Ausführlicher Bericht und weitere Bilder von der Hauptalmbegehung

Dem Kennenlernen von Almgebieten, dem persönlichen Austausch von Informationen beispielsweise zwischen Almleuten und Behörden sowie dem eigenen Bergwandererlebnis in schönsten heimatlichen Gefilden diente die inzwischen 69. Hauptalmbegehung des Almwirtschaftlichen Vereins von Oberbayern. Erstmals war zum Auftakt auf der Schmiedalm von Eigentümer Thomas Fischer die Gemeinde Frasdorf mit Bürgermeisterin Marianne Steindlmüller Gastgeber der Groß-Veranstaltung.Frasdorfer Ministranten versuchten mit ihren Kirchenbesucher-Zählgeräten so nah wie möglich die genaue Zahl der Teilnehmer an der Almbegehung zu ermitteln. 1.125 Frauen und Männern, unter ihnen auch viele junge Leute aus bäuerlichen Familien mit einem Alm-Zusammenhang ergaben diese Zählungen. Da diese gleich in der Früh erfolgten, hat sich die tatsächliche Zahl der Alm-Wanderer noch erhöht und so dürften es gut über 1.200 Teilnehmer gewesen sein, die sich zwischen Priental und Hochries auf den Weg machten. Die hohe Anzahl lässt Unruhe und mangelnden Naturgenuss vermuten, doch im Gegenteil: alle Teilnehmer fügten sich aufgrund ihres gewohnt guten Umgangs im Miteinander auf Almgebieten den Gegebenheiten an und die jeweiligen Gastgeber bei den aus- und aufgesuchten Almen waren wohl vorbereitet für die Verpflegung und almerisch passende Bewirtung. Sicheres und gutes Sommerwetter nach einem nächtlichen und abkühlenden Regenschauer tat das seinige dazu, so dass die äußeren Voraussetzungen für das Gelingen der Groß-Veranstaltung bestens waren.

Dankbar für die Schönheiten der Natur und mit einem Segensgebet von Pfarrer Johannes Palus aus Aschau i. Chiemgau (im Beisein von seinem Vorgänger und Ruhestandspfarrer Josef Winkler) eröffnete Bürgermeisterin Marianne Steindlmüller den Almtag mit der Vorstellung ihrer Gemeinde mit 74 Ortsteilen sowie mit gespendeten Brezen und Handwürsten. Die Liste der Ehrengäste, die Vorsitzender Georg Mair und Geschäftsführer Michael Hinterstoißer vom Almwirtschaftlichen Verein Oberbayern begrüßten, war nicht nur lang, sie zeigte auch, wie viele Ministerien, Ämter, Behörden, Fach- und Beratungsstellen sowie Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft mit der Almwirtschaft in Verbindung stehen. Im Laufe des rund 13 Kilometer langen Fußmarsches gab es zu folgenden Almen Informationen oder eine Rast: Winterstube, Schmied-/Richteralm, Riesenalm, Oberwiesenalm, Hofalm, Abergalm, Rauchalm und Laubensteinalm. Die meisten dieser Almen sind im Eigentum von Baron von Cramer-Klett aus Aschau, der größter privater Almbesitzer in Oberbayern ist. So galt dem  Baron ein besonderer Willkommensgruß, ebenso wie den Vertretern der Kommunal-, Landes- und Bundespolitik. Allein drei Minister entsandte das Bayerische Kabinett auf Frasdorfer und Aschauer Almgebiet. Den Anfang der Grußworte machte Landwirtschaftsminister Helmut Brunner, ihm folgten Umweltministerin Ulrike Scharf und Wirtschaftsministerin Ilse Aigner. Bei all den Anspannungen in der Vielfalt der Themen, die die Arbeit heute in der Landwirtschaft und auf den Almen belasten, wurden gegenseitig versöhnliche Töne angeschlagen. Die Zusammenkunft und das große Publikum wurden nicht benutzt, um Leid zu klagen oder anzuklagen. Offen und wie auf dem Berg üblich gab es klare Worte. Offen blieben natürlich auch manche Antworten, da sich Alm- und Politik-Verantwortliche darauf verständigten, die verschiedenen Positionen weiterhin in Dialog-Gesprächen und am Runden Tisch mit den Betroffenen zu besprechen. Beispielhaft für diese gegenseitige Wertschätzung war der Satz von AVO-Vorsitzenden Georg Mair zu Landwirtschaftsminister Helmut Brunner: „Der Minister redet nicht nur, er handelt auch danach“. Damit wies er auf die jüngsten Ergebnisse zugunsten der Alm- und Landwirtschaft bei den Haushaltsberatungen der Bayerischen Staatsregierung hin. Um all den Almleuten neben den gesprochenen Informationen auch noch neueste Erkenntnisse mitzugeben, erhielten die Teilnehmer aktuelle und kleine Broschüren, unter anderem zum Thema „Almen und Alpen sind kein Streichelzoo“ oder „Klimawandel auf der Alm – seine Folgen für die Almwirtschaft, Anpassungsstrategien und Fördermöglichkeiten“. Bei allen Alm-Vorstellungen wurden Besitzer und Pächter sowie Viehzahl und Almgröße vorgestellt. Und bei den Grußworten, unter anderem auch von Rosenheims stellvertretender Landrätin Alexandra Burgmaier und vom Leiter des Rosenheimer Landwirtsachafts-Amtes Wolfgang Hampel kam immer wieder der Respekt vor der Arbeitsleistung der Almbetreuer zum Ausdruck. Dies nicht nur im Sinne der Bauern, die für ihre Tiere eine gesunde Weidefläche haben, sondern auch für die heimatliche Urlaubs- und Tourismusregion insgesamt. Letztlich war mehrfach zu hören, dass ein blühender Tourismus nur dann gegeben ist, wenn auch die Almwiesen blühen und nicht verbuschen. Damit dies auch fortan so bleibt dafür bedarf es vieler fleißiger Hände von Almleuten und einer angemessenen Förderung durch Politik und Staat.

Nach dem nunmehrigen und schönen Hauptalmbegehungstag ab Frasdorf findet dort am Samstag, 8. Oktober und Sonntag, 9. Oktober der heurige Almbauerntag in der Lamstoahalle und in der Pfarrkirche statt. Bei der nächstjährigen  Hauptalmbegehung trifft sich die große Schar Gleichgesinnter bei der Bezirksalmbauernschaft Samerberg. Deren Vorsitzender Bartholomäus Mayer ist sich der Verantwortung und Vorbereitung bewusst und sagte: „Wir freuen uns auf diese Almbegehung, die ersten Abstimmungen hinsichtlich Wegführung und Almbesuchen sind schon erfolgt“. Nach dem diesjährigem Erfolg werden auch 2017 wieder viele Teilnehmer zu erwarten sein, die für die 709 Almen in Oberbayern (mit Vieh von ca. 1.200 Bauern) zuständig sind. Bayern insgesamt hat rund 1.400 Almen und Alpen.

Fotos:  Hötzelsperger – Eindrücke von der Hauptalmbegehung des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern auf Frasdorfer und Aschauer Gebiet

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg