und gibt einen kulturhistorischen Überblick über vielerlei „Untenrum“ wie Unterwäsche und Strümpfe. Die Ausstellung im Stadtmuseum Nittenau widmet sich der „Kopf“-Tracht. Das Oberpfälzer Volkskundemuseum in Burglengenfeld zeigt anhand zahlreicher Fotografien, kompletter Ausstattungen und vieler Textilien und Symbole, was Mann und Frau in Vergangenheit und Gegenwart mit ihrer Kleidung aussagen wollen und wie dies von ihrem Umfeld verstanden wird. Im Stadtmuseum Sulzbach-Rosenberg hat die Tracht ihren großen Auftritt im Zusammenhang mit Kirchweih, während im Stadtmuseum Neumarkt i.d.Opf. noch einmal deutlich wird, wie sehr die Volkstracht stets unter dem Einfluss der zeitgenössischen Mode stand.

Außer den neun Museen, die direkt an diesem Ausstellungsprojekt beteiligt sind, gibt es zudem kleinere Aktivitäten im Zündholzmuseum Grafenwiesen, im „Frauenfleiß“-Museum in Blaibach, im Museum (ehemalige Klöppelschule) Tiefenbach oder in den Museen am Stadtturm in Furth im Wald, die das Thema in die Fläche tragen. Im Mittelpunkt der Ausstellung des Wallfahrtsmuseums Neukirchen b. Hl. Blut steht der Blick auf die Tracht, das Sammeln von historischen Trachtenstücken, Trachtenpflege und die Popularisierung des Phänomens Tracht in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Drei durchaus geläufige Namen stehen hier im Fokus, wie Dr. Bärbel Kleindorfer-Marx, Kulturreferentin des Landkreises Cham, bei der Eröffnungsfeier betonte: Der in Eschlkam geborene Schriftsteller Maximilian Schmidt genannt Waldschmidt (1832-1919), der im Zellertal ansässige Maler und Trachtenforscher Oskar von Zaborsky (1898-1959) und der Kötztinger Friseur und Trachtenpfleger Conrad Krämer (1879-1962). Sie prägten das Bild der Tracht des Bayerischen Waldes. Maximilian Schmidt organisierte 1895 zum Münchner Oktoberfest ein „Historisch-Bayerisches Volkstrachten-Fest“ und einen Trachten-Festzug, der grundlegend für die Oktoberfestzüge des 20. Jahrhunderts werden sollte. Der Festzug brachte ihm den Beinamen „Kostüm-Schmidt“ ein.

Oskar von Zabrosky, in Prag, Weimar und Berlin ausgebildeter Künstler und Volkskundler, lebte seit Ende des Zweiten Weltkriegs in Leckern bei Kötzting. Hier führte er seine in den 1930er Jahren begonnene Trachtenforschung im Bayerischen Wald und Böhmerwald sowie in der Oberpfalz fort. Conrad Krämer war seit den 1920er Jahren Mitglied und Förderer zahlreicher Trachtenvereine. Er verstand sich als Trachtenpfleger und sammelte Trachten. 1936 führte er eine Trachtengruppe aus Kötzting mit der Figur des „Pfingstls“ zur Olympiade nach Berlin. In den 1950er Jahren galt er als einer der bekanntesten Volkstrachtenträger Bayerns. Die hier vorgestellten Akteure nehmen Bezug aufeinander: Conrad Krämer, 1895 als Friseur in Stellung in München, beschreibt Waldschmidts Trachten-Festzug als Auslöser für seine lebenslange Trachtenbegeisterung. Oskar von Zaborsky zieht Erzählungen Waldschmidts als Quelle für seine Trachtenforschung heran. Conrad Krämer lernte er 1934 kennen, als er von Berlin aus eine erste Forschungsfahrt in den Bayerischen Wald unternahm. Begeistert zeigten sich die Besucher der Ausstellung von der Vielfalt historischer Leihgaben und Unterlagen aus der Frühzeit umliegender Trachtenvereine und Privatpersonen von der Standarte und Vereinsfahne über Schriftstücke und Aquarelle bis hin zur lebensgroßen Darstellung der Chamer Tracht.

In der Ausstellung zu sehen sind zahlreiche Leihgaben der Trachtenvereine „Regentaler“ Grafenwiesen und „D‘Waldlerbuam“ Kötzting.

(Text und Bilder mit freundlicher Genehmigung von Helga Brandl)

 

 

 

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg