Ab Ostersonntag: Zündholzmuseum mit Trachten aus aller Welt

Trachten aus aller Welt auf Zündholzetiketten“ können ab Ostersonntag im Grafenwiesener Zündholzmuseum bewundert werden. Unter diesem Motto präsentiert das Museum nämlich heuer neben seiner Dauerausstellung eine farbenprächtige, sehr gelungene und nicht nur für „eingefleischte Trachtler“ überaus interessante Sonderausstellung, die zudem mit historischen Leihgaben des Heimat- und Volkstrachtenvereins „Regentaler“ gespickt worden ist. Zur offiziellen Eröffnung hatte Maria-Luise Segl vom Museumsreferat beim Landratsamt Cham am Mittwochabend in die Räumlichkeiten des Museums geladen. Gleichzeitig konnte dabei ein kleines Jubiläum begangen werden: Die heurige ist nämlich bereits die zehnte Saison des einzigen Zündholzmuseums Deutschlands, einem von insgesamt lediglich fünf derartigen Museen weltweit.

Bürgermeister Josef Dachs hieß neben Maria-Luise Segl auch Dr. Bärbel Kleindorfer-Marx, die Leiterin des Kulturreferats – und damit auch des Museumsreferats – beim Landratsamt Cham, Franz Neumeier, den 1. Vorsitzenden des Museumsvereins, die Mitglieder Inge Engelhart, Irmgard und Wolfgang Harzfeld, den 1. Vorstand des Heimat- und Volkstrachtenvereins „Regentaler“ Grafenwiesen, Adolf Breu, dessen Tochter Silke, sowie die Leiterin der Tourist-Info Grafenwiesen, Marianne Amesberger, willkommen. Besonders passend war, dass sowohl der Trachtlervorstand als auch Silke Breu und Marianne Amesberger in der sehr schönen Tracht der „Regentaler“ gekleidet erschienen waren.

Dachs ging kurz auf die zu verzeichnenden Anstrengungen und Schwierigkeiten ein, bevor am 3. Mai 2007 der Startschuss für die erste Saison des Grafenwiesener Zündholzmuseums fallen konnte. Wie man insbesondere auch aus den Eintragungen im museumseigenen Gästebuch ersehen könne, erfreut sich das Zündholzmuseum bei Touristen und Gästen großer Wertschätzung, wohingegen die Beachtung des Museums von Seiten der einheimischen Bevölkerung leider bis dato zu wünschen übrig lasse. Seine Freude bekundete er darüber, dass sich im Rahmen der heurigen Sonderausstellung auch der örtliche Trachtenverein mit Leihgaben eingebracht hatte. Die auf die Beine gestellte „attraktive Ausstellung“ habe nach seinen Worten „viele Besucher verdient“ und wünschte dem Museumsverein daher „eine stressige Saison 2016“.

Franz Neumeier bedankte sich insbesondere bei Maria-Luise Segl für ihre wieder „sehr gute Arbeit“ im Zusammenhang mit der Filterung der vom Museumsverein herausgesuchten Exponate. Kurz blickte er auf das im kommenden Jahr anstehende Jubiläum „10 Jahre Zündholzmuseum Grafenwiesen“ voraus. Bekannt gab der Museumsvereinsvorsitzende, dass aufgrund der heurigen Sonderausstellung in Kürze sämtliche Trachtenvereine des Landkreises Cham und wohl auch des Landkreises Regen eine schriftliche Einladung zur Besichtigung des Museums erhalten. Maria-Luise Segl, der man bei ihren zahlreichen Besuchen in Grafenwiesen stets anmerkt, wie sehr ihr das Zündholzmuseum „ans Herz gewachsen“ ist, richtete zunächst einen persönlichen Dank an die sich aus den Reihen des Museumsvereins rekrutierenden Helfer, die in den Wintermonaten wieder „ganz fleißig“ Sammelbestände und Schenkungen des Museums sortiert hatten.

Wie sie erläuterte, reiht sich das Zündholzmuseum Grafenwiesen mit der diesjährigen Präsentation ein in die Ausstellungsreihe 2016 im Bezirk Oberpfalz: „Tracht im Blick – die Oberpfalz packt aus“. Tracht ist, wie sie betonte, „ein internationales Thema“. Grafische Darstellungen sogenannter „Volkstrachten“ waren seit Beginn des 20. Jahrhunderts beliebte Motive auf Artikeln des Massenkonsums, auf Briefmarken, Zigarettensammelbildchen, Zündholzschachteln oder Zündholzbriefchen. Da Zündholzschachteln ungefähr vierzig Mal zum Anstreichen eines Hölzchens in die Hand genommen wurden, eigneten sie sich gut zur Vermittlung von Bild-Botschaften, waren sozusagen „das kleinste Werbeplakat der Welt“. Die auf Zündholzetiketten abgebildeten Trachtenmotive zeichneten ein malerisch buntes Bild ihrer Herkunftsregionen.

Vor allen in touristisch geprägten Gebieten hätten Etikettenserien zum Thema „Tracht“ zum folkloristischen Kanon von „Heimat“ – ähnlich wie Darstellungen schöner Landschaften oder Bilder von Bauwerken – gehört. So hatte ein Bildthema, das schon im 19. Jahrhundert in bürgerlichen Kreisen Interesse gefunden hatte – damals hatten die Bürger „die Tracht für sich entdeckt“ –  massenhafte Verbreitung gefunden, sozusagen als „agrarromantisches Gegenbild zur immer mehr um sich greifenden Industrialisierung und Verstädterung“. Auch in Gebieten des früheren Ostblocks waren im 20. Jahrhundert Trachten-Darstellungen auf Zündholzetiketten verbreitet und dienten dort vor allem politisches Propagandamittel, um das Bild einer „intakten Gesellschaft“ zu festigen. Segl lud dazu ein, „genau hinzuschauen“ und sich in die wunderbaren Details der vielen, in Vitrinen, Schaukästen und Wänden liebevoll arrangierten Abbildungen – zu vertiefen.

Dankbar müsse man den Sammlern sein, die die Zündholzetiketten so exakt aufbereitet hatten. Einen großen Dank richtete sie außerdem an die Adresse des Heimat- und Volkstrachtenvereins „Regentaler“ Grafenwiesen um deren 1. Vorstand Adolf Breu. Sie bezeichnete es als „Glücksfall für Grafenwiesen“, einen Verein präsent zu haben, der eine so enge Verbindung zur ehemaligen Zündholzfabrik Allemann aufweise: Der erste Vorsitzende des 1927 gegründeten Vereins war nämlich mit Johann Hubloher der seinerzeitige Inhaber der örtlichen Zündwarenfabrik. Auch für die seitens der „Regentaler“ im Rahmen der Ausstellung zur Verfügung gestellten Leihgaben, unter anderem mehrere Bilder und Auszüge aus der Vereinschronik, sowie zwei Puppen – eine gekleidet in eine Miniaturausgabe der bis 1990 getragenen Vereins-Damen-Tracht, die andere ein Präsent des Patenvereins aus Hohenwarth vom August 1991 – bedankte sie sich herzlich. Maria-Luise Segl kündigte an, dass am Sonntag, den 17. April, eine öffentliche Führung durch das Zündholzmuseum und seine Sonderausstellung angeboten werden wird.

Frau Dr. Bärbel Kleindorfer-Marx überbrachte auch herzliche Grüße von Landrat Franz Löffler und Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl. Sie zeigte sich ebenfalls dankbar für die lokalen Leihgaben, die dokumentieren, wie die Themen „Zündholz“ und „Tracht“ in Grafenwiesen ineinanderfließen. Wie sie informierte, sucht man „die Oberpfalz“ auf den ausgestellten Zündholz-Etiketten vergeblich. Das „Eigene“ der Oberpfalz sei nämlich lange zurückgestellt gewesen. In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts waren zunächst Gebirgstrachtenerhaltungsvereine gegründet worden. Der Umschwung in Volkstrachtenvereine erfolgte erst später. Der Ausstellung selbst wünschte sie viel Erfolg.

Auch Adolf Breu stellte noch einmal den Zusammenhang der „Regentaler“ zum „Zündhölzl“ heraus. Sehr gerne sei man der Einladung des Zündholzmuseums zur Teilnahme an der Ausstellung gefolgt. Auch die „Regentaler“ sind 1927 noch als Gebirgserhaltungsverein vor allem dazu gegründet worden, „zusammenzukommen, zu Platteln und die schlechten Zeiten zu überbrücken“. 1954 sei der Name in „Heimat- und Volkstrachtenverein“ geändert worden. „Komplett umgestellt“ wurde schließlich 1990: Die bis dahin getragene Lederhose wich der Volkstracht, das „Platteln“ hörte auf, man besann sich auf „die Wurzeln und das Bodenständige des Bayerwaldes: Tanzen, Theaterspielen, Singen“. Breu verlieh der Hoffnung Ausdruck, dass sich nach Besuch der Ausstellung vielleicht sogar das eine oder andere neue Mitglied dem Verein anschließen möge.

Bürgermeister Dachs lud dann spontan den Heimat- u. Volkstrachtenverein „Regentaler“ zu einem kostenlosen Museumsbesuch mit entsprechender Führung ein. Ein entsprechender Termin wird noch abgestimmt. Adolf Breu nahm diese Einladung im Namen des Vereins sehr gerne an.

Infos: Das Zündholzmuseum Grafenwiesen in der Schönbuchener Straße 31 greift in seiner Dauerausstellung die Geschichte der Zündholzherstellung im Tal des Weißen Regens auf und zeichnet den Weg vom Kleingewerbe zur spezialisierten Industrie nach. Ein Kurzfilm stellt historische Verknüpfungen zum nahen Böhmen her. Das Museum zeigt außerdem Ausschnitte aus der umfangreichen Spezialsammlung von Zündholz-Behältnissen in vielfältigen Formen und Materialien. Ausgewählte Zündholz-Bastelarbeiten verweisen darauf, dass sich der Gebrauchswert des Streichholzes nicht nur auf das Feuermachen beschränkte, sondern dass dieses industrielle Massenprodukt auch als beliebtes Material für ein kreatives Hobby Verwendung fand.

Geöffnet ist das Museum ab Ostersonntag, 27. März, mittwochs, donnerstags, sowie an Sonn- und Feiertagen (auch am Ostermontag), jeweils von 14 bis 16 Uhr. Führungen sind nach Vereinbarungen möglich.

Info-Tel. 09941/940317; tourist-grafenwiesen@t-online.de, www.deusches-zuendholzmuseum.de

Weitere Infos zur Ausstellungsreihe „Tracht im Blick – Die Oberpfalz packt aus“ unter www.tracht-im-blick.de

 

(Text und Bilder mit freundlicher Genehmigung von Andrea Gmeinwieser)

Bildunterschriften:

Bild 1: Sämtliche zum Saisonstart geladenen Gäste zeigten sich von der Sonderausstellung sehr beeindruckt: (v.l.n.r.): Maria-Luise Segl, Wolfgang Harzfeld, Marianne Amesberger, Silke Breu, Franz Neumeier, Josef Dachs, Adolf Breu, Irmgard Harzfeld, Dr. Bärbel Kleindorfer-Marx, Inge Engelhart

Bild 2: Selbstverständlich sind auch Motive mit bayerischen Trachten zu sehen: Foto: LRA

Bild 3: Farbenprächtig: Abbildung einer holländischen Tracht; Foto: LRA

Bild 4: Auch polnische Trachten sind auf Zündholzetiketten zu sehen.

Bild 5: Zündholzschachteln, geziert mit Trachtenmotiven aus Frankreich.

Bild 6:  Diese Zündholzetiketten zeigen, wie Frauen und Männer in Estland früher gekleidet waren.

Bild 7: Trachten aus aller Welt stehen im Mittelpunkt der diesjährigen Sonderausstellung.

Bild 8: „Grüße aus Mallorca“ auf Streichholzschachteln.

Bild 9:  Zwei Puppen mit Miniatur-Trachtenkleidern – Leihgaben des Heimat- u. Volkstrachtenvereins „Regentaler“ Grafenwiesen.

Bild 10: Die 1927 noch als „Volks- und Gebirgstrachtenverein“ gegründeten “Regentaler“ Ende der 1920er Jahre auf dem Gelände der örtlichen Zündholzfabrik – Deren damaliger Inhaber war gleichzeitig erster Vereinsvorsitzender; Foto: Heimat- u. Volkstrachtenverein „Regentaler“ Grafenwiesen e.V.

Anton Hötzelsperger

Nachrichten

Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg