Arberkirchweih und rund 4.000 Pilger trotzten dem Regen

Von seiner eher unwirtlichen Seite zeigte sich bei der diesjährigen Arberkirchweih der „König des Bayerischen Waldes“. Als die Glocke der im letzten Jahr neurenovierten Arberkapelle läutete, machten sich trotz dichter Nebelschwaden und vereinzelter Regenschauer dennoch über 4000 Pilger auf den Weg zum Gipfel. Bergwanderer aus nah und fern, Trachtler und Mitglieder der zahlreichen Sektionen des Bayerischen Waldvereins ließen sich von der Witterung nicht verdrießen und fanden sich rund um das kleine schmucke Gotteshaus im Lärchenholzkleid ein. Das Arberplateau war gut gefüllt, wenn auch die Felsen des Gipfels diesmal fast leer blieben. Eine gelungene Premiere war es für den Eisensteiner Pfarrer Bogdan Bogdanovski, der mit seinem tiefen Glaubensbekenntnis, seiner spürbaren Liebe zur Natur sowie der gewissen Portion Humor und Schlagfertigkeit die Herzen der Menschen berührte.

Die Fahnenabordnungen des Bayerischen Waldgaues und die Bittprozession der Bergwacht Lam, angeführt von Kreuzträger Alois Schwarz, trafen pünktlich zu Beginn des Gottesdienstes ein. Die Begrüßung aller treuen Teilnehmer der Arberkirchweih oblag in diesem Jahr dem Vorsitzenden des Bayerischen Waldvereins, Staatsminister Helmut Brunner. Er sagte Dank all jenen, die für die Organisation der Arberkirchweih verantwortlich waren, Thomas Liebl von der Arber-Bergbahn, dem „Woidwinkl-Dreigsang“ aus Lohberg-Lam (mit Hans Neumaier, Erich Müller und Adolf Schwarz sen.) und der „Tittlinger Tanzbodnmusi“, die bei der Bergstation zur Begrüßung der Gäste aufspielte. Die humorvolle Anspielung Brunners („Bei Ihrem nigerianischen Vorgänger hatten wir fast immer schönes Wetter.“) konterte der aus Polen stammende 46-jährige Pfarrer Bogdan Bogdanovski mit „Der kommt ja auch aus einem wärmeren Land. In Polen ist das Wetter so ähnlich wie hier.“ Man müsse alles positiv sehen, so Brunner, und so sei dieses Wetter fruchtbar für die Natur und man brauche nicht so viel schwitzen. Unterschiedliche Gründe hätten die Gottesdienstbesucher hergeführt: Gewohnheit, Traditionsbewusstsein, innerer Antrieb. Viele wollen aber auch ein beeindruckendes Bekenntnis zum Glauben ablegen und ein christliches Werteverständnis zum Ausdruck bringen. „Wir brauchen einen Kompass in unserem Leben und gerade hier am Arber sind wir symbolisch näher bei Gott. Wir zeigen damit auch, dass wir in, mit und von der Natur leben und die Schöpfung bewahren wollen.“

Seinen Landsmann, den verstorbenen Papst Johannes Paul II., zitierte Pfarrer Bogdanovski bei seiner Begrüßung, als er lächelnd meinte „Ich grüße alle Personen und alle Schirme.“ Im Lesungstext (nach Psalm 104), vorgetragen von Magdalena Pfrogner, wurde die Schönheit der Natur gepriesen. „Du hast allem einen tiefen Sinn gegeben und unsere Erde ist reich an Ertrag. Du begeisterst mich, lieber Gott. Wunderbar!“ Die Schönheit der Wälder, Berge, Flüsse, Tiere und Blumen stellte der Priester in den Mittelpunkt seiner Predigt. Vor wichtigen Entscheidungen habe sich Jesus oft in die Gebetsstille auf Bergen zurückgezogen. „Vielleicht haben auch Sie bereits die Erfahrung gemacht, dass die Sorgen und Probleme des Alltags unten im Tal bleiben, man fühlt sich wie neugeboren.“ Der Mensch brauche in der heutigen Zeit die innere Kraft und Stille, die Ruhe für die Seele. Hier entstehe eine Dankbarkeit gegenüber dem Schöpfer, für alles, was er für die Menschen getan hat. „Bringen Sie diesen Frieden auch zu Ihren Lieben und in Ihre Häuser“, gab er den Gläubigen noch mit auf den Weg.

Mit musikalischer Untermalung der Musikgruppe sprach Heinz Feigl die in Mundart gehaltenen Fürbitten. Darin eingeschlossen war die Bitte um Frieden in Kriegsgebieten und Hilfe für die Flüchtlinge. Zahlreiche Menschen nutzten die Möglichkeit des Kommunionempfangs. Die Kommunionhelfer waren an verschiedenen Stellen inmitten der Menge aufgestellt und auch später konnte man noch bei der Kapelle die heilige Hostie in Empfang nehmen. Der sprachbegabte Priester richtete schließlich auch noch ein Grußwort an die anwesenden tschechischen Gläubigen. „Dankn füa an jedn Tag“ intonierten die Sänger, nach dem Schlusssegen des Geistlichen.

Die gemütliche Rast der Arberkirchweih-Besucher in der Wiese wurde dieses Jahr wegen der Kühle eher in die Bewirtungsstätten am Arber verlegt. Musikalisch verwöhnte die „Tittlinger Tanzbodnmusi“ das Verweilen der Besucher vor und im Arberschutzhaus. Erst in den Nachmittagsstunden verschwanden die Nebelschwaden und gaben den gewohnten Blick ins Tal frei.

Bericht und Bilder: Regina Pfeffer

Bild Arberkirchweih 2016-1: Die „Tittlinger Tanzbodnmusi“ empfing die Besucher an der Bergstation der Gondelbahn musikalisch.

Bild Arberkirchweih 2016-2: Debütant Pfarrer Bogdan Bogdanovski und der Eisensteiner Bürgermeister Charly Bauer führten die Prozession der Trachtenvereine zur Arberkapelle an.

Bild Arberkirchweih 2016-3: Rund 4000 Menschen feierten die Kirchweih mit.

Bild Arberkirchweih 2016-4: Die wertvollen Fahnen waren witterungsbedingt in schützende Hüllen gepackt worden.

Bild Arberkirchweih 2016-5: Zeitweise mussten die Regenschirme aufgespannt werden.

Bild Arberkirchweih 2016-6 und 7: „Ein Politiker kann auch kurz sprechen, ein Pfarrer eher nicht“, witzelte Landwirtschaftsminister Helmut Brunner bei seiner Begrüßung.

Bild Arberkirchweih 2016-8: Einen beeindruckenden Kirchweih-Gottesdienst zelebrierte Pfarrer Bogdan Bogdanovski und bekam dafür die Sympathien der Gottesdienstbesucher.

Bild Arberkirchweih 2016-9: Der Empfang der heiligen Kommunion war den Gläubigen ein unverzichtbares Anliegen.

Bild Arberkirchweih 2016-10: In den wunderbaren Gesang des „Woidwinkl-Dreigsangs“ stimmten aus vielen Kehlen die Gottesdienstbesucher ein.

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg