3. Niederbayerisches Trachtenfest in Bodenmais

Drei Tage lang standen die Vielfalt der Trachten, herrliche Volkstänze und die freundschaftliche Begegnung der Trachtler untereinander im Zentrum des Niederbayerischen Gautrachtentreffens in Bodenmais unter der Schirmherrschaft von Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich und Bürgermeister Joachim Haller. Der Bayerische Waldgau, der Gau Niederbayern und der Dreiflüssegau Passau, also alle drei niederbayerischen Gaue haben gemeinsam stemmten das große Ereignis, das alle fünf Jahre stattfindet. In akribischer Vorarbeit hatte der 20-köpfige Festausschuss um Festleiter und Gauvorsitzenden Andreas Tax vom Bayerischen Waldgau souverän alle Vorbereitungen bewältigt. Das große Festzelt konnte 4000 Besucher aufnehmen. An den drei Festtagen haben die Verantwortlichen im Kulturzentrum Altes Rathaus auch eine Handwerker-  und Trachtenausstellung präsentiert. Allerhand Berufsgruppen, die oft schon der Vergangenheit gehören, in Vergessenheit geraten sind oder nur mehr als Hobby betrieben werden, wie Glasschleifer, Schnitzer, Besenbinder, Korbflechter, Klöpplerinnen, Drechsler und Schindelmacher zeigten ihre spezielle Handwerkskunst.

Am Freitag eröffnete einer der Schirmherren des Trachtentreffens, Bürgermeister Joachim Haller, die Trachtenausstellung im Alten Rathaus in Bodenmais. Ingrid und Hermann Hupf aus Bischofsmais, das Musikreferenten-Paar des Bayerischen Waldgaues, umrahmten die Ausstellungseröffnung mit Akkordeon und Gitarre musikalisch. Die Trachtenausstellung hatten drei Damen organisiert: Elfriede Dannerbauer vom Bayerischen Waldgau, Maria Fischl vom Trachtengau Niederbayern und Christina Söldner vom Dreiflüssegau Passau. Die ganze Entwicklung der Tracht in Niederbayern wurde durch die Ausstellung nahegebracht und aufgezeigt, wie sich die Tracht im Laufe der Jahre entwickelt hat. Zu sehen gab es angefangen vom Schuhwerk über Strümpfe, Untergewand, Fest- und Alltagstracht bis hin zu Kopfschmuck und Hüten alles, was einen schmucken Trachtler ausmacht. Im Garten des Alten Rathauses wurden „Sengzelten“ angeboten, eine lukullische Rarität, die es nicht oft in Bodenmais gibt. Des Weiteren waren im Alten Rathaus mehrere Handwerker und Künstler/innen am Werk: Klöpplerinnen, Drechsler, Schindelmacher, Schnitzer, Korbflechter, Besenbinder und Glasschleifer.

Zahlreiche Gäste aus der Region und weit darüber hinaus waren beim offenen Volkstanzabend am Freitag dabei. Der Einmarsch der Trachtler gestaltete sich instrumental, denn auf der Bühne hatte die „Eisenstoana Blosmusi“ das musikalische Zepter. Andreas Tax, Vorsitzender des Bayerischen Waldgaues, ging in seinem Grußwort kurz auf die Tradition der Veranstaltung ein und hieß alle herzlich willkommen. Alle Tanzbegeisterten hatten ausreichend Gelegenheit, auf der Tanzbühne und auf dem vorgesehenen Bretterboden im Festzelt das Tanzbein zu schwingen. Die beliebten Figurentänze wurden extra angesagt und vom Gauvortänzer-Paar Eugen und Lisbeth Sterl kurz vorgezeigt.

„Heiteres und Nachdenkliches über den Waidler“ kam beim Festakt im Vital-Zentrum am Samstagnachmittag zur Sprache. Ein Sektempfang im Foyer ging voraus. Neben vielen Ehrengästen aus den Gauen und der Wirtschaft konnte Andreas Tax auch den Landesvorsitzenden Max Bertl und weitere Mitglieder des Landesvorstandes willkommen heißen. Festredner und Kulturpreisträger Eberhard Kreuzer spannte in seinem mit viel Applaus bedachten Vortrag „S’Lebm und d’Leit im Boarischn Woid“ einen weiten Bogen über einen „geografisch festgelegten Landstrich, wo lange noch keiner ein Einheimischer und erst recht kein Waidler ist, wenn er darin wohnt. Denn: „Der Waidler wird also nicht nur durch geografische Grenzen definiert, sondern auch durch seine Einstellung, seine Art und nicht zuletzt sein Verhalten anderen gegenüber“, erklärte er. Auch heitere Passagen hatte dessen Festvortrag, nachdenklich dagegen die Betrachtung von Andreas Tax: „Haben Vereine in unserer heutigen, modernen und schnelllebigen Zeit überhaupt noch eine Zukunft?“.

Hermann und Ingrid Hupf aus Bischofsmais trugen mit heimatlichen Weisen zur musikalischen Umrahmung des Festaktes bei. Landesvorsitzender Max Bertl vom Bayerischen Trachtenverband machte deutlich: „Tracht braucht Gemeinschaft“. Mit Musik ging es nach dem Festakt ins Alte Rathaus zur Besichtigung der Handwerker- und Trachtenausstellung.

Viel Beifall gab es für die Darbietungen im gut gefüllten Festzelt am Samstag. Die Einlagen beim zweistündigen Programm wurden mit kräftigem Beifall belohnt. Die Tittlinger Tanzbodnmusi war musikalisch taktangebend. Eugen Sterl, Ingrid und Hermann Hupf, Musikreferent des Bayerischen Waldgaus, fungierten als Moderatoren des Abends und bereicherten das Programm mit ihren Beiträgen. Mitwirkende waren die Gautanzgruppen der drei Gaue, die Gaujugendgruppe des Waldgaues, die „Nickl-Deandln“, die Salzweger Tanzlmusi, Alois und Sebastian vom Niederbayern-Gau, die Goaßlschnalzer des Dreiflüssegaues sowie der örtliche Volks- und Gebirgstrachtenverein „D`Rißlocher“ Bodenmais. Höhepunkte waren auch die Ernennung von Gaukassier Heinz Feigl und Beisitzer Sepp Wolf zu neuen Ehrenmitgliedern des Waldgaues. Mit dem Goldenen Ehrenzeichen der Trachtenjugend wurden Monika Hutterer (Patersdorf) und Andrea Hofmann (Ottenzell) ausgezeichnet. Den Abschluss bildete der „Niederbayerische Landler“, den die Tänzer der drei Gaue gemeinsam aufführten. Anschließend spielte im Festzelt die Tittlinger Tanzbodnmusi noch schneidig auf.

 Am Festsonntag trafen frühmorgens ab 8 Uhr die angemeldeten Vereine aus allen drei Gauen ein. Eigentlich war alles für eine Messe unter freiem Himmel am Marktplatz vorbereitet, doch man musste dem launischen Wetter Tribut zollen. Erst war es leichter Regen, der sich merklich steigerte und Festleiter Andreas Tax schließlich dazu veranlasste, den Gottesdienst in das Festzelt zu verlegen. Die Eucharistiefeier wurde zelebriert von Pfarrer Alexander Kohl. Als Lektoren ließen sich Gauschriftführerin Regina Pfeffer (Lesung) und Gaukassier Heinz Feigl (Fürbitten) in die Pflicht nehmen. Für die musikalische Umrahmung sorgte die „Hirmonblosn“ aus Bischofsmais, die die Waldlermesse anstimmten. In andächtiger Stimmung sangen die anwesenden Trachtler begeistert mit – ein vielstimmiger Chor aus über 3000 Kehlen, der den Fischer-Chören alle Ehre gereicht hätte.                                                                                                             Der Festzug am Nachmittag war zweifellos der Höhepunkt des dreitägigen Festes. Bei schönstem Wetter zogen 88 Vereine und rund 3500 Trachtler zu den Klängen von 15 Musikkapellen durch den Kurort Bodenmais. Entlang des Weges hatten sich zahlreiche Zuschauer postiert, die das vorbeiziehende bunte Geschehen aufmerksam verfolgten und auch mit Applaus nicht sparten. Hoch in der Luft hatte sich (dank der Drehleiter der FFW Bodenmais) Gaukassier Heinz Feigl postiert, der die einzelnen Gruppen als Sprecher namentlich begrüßte und vorstellte. Viele Trachtenvereine aus dem Bayerischen Wald waren mit teils starken Abordnungen dabei ebenso vertreten wie Brauchtumsgruppen aus dem Rottal und Isartal, dem Donautal und dem Inntal sowie der Passauer Gegend. Die Fahnenträger brachten mit ihrem Fahnenschwingen und lauten Juchzern Stimmung in den Zug. Bunte Farbtupfer setzten auch die Musikkapellen, eine Pferdekutsche oder die Goldhauben-Gruppen. Nach dem Zug ging die dreitägige Mammutveranstaltung mit Festzeltbetrieb und Blasmusik der „Rißbachtaler Blaskapelle“ zu Ende.                                                                                                                                           In Anbetracht der aktuellen Ereignisse rief Landeskassier Walter Weinzierl zu einer spontanen Spendenaktion für Hochwasser-Opfer auf, die den Betrag von 2 130 Euro ergab. Das Geld wurde an die Stadt Simbach übergeben, welche es auf das von ihr eingerichtete Spendenkonto einzahlte.                                                                                                                                                 „Tracht braucht Gemeinschaft“, machte bei seiner Festrede Landesvorsitzender Max Bertl deutlich – und dass sie eine starke Gemeinschaft sind, das haben die drei niederbayerischen Gaue einmal mehr bei ihrem gemeinsamen Fest gezeigt. Festleiter Andreas Tax zeigt sich zufrieden mit dem Verlauf und Besuch. Turnusgemäß ist im Jahr 2021 der Niederbayern-Gau als Ausrichter an der Reihe.

Bericht und Bilder: Regina Pfeffer

 

Anton Hötzelsperger

Nachrichten

Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg