60 Jahre Kolpingtheater in Aschau

„Und auf einmal ist man 60 Jahre alt“. Das letzte noch aktive Gründungsmitglied des Aschauer Kolpingtheaters Hans Rucker erhielt beim Festabend zum 60-jährigen Bestehen der Bühne in der vollbesetzten Aschauer Festhalle die Ehrenurkunde des Verbandes Bayerischer Amateurtheater aus der Hand von Präsident Sepp Käser.

„Wir brauchen unser Rotes Kreuz ständig und beim Ökumenischen Sozialdienst sind wir mit unseren 60 Jahren auch schon bald ständig daheim“, so Theaterleiter Max Neumüller, „also müssen wir dafür sorgen, dass es beiden Organisationen gut geht“. Die Aschauer Theaterspieler sind eine ganz eigene Rasse: anstatt Geschenke zu bekommen, übergaben sie an Afra Krom vom Aschauer BRK und Lorenz Ablinger vom Ökumenischen Sozialdienst jeweils 500 Euro.
„Schön war es schon euer Stückl, aber beim nächsten Mal spielt ihr lieber wieder etwas Gescheites zum Lachen“, war für Theaterleiter Max Neumüller vom Kolping Theater in Aschau die schönste Kritik seiner Laufbahn. Bei der Veranstaltung zum 60 Geburtstag in der Aschauer Festhalle kamen sie alle zusammen, die Spieler und ihr Publikum, die Vereinsvorstände aus dem Ort und die Partner aus dem Tiroler Tulfes und alle waren sich einig: gäbe es das Aschauer Kolpingtheater nicht, dann müsste man es glatt erfinden. Bürgermeister Peter Solnar bedankte sich mit einer launigen Ansprache bei den Theaterern für 60 Jahre Pflege des Humors und die viele Arbeit und Mühe auf den Brettern, die auch in Aschau die Welt bedeuten. „Wenn man sich mit Theaterleiter Max Neumüller unterhält, dann weiß man als Gesprächspartner nie so genau: unterhält er sich mit einem oder unterhält er einen“. Er dankte den Theaterleuten für die unzähligen Stunden Unterhaltung, die sie mit ihrer Kunst den Aschauern und ihren Gästen bereitet hätten.
Hans Rucker erinnerte sich als Gründungsmitglied daran, wie alles begann mit dem Theater in Aschau, er erinnerte an die vielen Spieler und die fast vergessenen Aufführungen. Mit viel Humor und einigen Spitzen hatte er die Lacher stets auf seiner Seite und die Zuschauer wunderten sich, wie schnell doch diese 60 Jahre vergangen waren. Die Dorfbühne aus Tulfes in Tirol brachte zum Festabend den klassischen Einakter „Dinner for one“ und die Aschauer den Einakter „Das Streichquartett“ unter der Regie von Ute Trost. Musikalisch umrahmte den Abend die hauseigene Theatermusik.
Theaterspielen hat in Aschau eine lange Tradition, schon 1861 gibt es einen Hinweis auf eine Bühne des dortigen Gesellenvereins. So richtig los ging es mit dem Theaterspielen am Josefitag 1957 und seitdem spielte die Theatergruppe fast jedes Jahr ohne größere Unterbrechungen. Die Bühnen wechselten, vom Baumbachsaal ging es in den Gasthof Bahnhof und wieder zurück, schließlich landete das Kolpingtheater 1999 in der Aschauer Festhalle und jetzt spielt das Ensemble seit 2015 im Duxer-Stadl. Seit dem Beschluss der Gruppe von 1981 in jedem Jahr Theater zu spielen wurden 75 verschiedene Stücke aufgeführt. Sogar der in Aschau unvergessene Staatsschauspieler Hans Clarin wirkte einmal bei einer Aufführung für das Fernsehen mit, wie sich Max Neumüller erinnert. „Der konnte bei der Probe überhaupt keinen Text und als wir dann am nächsten Tag auftraten, war er perfekt, ein Profi eben“. Mit der Aufführung des „Brandner Kaspars“ im Innenhof des Schlosses Hohenaschau hatte die Theatergruppe ihren größten Erfolg, an den sie in diesem Jahr mit dem Stück „Die Widerspenstigen“ von Ludwig Anzengruber anknüpfen will. Auch im benachbarten Tirol, bei der befreundeten Theatergruppe von Tulfes, spielten die Aschauer bereits, umgekehrt zeigten die Tiroler ihre Inszenierungen in der Aschauer Festhalle. Das Aschauer Kolpingtheater umfasst derzeit 64 Mitglieder, davon wirken über 50 als aktive Spieler in den meist mehraktigen Stücken mit, 15 Vereinsmitglieder sind für die Regie, als Souffleuse, für die Bühne, den Fundus, die Maske und die Technik verantwortlich.

Bericht und Bilder: Heinrich Rehberg
Gründungsmitglied Hans Rucker erhielt beim Festabend zum 60-jährigen Bestehen des Aschauer Kolpingtheaters die Ehrenurkunde des Verbandes Bayerischer Amateurtheater aus der Hand von Präsident Sepp Käser (links) und Theaterleiter Max Neumüller (rechts)

Die Aschauer Theaterspieler sind eine ganz eigene Rasse: anstatt Geschenke zu bekommen, übergaben Theaterleiter Max Neumüller (links) und sein Stellvertreter Stefan Trost (rechts) an Afra Krom vom Aschauer BRK und Lorenz Ablinger vom Ökumenischen Sozialdienst jeweils 500 Euro.

„Das Streichquartett“ spielte beim Festabend erstmalig und letztmalig auf der Bühne in der Aschauer Festhalle; vorne Martin Weber und Stefan Trost, dahinter Markus aicher und Max Neumüller

Applaus ist das Brot des Künstlers. Das Ensemble des Kolpingtheaters Aschau brachte unter der Regie von Ute Trost (zweite von links) den Einakter „Das Streichquartett“

Anton Hötzelsperger

Nachrichten

Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg