Am Grab von Reisejournalistin Marietta Höpner

Andrea Aschauer —  14. Dezember 2015

Marietta HoepnerIm Alter von 88 Jahren verstarb Marietta Höpner aus Prien. Bei der Trauerfeier in der Evangelischen Kirche von Breitbrunn erinnerte Pfarrer Mirko Hoppe an das schaffensreiche Leben der Reisejournalistin. Zusammen mit ihrem Ehemann Ermano Höpner, der im Vorjahr im Alter von 96 Jahren verstarb, war sie bis ins hohe Alter aktiv, um über viele Reise-Destinationen in der ganzen Welt zu berichten. Besonders engagiert war das Ehepaar für den Chiemsee und seine Tourismusangebote, die sie auch mit dem eigenen Pressdienst touristpress bekannt machten. Marietta Höpner war in Berlin geboren und verbrachte ihre letzten Monate im Priener Altenheim St. Josef.

Trauerrede von Pfarrer Mirko Hoppe für Marietta Höpner:

Liebe Angehörige, liebe Trauergemeinde,

Es sind Tage des Abschieds. Sie müssen sich verabschieden; Von einem Menschen, den sie gemocht haben, gern gehabt haben. Ein Mensch ist verstorben, der in seinem Leben viel erlebt hatte, viel gemacht hat, der Nachwelt viel hinterlassen hat.

Marietta Höpner ist nicht mehr in diesem Leben. Es ist für uns so unbegreiflich, wenn wir Menschen um uns verlieren, die uns wichtig sind. Wenn Menschen gehen, ohne die wir das Leben nicht kennen, die immer für uns da waren. Es ist der Blick nach vorne, auf das eigene Altwerden und all das, was dazugehört, auch das Sterben, wenn wir den Tod miterleben. Und schwer wird es, wenn wir unsere Eltern verlieren, denn es waren besondere Persönlichkeiten, die uns geprägt haben.

Ein besonderes Leben ist zu Ende gegangen, denn jedes Menschen Leben ist besonders. Ist einmalig, ist unverwechselbar, ist unendlich wertvoll, einzigartig. Und auch das Leben von Marietta Höpner war ein Besonderes und Buntes sowie Wechselvolles, zu Beginn, aber eigentlich auch die vielen Jahre. Lassen Sie uns daher gemeinsam in diesem Moment noch einmal an den Weg ihres Lebens denken, in Liebe und ehrendem Gedenken. Sie kennen die Verstorbenen so viel besser. Lassen Sie all die Bilder kommen, die Sie mit ihr verbinden, lassen sie sie bunt und lebendig werden, das Lachen, den Humor, Worte. So wird ihr Geist bei uns sein, da bin ich sicher.

Marietta Höpner wird als Marietta Bettina Wobbe am 23.1.27 in Berlin-Charlottenburg geboren. Sie wächst dort mit einem älteren Bruder Jan in Wittenau auf, erfährt ein geborgenes Umfeld mit benachbarten Familien um Umfeld. Das Verhältnis muss eng gewesen sein, sie wird davon sehr geprägt. Die Bande halten auch über die Flucht aus dem Bombenkrieg in den Kriegsjahren, als die Familie nach Marquartstein hierher in den Chiemgau kommt. Die benachbarten Familien siedeln ebenfalls hierher um, das soziale Umfeld bleibt erhalten, wenn auch die Lebenswege in bunten Bahnen verlaufen. Sie kommt bei Freunden der Eltern unter. Ihre Mutter kam hierher nach und Sie, lieber Herr Jantzen erlebten die Großmutter in den ersten Jahren, ehe Sie nach Gollenshausen kamen, was auch für Ihre Mutter ein wichtiger Lebensort werden sollte. Hier wohnte eine wichtige Freundin, Dorothea Lippert, der Frau Höpner bis ins Alter verbunden, zumindest in Gedanken, und dankbar war für ihre Hilfe und Zuneigung.

Frau Höpner arbeitete als Sekretärin, ein Studium der Architektur ist ihr verwehrt geblieben, auch wenn das Entwerfen und Planen eines ihrer Hobbies und Leidenschaften bleiben sollte. Sie plante ihr Haus in Gollenshausen, entwarf, gestaltete, erfüllte sich einen Lebenstraum und schuf sich, so hört es sich für mich an, eine Oase und einen Lebensraum, der ihr gefiel, den sie genießen konnte.

1955, also mit Ende 20, heiratet sie Hermann, Ermano Höpner, einen Autor für Reiseliteratur. Die beiden sind viel unterwegs, führen ein aktives, facettenreiches Leben, ziehen auch oft um, zuletzt sind sie in Prien, ob sie da wohl richtig angekommen sind? Sie sind fast 60 Jahre verheiratet, leben auch im Alter noch für ihre Hobbies und Begabungen, das Schreiben, den Reise- und Tourismusjournalismus. Das Unterwegssein war ihr Wesen, sie war aktiv, ja, manchmal auch ruhe- und rastlos. Bis vor wenigen Jahren liest man immer wieder von den beiden im OVB und in anderen Veröffentlichungen.

Im letzten Jahr muss sie sich dann von ihrem Ermano verabschieden, auch hier in der Erlöserkirche in Breitbrunn. Auch er hat ein hohes Alter erreicht. Dieses letzte Jahr war von Schwierigkeiten geprägt. Ein Halt sind ihr im Leben und auch besonders in den letzten, schweren Monaten ihre Freunde und Bekannten, zu denen sie den Kontakt pflegte und über deren Anrufe sie sich freute. Die Demenz macht ihr zunehmend zu schaffen. Sie leidet zunehmends, kann sich jedoch nicht verabschieden.

Sie ist schließlich am 26.11. in Prien im St.Josefheim verstorben. In der Todesanzeige haben Sie geschrieben: „Einschlafen, wenn man müde ist, Last abgeben, das ist eine wunderbare Sache.“

Sie haben Frau Höpner als eine musikalische, sportliche, sie war Leichtathletin, eine künstlerisch begabte Frau beschrieben. Sie liebte die Gedichte, Hesse eben, Musik, Bach; Sie sang auch mal im Bach-Chor. Sie war ebenso unserer Kirchengemeinde zugewandt und an der Kirchenmusik und den Konzerten interessiert. Es fiel ihr zuletzt schwer zu akzeptieren, dass Sie ihre geliebte Unabhängigkeit, Autonomie, Mobilität einbüßte, nicht mehr ihren Leidenschaften nachgehen konnte. Mein Kollege hat sie in ihrer Priener Zeit kennenlernen dürfen und sie als interessierte, zugewandte Person beschrieben, die eine Menge Bücher, viele, viele Sachen hatte. Sie hatte einen großen Wissensschatz, viele Kontakte und Netzwerke, Notizzettel brauchte sie selten. Sie pflegte auch die dienstlichen Kontakte ihres Mannes. Sie kümmerte sich gerne um ihre Menschen in ihrem Umfeld, meist soviel, dass für sie selbst wenig übrig blieb.

Es war ein turbulentes, buntes Leben zu Beginn, ja, aber auch die ganzen Jahr mit den Umzügen, viele Familienumstellungen hat es gegeben. Ich habe eine Frau vor Augen, die viel tut, ihre Ruhe im Tun findet. Wahrscheinlich im Kontakt mit anderen, im Hören, bei Musik, beim Zeichnen, beim Schreiben, beim Nachdenken.

Sie war eine Nachdenkerin, schon in ihrer Kindheit. Als Schülerin wurde sie getauft, die Worte des aaronitischen Segens hatten es ihr angetan. „Der Herr segne dich und behüte dich, der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig, der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir seinen Frieden.“ Es ist der aaronitische Segen, der Birkat HaKohanim, Segen der Priester, den die Israeliten im Alten Testament, später das Judentum verwendet als Schlussformel des Gottesdienstes und der im Christentum wieder regelmäßigen Eingang in den Gottesdienst durch die lutherische Reformation findet.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich

Gottes Angesicht war im Alten Testament ein Zeichen der besonderen Verbundenheit Gottes mit den Menschen. Den Menschen, die sich ja kein Bild machen konnten, selbst Mose und Aaron, die den Segen gesagt bekommen, sehen Gott nicht, erleben nur den brennenden Dornbusch. Das Angesicht steht für die unbeschreibliche und auch wirkmächtige Gegenwart Gottes.

Diese Gegenwart Gottes im Leben, in der Welt hat Frau Höpner öfter gespürt, darüber sprach sie oft. Als Täufling dachte Marietta Höpner: Wenn Gottes Angesicht mir so nahe ist, dann kann Gott kein ferner Gott sein, fern, verborgen, zurückgezogen, dann muss er auch wirkmächtig hier sein, bei mir sein. Ich finde diese Gedanken sehr schön, denn sie drücken so wunderbar den Gedanken des Alten Testaments von Gottes Gegenwart und Zuwendung zu seinen Volk, zu seinen Menschen aus. (Und für das Neue Testament: ) Gott ist gerade da mächtig, wo er uns begegnen kann, weil wir für ihn offen sind, auch in den Stunden und Zeiten, in denen wir ihn nicht vermuten. Frau Höpner war dafür auch in ihren letzten Monaten offen, als sie auch mit dem Leben haderte, mit dem Alleinsein. Sie fand hoffentlich manches Mal Ruhe und vielleicht auch Friede darin, etwas um sich zu wissen: Ein Angesicht, ja Gott ganz nah, mit seinem Segen umhüllt, mit dabei im Leben mit all seinen Facetten, auch in den Umwegen und Sackgassen des Lebens.

Marietta Höpner, ihre Mutter, Großmutter und Bekannte ist nun von Ihnen gegangen. Es sind traurige Tage und dennoch sind darin Stunden der Freude, denke ich. Da ist zwar die Lücke, die in ihr Leben gerissen wurde und die bleibt und auch die Trauer. Was Ihnen aber auch bleibt, ist die Freude, die Frau Höpner verspürte, wenn Sie umsorgt wurde, wenn Sie schreiben konnte, zeichen konnte, reisen konnte, ihr Leben leben konnte. Ich habe eine Frau vor Augen und liege damit hoffentlich richtig, die interessiert an ihrer Umwelt, an ihrem Umfeld war und zugleich sehr bei sich und den eigenen Themen verharren konnte, versunken sein konnte und daraus ihre Schaffenskraft nahm. Und die sich über andere Menschen freuen konnte, auch den ihr Unbekannten in der Gemeinde verbunden war. Ich hoffe, dass da viel Freude sein wird, wenn Sie die vielen Erinnerungen wach rufen, Die Bilderbücher, die witzigen Momente, auch Trauriges, Geheimes, was nur sie mit ihr teilten und wussten, all das, was Sie zu eben dem besonderen Menschen machte, der sie für sie war.

Der Herr segne dich und behüte dich, er lasse sein Angesicht leuchten über dir,…

Lassen wir uns ein wenig von diesem Bibelwort und den Gedanken von Frau Höpner berühren und nehmen wir es mit in unseren Gedanken an sie. Es ist ein tröstliches Bild, strahlt Kraft aus, spricht vom Leuchten lassen. Etwas leuchtet in die Welt, in die Welt, ganz so wie sie ist mit ihren Schattenseiten, es beleuchtete die zahllosen Wege, die Frau Höpner gegangen ist und erleuchtet auch den Weg, den Frau Höpner jetzt vor sich hat.

Ich wünsche Ihnen, dass auch Sie davon etwas mitnehmen können, von diesem Wissen, dass wir alle geborgen sind und von den Erinnerungen an all die Geborgenheit, die ihre Verstorbene ihnen geschenkt hat. Möge das, was sie ihnen geschenkt hat, in ihnen weiterleben und auch am heutigen Tag ganz lebendig sein.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, Amen.

Andrea Aschauer

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