25 Jahre Hilfstransporte aus dem Chiemgau nach Rumänien – Jubiläums-Lieferung kurz vor Weihnachten

Seit 25 Jahren organisiert und koordiniert Hans Alt aus Ramsau bei Haag zahlreiche Hilfsfahrten nach Rumänien, eine besondere Fahrt ist immer kurz vor Weihnachten. Dann macht sich Hans Alt mit einer kleinen Helferschaft selbst auf den Weg in den Norden Rumäniens in die Stadt Piatra Neamt unweit der Grenze zur Ukraine, um an der Verteilung der Spenden selbst Hand anzulegen. Kurz vor den Weihnachtsfeiertagen kamen die Rumänien-Helfer wieder zurück – mit zahlreichen Bildern und Eindrücken.

3.600 Kilometer wurden auf der Zehn-Tages-Reise zurückgelegt. Der Weg führte von Ramsau über Wien, Budapest und Szeged zum vorläufigen Autobahnende nach Mako, dann bei Arad über die Grenze und weiter nach Timisoara bis zur ersten Zwischenübernachtung in Alba Julia. Auf Vermittlung von Pfarrer Wagner, dem Leiter der dortigen Diakonie, mit der die Rumänienhilfe auch eng zusammenarbeitet, bekam die Helfertruppe ein gutes Nachtquartier. Am nächsten Tag ging es über die Berge nach Piatra Neamt. Dort und in der weiteren Umgebung wurden rund 4.000, inzwischen mit dem LKW eingetroffene, Päckchen an Kinder, Jugendliche und Arme in vorwiegend dörflichen Kindergärten, Schulen, Behindertenstätten und weiteren sozialen Einrichtungen verteilt. Hans Alt kennt die meisten Projekte durch seine Besuche in den letzten 25 Jahren sowie die Verantwortlichen der einzelnen Häuser meist persönlich. Eines von mehreren Projekten ist ein Privates Kinderheim mit 23 Kindern, das rein von Spenden, die überwiegend aus dem Westen kommen, finanziert wird. Die Kinder kommen aus schlimmsten Verhältnissen, die Väter Alkoholiker oder im Gefängnis, die Mütter auf der Straße oder einfach verschwunden, zum Teil sind es auch Vollwaisen. Das Betreiber-Ehepaar ist auf Spendengelder angewiesen, vom Staat bekommt es pro Kind nur 9 Euro im Monat Kindergeld. „Und diese 9 Euro werden für die Kinder angespart, damit sie im Alter von 18 Jahren, wenn sie die Einrichtung wieder verlassen müssen, nicht nur eine gute Bildung, sondern auch ein Startkapital haben“ – so Hans Alt. Das Kinderheim benötigt laut staatlicher Vorschriften eine medizinische Fachkraft, mindestens eine Diplom-Erzieherin und eine Nachtwache, dazu kommt als finanzielle Belastung derzeit noch ein Pflicht-Kanalanschluss. Dank der eigenen Landwirtschaft erlernen die Kinder eigenverantwortliche Lebenstüchtigkeit im Garten, im Stall und bei den Erntearbeiten. Damit das Kinderheim überleben kann, braucht es Hilfe von außen. Mehrmals im Jahr – heuer waren es insgesamt 13 Transporte – fahren vom Chiemgau die in Ramsau organisierten LKW-Spendenfahrten nach Rumänien. Die gespendeten Waren werden zum Teil vor Ort zu sehr günstigen Preisen verkauft, die Verkaufserlöse dienen vor allem der Projekt-Finanzierung. Mittellose Personen erhalten die Kleidung kostenlos.

Sozialprojekte und Schulpatenschaften für Bergbauernkinder

Aus gespendetem Geld werden vor Ort Lebensmittel (Mehl, Reis, Zucker, Öl) gekauft, um auf diese Weise kinderreichen und unverschuldet armen Familien zu helfen. Rund 100 Pakete konnten heuer aus Spendengeldern im Wert von je 20 Euro zusammengestellt werden. Kinder aus armen Familien und bedürftige alte Menschen erhalten in einer von einer Kirche eingerichteten Suppenküche eine warme Mahlzeit. Darüber hinaus gibt es auch einmal pro Woche kostenlose medzinische Betreuung für Alle.

Schon mehrfach war Hans Alt an einer Schule in einem abgelegenen Gebirgstal nahe der Grenze zur Ukraine. Rund 160 Kinder sind dort, sie kommen oft nach langen Fußwegen (und Aufstehen um 4 Uhr in der Früh) von den Bergbauernhöfen in rund 1.100 Meter Höhe. Eine weiterführende Schule für Begabte ist 20 Kilometer weg, ein Schulbus ist nicht vorhanden. Aus diesem Grund hat Hans Alt eine Form von Schulpatenschaften ins Leben gerufen. Mit monatlich 50 Euro kann den Kindern zumindest der Preis für die Linienbusfahrten bezahlt werden. „Derzeit haben wir fünf solcher Patenschaften, die Kindern eine Zukunft geben und die sie nicht als billige Waldarbeiter enden lassen“, so Hans Alt.

Schwester Rosalie aus Teisendorf hat Hauskrankenpflege aufgebaut

Wie nachhaltig die Eindrücke von einer Teilnahme an einer Hilfsfahrt zu den Rumänen sein kann, zeigte sich, als vor 25 Jahren erstmals die Krankenschwester Rosalie Gruber aus Teisendorf mit dabei war. Nach weiteren Fahrtteilnahmen entschied sie sich, gänzlich beim inzwischen kennengelernten Pfarrer Wagner von der Evangelischen Kirche zu bleiben und mit ihm eine Hauskrankenpflege aufzubauen. Auf die erste, besorgte und berechtigte Frage, wie sie das denn finanziell lösen möchte, sagte Rosalie bei ihrem Weggang aus dem Chiemgau: „Gott wird schon sorgen!“. Nicht nur Gott, sondern auch Rosalies Familie daheim und Hans Alt sorgen nunmehr dafür, dass sie ihren ambulanten Sozialdienst mit vier bis fünf Helferinnen bezahlen kann. Sechs der heurigen dreizehn Transporte kamen teilweise auch Rosalie zugute, die selbst von den Leuten nichts verlangt und die mit einem kleinen Haus und einem kleinen Garten ihre Freude hat.

Wo immer auch Hans Alt und seine Leute mit den Kinder- und Lebensmittelpäckchen hinkamen – sie trafen auf echte Freude und viele Freunde. Mit viel auswendig gelerntem Gesang und langen Gedichten bedankten sich die Beschenkten. Unter ihnen war auch Philipp, der vor zwei Jahren von der Rumänienhilfe eine Bein-Operation in Vogtareuth geschenkt bekam und inzwischen wie viele andere Buben dem Fußball nachlaufen kann.

Als 1989 Hans Alt mit den ersten Spenden-Zusammenstellungen begann und erstmals in Rumänien war, da dachte er an den oftmals feststellbaren Überfluss zu Hause, an die Teilungs-Aufforderung des Heiligen Martin und an den Heiligen Nikolaus, der der Legende nach drei Mädchen freigekauft hat. Inzwischen hat die Aktion „Kinder für Kinder in Rumänien“ einen enormen Umfang angenommen. Zu den 3.600 Kilometern, die bei der kürzlichen Fahrt nach Rumänien zusammen kamen, kamen noch 2.500 heimatliche Kilometer beim Einsammeln der Spenden dazu. Hans Alt sammelt Kleidung und Lebensmittel, die in Bananenkartons verpackt sind. Je Karton wird dann noch um eine Spende in Höhe von mindestens zwei Euro gebeten, damit die Transportkosten finanziert werden können. Um diese Kosten möglichst niedrig zu halten, wird mit kulanten Unternehmen zusammengearbeitet und um die Verladezeiten kurz zu halten, kommt immer eine Helferschar aus Ramsau und Umgebung, Prien, Frasdorf und weiteren Chiemgau-Gemeinden zusammen.

Im Januar eigene Hilfsfahrt ab Neubeuern

Eine eigene Helferaktion und ein zusätzlicher Hilfstransport wird einmal im Jahr für die Rumänienhilfe auch in Neubeuern organisiert, die Sammlung vom 19. bis 22. Januar übernimmt Uschi Bauer mit ihrem Team (Nähere Hinweise dazu zu gegebener Zeit aus dem Radio und den Zeitungen). Die dortige Verlade-Mannschaft trifft sich am Freitag, 23. Januar um 9 Uhr in Neubeuern. Diese großartige Eigen-Initiative ist den bisherigen Aktionen von Hans Alt entsprungen. Trotz des Riesen-Umfangs der ehrenamtlichen Leistungen und der Spendenlieferungen bleibt Hans Alt bescheiden. Nach seiner heurigen Rückkehr sagte er bei der Betrachtung der Bilder mit vielen dankbaren Kinderaugen: „Die EU ist zwar an vielen Bau-Projekten beteiligt, aber Brüssel ist weit weg. Auch wir ändern nichts Großes, aber die sicht- und spürbare Freude der Kinder, das ist ein echtes und gutes Weihnachts-Gefühl“.

Fotos: Hans Alt/Hötzelsperger – Eindrücke von der vorweihnachtlichen Helferfahrt des Freundeskreises Rumänienhilfe Chiemgau.

Teilnehmer an der Hilfsfahrt: Josef Braun aus Flintsbach, Rumänien-Deutscher, Dolmetscher und Fahrer, Diakon Andreas Klein aus Ramsau, Organisator Hans Alt, Toni Rumpfinger, pensionierter Landwirt aus Isen und Georg Hötzelsperger aus Prien-Prutdorf.

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg