45. Bayerisch-Tirolerische Wallfahrt

„Zum Ruhme Gottes und zur Mahnung für das Tal“, rief die Glocke der Ölbergkapelle die Pilger nach Sachrang. Den Festgottesdienst zur 45. bayrisch-tirolischen Wallfahrt zur Ölbergkapelle nach Sachrang hielt Erzbischof emer. Dr. Alois Kothgasser aus Salzburg. Bürgermeister Peter Solnar begrüßte die Wallfahrer und zahlreiche Ehrengäste – darunter den Abgeordneten Klaus Stöttner, Bezirksrat Sebastian Friesinger und den Vorsitzenden des Bayernbundes Adolf Dinglreiter – in Sachrang. „Mensch geht’s mir gut, ich lebe in Frieden, habe ein schönes Haus und gute Freunde, Mensch mir geht’s gut“, begann Bürgermeister Peter Solnar seine Begrüßung. „Viele von uns könnten das gleiche sagen, sie tun es aber nicht. Warum werden wir alle heute mit so viel Leid, mit soviel Schimpfen konfrontiert?“

Bürgermeister Solnar dankte dem Vorsitzenden des Müllner-Peter-Freundeskreises Hans Pumpfer, sowie allen Initiatoren und den zahllosen Helfern für die Durchführung dieser seit 45 Jahren weit über Aschau und Sachrang hinaus bedeutenden Wallfahrt. Dirigent Sebastian Weyerer, die Musikkapelle Aschau und der Müllner Peter Chor begrüßten musikalisch die Pilger, die trotz der unsicheren Witterung gekommen waren, auf dem kleinen Platz vor der Ölbergkapelle unter den Bäumen in Sachrang. Aufgeführt wurden die „Ölbergmesse für Chor und Bläser“ von Sebastian Weyerer mit der Musikkapelle Aschau und dem Müllner-Peter-Chor und zum 250. Geburtstag des Müllner Peter die Fanfare für Orgel und Bläser. Die Aschauer Alphornbläser stimmten die Gläubigen in den Gottesdienst ein, einen Teil der musikalischen Umrahmung übernahmen die Schwarzenstoaner Sängerinnen.

Erzbischof emer. Dr. Alois Kothgasser zelebrierte den feierlichen Festgottesdienst. In seiner Predigt versuchte er aktuell anwendbare Antworten für alle auf die beiden uralten Fragen nach Armut und Reichtum sowie dem Sinn des christlichen Lebens zu finden.

Zahlreiche Gläubige aus der weiten Umgebung nahmen an der 45. Sachranger Wallfahrt teil. 16 Fahnenabordnungen aus Bayern, Tirol und Südtirol, Gebirgsschützen, Traditions- und Trachtenvereine und die Feuerwehren umstanden den reich geschmückten Altar an der Ölbergkapelle nahe der Grenze zu Tirol. Die Ehrenkompanie der Gebirgsschützen stellte in diesem Jahr die Gebirgsschützenkompanie Niederndorf. Die Südtiroler Gebirgsschützenkompanie aus Lana konnte nach 32 Jahren zum ersten Mal nicht an der Wallfahrt teilnehmen, im kommenden Jahr wollen sie wieder mit dabei sein. Aus Bayern waren die Gebirgsschützenkompanien aus Aschau, Bad Endorf, Bernau, Raubling, Rosenheim und Traunstein mit dabei, aus Tirol die Kompanien und Einheiten der grenznahen Orte Ebbs, Niederndorferberg, Niederndorf und die Kaiserjäger aus Kufstein. Für seine Verdienste um die Wallfahrt wurde Hans Pumpfer vom Hauptmann der Kufsteiner Kaiserjäger Engelbert Raffeiner mit dem Ehrenkreuz mit Schwertern des Verbandes ausgezeichnet.

Gebirgsschützenhauptmann Hubert Stein von der Aschauer Gebirgsschützenkompanie begrüßte noch vor dem Festgottesdienst zusammen mit dem Vorsitzenden des Müllner Peter Freundeskreises Hans Pumpfer und Bürgermeister Peter Solnar Erzbischof emer. Dr. Alois Kothgasser an der Kirche Sankt Michael in Sachrang und stellte die Front der angetretenen Schützen-Formationen mit ihren Hauptleuten vor.

Die Ölbergkapelle zu Sachrang entstand als Klause bereits im 17. Jahrhundert, in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts entwickelte sich eine rege Wallfahrt. Um 1700 war die Blütezeit dieser Wallfahrt, danach ging die Zahl der Wallfahrer stetig zurück. Die Wallfahrtsstätte verfiel und wurde erst durch den bekannten Müllner-Peter von Sachrang Peter Huber um 1800 wieder renoviert. Nach Aufklärung und Säkularisation erwachte neues religiöses Leben und die Wallfahrt gewann für etwa 50 Jahre wieder an Bedeutung. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts versiegte der Wallfahrerstrom endgültig. Die jetzige Bayrisch tirolische Ölbergwallfahrt wurde 1971 wieder ins Leben gerufen, nachdem sie weitgehend in Vergessenheit geraten war. Der Roman und der Film über den Müllner Peter von Sachrang machte den Ort und die Ölbergkapelle weit über die Region hinaus bekannt und so erreichte der damals neu gegründete „Müllner Peter Freundeskreis“ die Wiederbelebung der Wallfahrt. Zahlreiche hochrangige Zelebranten hielten in den vergangenen 45 Jahren am dritten Sonntag im September den Wallfahrtsgottesdienst, darunter alle Münchner Kardinäle an ihrer Spitze der emeritierte Papst Benedikt XVI. Josef Ratzinger, Kardinal Reinhard Marx, sowie die Bischöfe aus Salzburg und Innsbruck.

Bericht und Bilder: Heinrich Rehberg

 

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg