Ausstellungseröffnung im Bernauer Rathaus

Bürgermeister Philipp Bernhofer freute sich sichtlich, dass er am Kirchweihsonntag bereits die dritte Ausstellung im Bernauer Rathaus eröffnen durfte. Die jetzige Ausstellung mit dem großen Thema „Flüchtlinge“ komme gerade zu einem Zeitpunkt, der auch politisch gesehen sehr wichtig sei.

Nach einem unkontrollierten Chaos im Sommer 2015, in dem vor allem die vielen ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer als Retter fungierten und in Deutschland eine Welle der Hilfsbereitschaft entstand, schwappte die Stimmung nach den Vorfällen in der Sylvesternacht von Köln in die andere Richtung, die leider immer noch zu spüren sei. Für ihn beginne aber jetzt gerade die Phase der Konsolidierung und Normalisierung. Und deshalb sei diese Ausstellung ein gutes Thema zur richtigen Zeit. Vor allem in einem Ort wie Bernau, in dem seit eineinhalb Jahren Flüchtlinge wohnen und es zu keiner Zeit Debatten über Probleme gegeben habe. Man kann bei diesem Rückblick sehen, was bis jetzt geleistet wurde und was es gebracht hat. Deshalb freute er sich, dass unter den Anwesenden neben einigen Gemeinderäten und Pfarrerin Hannah von Schroeders vor allem viele Flüchtlingsfamilien und Flüchtlingshelfer waren. Sein Dank galt den beiden Studentinnen Sophie Mehlhart und Nicole Rehak, die sich dieses Themas angenommen haben und der Bernauer Kulturreferentin Michaela Leidel, die die Ausstellungsvorbereitung begleitet hatte.
Die Bernauerin Sophie Mehlhart und die Linzerin Nicole Rehak wollten sich für ihre Abschlussarbeit an der Fachhochschule Salzburg ein eigenes Bild von der Flüchtlingssituation machen und hinter die von Medien dargestellte Wirklichkeit blicken. Persönliche Gespräche mit geflüchteten Menschen, ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern bildeten die Basis für ihr über acht Monate dauerndes Projekt. Herausgekommen ist mehr als eine reine Dokumentation über Flüchtlinge und eine bloße Sammlung von Berichten. Es ist ein Buch über ihre prägenden und wertvollen Erfahrungen und die emotionalen und humorvollen Begegnungen mit einheimischen und neuen Bewohnern zweier Dörfer, nämlich Bernau und Oberndorf bei Salzburg. Alle Elemente des Buches wurden mit viel Bedacht gestaltet. Hierbei wurde Grafik-Design als Werkzeug eingesetzt, um eine viel diskutierte Thematik dem Betrachter näher zu bringen. Beide Künstlerinnen bedankten sich bei der Gemeinde für die Unterstützung, die sie erfahren haben und vor allem bei den Flüchtlingen und dem Helferkreis um Johannes Feitl für die Interviews und ihr Entgegenkommen, ohne die das Werk nicht möglich gewesen wäre.
Schlusspunkt der Eröffnung war ein Gedicht von Zeynap, einer 21-jährigen Frau, die in Somalia geboren wurde, von dort zuerst nach Syrien und – aufgrund der Kriegswirren – dann nach Deutschland flüchtete. Sie trug ihr selbst geschriebenes Gedicht auf Arabisch und Deutsch vor, in dem sie einen Blick in die Vergangenheit und das Heute machte. Ein kleiner Sektempfang mit Kirchweihnudeln, Brot aus Afghanistan und Somalia rundeten die Vernissage ab.
Das Buch „NEULAND“, das nur in einer sehr geringen Auflage gedruckt wurde, liegt im Foyer und ersten Stock zum Durchlesen auf. Zu sehen sind auch einige Zitate aus dem Buch, die auf dem Boden und an Glasflächen angebrachten wurden. Eine Installation im 1. Stock zeigt, wie schwer es ist, in einem neuen Land anzukommen und „NEULAND“ zu sehen.
Die Ausstellung NEULAND ist noch bis zum 15.November im Rathaus Bernau während der normalen Öffnungszeiten zu sehen.
gle

Fotos: Georg Leidel – Die beiden Künstlerinnen Sophie Mehlhart und Nicole Rehak (Mitte mit Buch) mit den Bernauer Akteuren.

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg